Landhaus Mönchenwerth in Meerbusch-Büderich: Lollis aus Parmesan
VON BIRGIT WANNINGER - zuletzt aktualisiert: 19.09.2007 - 09:05Düsseldorf (RPO). Durch die Rheinauen führt der Weg zum denkmalgeschützten Haus, das Ende des 17. Jahrhunderts von belgischen Mönchen errichtet wurde. Nicht nur wegen des prächtigen Ausblicks auf den Rhein lohnt sich der Weg ins Landhaus Mönchenwerth, auf der Grenze zwischen Düsseldorf und Meerbusch, sondern vor allem wegen der außergewöhnlichen Küche.
Landhaus Mönchenwerth, Niederlöricker Straße 56, Meerbusch-Büderich
Öffnungszeiten dienstags bis samstags ab 18 Uhr, sonntags auch 12 bis 14.30 Uhr, Telefon 021 32/75 76 50
Das Molekular-Menü ist bis 30. September jeden Abend (außer Montag) erhältlich. Allerdings ist das aufwändige Menü auf 20 Personen begrenzt
Kosten 125 Euro pro Person, mit Weinbegleitung 165 Euro
Seit 1840 ist das Haus Gaststätte. Doch seit der Franzose Guy de Vries vor sieben Jahren die Regie übernommen hat, ist die Küche außergewöhnlich und phantasievoll. Er experimentiert gerne und hat sich auf die Spuren von Ferran Adria begeben, dem Vorreiter der molekularen Küche.
„Molekular No. 2” nennt de Vries sein Zwölf-Gang-Menü, das alle Sinne anregen soll. Und tatsächlich: Vom Parmesan-Lolli bis zum Oliven-Gummibärchen erlebten wir jede Menge Überraschungen. Denn in der molekularen Küche werden die Regeln der Kochkunst teilweise auf den Kopf gestellt.
So überraschte uns das Flammkuchen-Espuma, das in seinen Bestandteilen serviert wurde: Sauercreme im Glas, darüber drapiert eine sanft gegarte, knusprige Zwiebel-Scheibe und ein krosser Streifen Speck. Vorzüglich schmeckten uns gelierter Balsamico-Essig und weiß-pulvriges Olivenöl-Granulat mit Tomaten und Mozzarella.
Gänsestopfleber und Brioche gehören auch zur traditionellen Haute Cuisine. Nur diesmal kam die Leber-Creme aus der Tube. Fischfond in Form perlweißer Kügelchen verfeinerte die Auster, die auf Eis in einer Petrischale serviert wurde. Und bei der Hühner-Bouillon brachte uns Restaurantleiter Sascha Bürgel, der jeden Gang minutiös erklärte, eine Pipette, in der sich der flüssige japanische Nudelteig befand. Dazu gab es die eigenwillige, gut dazu passende Kombination von Thunfisch und Gänseleber. Unter einer Wolke Möhren-Luft war der butterzarte Wolfsbarsch versteckt. Der Fisch wiederum lag auf extrem grünen, geschmacklich besonders intensivem Erbsenpürree. Das ebenso grüne Apfelsorbet war geschmacklich ein Traum und zählte für uns optisch zum Höhepunkt: Dank Trockeneis auf dem Teller, das mit Schiefersplittern bedeckt war, kam das Sorbet vulkanisch dampfend auf den Tisch.
Zartes Rinderfilet mit Steinpilz-Chip und Trüffelschaum ließen kaum noch Platz für Desserts. Obwohl das glasklare Schokoladen-Süppchen uns ebenso faszinierte wie das Zwetschgengelee. Ein kulinarischer Abend, bei dem alles stimmte - und nicht nur der Geschmackssinn angeregt wurde.
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