Denkmal steht in New York: Loreley-Brunnen als Liebeserklärung an Heine
zuletzt aktualisiert: 14.02.2006 - 17:26Düsseldorf (dto). „Wer ist Heinrich Heine“ mögen sich heute die in der Bronx lebendenden Frauen und Männer fragen, wenn sie sich im Joyce-Kilmer-Park in New York zum Basketball oder Joggen treffen. „Ich weiß nicht was soll es bedeuten“, würde sich vielleicht Heine heute fragen, denn der Brunnen, der einst von der legendären österreichischen Kaiserin Sissy ihm zu Ehren gebaut wurde, war zur Jahrhundwende in Deutschland nicht erwünscht. Seit 1899 steht das Denkmal, das eigentlich als Geschenk an Heines Heimatstadt gedacht war, in New York.
Es sollte eine Liebeserklärung der besonderen Art werden. Zu Ehren Heines ließ Österreichs Kaiserin Sissy bei dem Bildhauer Ernst-Gustav Herter einen Brunnen aus Marmor in Auftrag geben, dessen Figuren die volkstümliche Sage von der Loreley erzählt. Den fertigen Brunnen wollte Sissy 1897 Heines Geburtsstadt schenken, doch lehnten Düsseldorfs Stadtväter das Kunstwerk aus Wien ab. Zu sehr war die Zeit um die Jahrhundertwende geprägt von Nationalismus und Antisemitismus. Das Gedenken an den Juden Heine nicht erwünscht.
Hätte ein Deutsch-Amerikaner nicht an den Brunnen erinnert, wäre er wohl irgendwann in seine Einzelteile zerlegt worden. Doch stattdessen wurde der Brunnen nach New York geschifft. Dort war Heine zwar nicht bekannt, doch der Brunnen wurde spätestens in den 30er Jahren zur kulturellen Identifikationsfigur jener Juden, die vor dem Nazi-Terror nach Amerika geflohen waren. Seitdem steht das Denkmal in New York, mal mehr, mal weniger beachtet.
Ende der 90er Jahre wurde der Brunnen restauriert. Arme und Beine waren in den Jahren Opfer von Zerstörungswut geworden. Ein Jahr nach Heines 200. Geburtstag wurde der Brunnen zur Sanierung nach Kanada gebracht. Was der deutschstämmige Restaurator Leo Henrichs in monatelanger Feinarbeit vollbrachte, war erstaunlich. Aus dem Sockel entnahm er Material des nicht mehr beschaffbaren raren Marmors, um die abgeschlagenen Gliedmaßen der Meerjungfrau zu ersetzen. Taubenkot und Graffiti konnten entfernt werden. 1,2 Millionen Dollar kostete die Restaurierung, finanziert durch öffentliche und private Spenden. 100 Jahre nach seiner Aufstellung in der Bronx funkelte der Brunnen in neuem Glanz.
Mit einem großen Fest wurde der Brunnen gefeiert. Mit dabei waren auch der damalige Düsseldorfer Bürgermeister Wolfgang Scheffler und Heine-Jahr-Geschäftsführerin Angela Eckert-Schweizer sowie der Leiter des Heine-Instituts, Joseph A. Kruse. Der damalige Bezirksbürgermeister Fernando Ferrer beschwor Heines Geist und wünschte sich, dass Toleranz und Offenheit in der Bronx spürbar werden sollte.
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