Die Düsseldorferin in Diensten des Berliner HC fliegt am Mittwoch nach Athen: Louisa Walter: Ein Traum geht in Erfüllung
zuletzt aktualisiert: 04.08.2004 - 12:03Düsseldorf (rpo). Am Mittwoch erfüllt sich für Louisa Walter ein Kindheitstraum: Die ehrgeizige Hockey-Torfrau aus Gerresheimer fliegt zur Olympiade nach Athen. Eigentlich könnte die 25-Jährige in Diensten des Bundesligisten Berliner HC dem Ereignis ganz gelassen entgegen sehen, denn sie war in ihrer Karriere auf nationaler und internationaler Ebene schon bei allen großen Ereignissen dabei und hat eine Menge Trophäen gesammelt.
Aber wer die Sportlerin mit den großartigen Reaktionen genauer kennt, der weiß, wie aufgeregt sie vor solchen Großereignissen ist. Und die Spiele fehlten in der Sammlung der Düsseldorferin eben. „Ich hatte schon als kleines Kind davon geträumt, ein Mal bei der Eröffnungsfeier ins Stadion zu marschieren“, sagt sie.
Lousia Walter bewies ihr Talent mit dem Ball schon als Kind. Sie hatte bei Post SV an der Dreher Straße zunächst Fußball gespielt. Als sie eine Freundin im Alter von sieben Jahren dann einmal mit zum Hockeytraining an die Diepenstraße beim DSC 99 nahm, hatte Louisa Walter ihre Berufung gefunden. Zunächst als Feldspielerin, später fand das laufstarke Mädchen ihre Idealposition zwischen den Pfosten.
In Athen wird sie zu den jüngsten Spielerinnen zählen, die zwischen den Pfosten stehen. Torleute sind schließlich meist jenseits der 30 Jahre - weil Erfahrung wichtig ist. Bundestrainer Markus Weise aber meint, dass er sich trotz ihrer "Jugend" darauf verlassen könne, dass die Keeperin der deutschen Abwehr die nötige Sicherheit gibt. „Ich denke, dass meine Leistungen in den vergangenen Jahren sehr stabil waren. Deshalb traue ich mir auch zu, ein olympisches Turnier auf hohem Niveau zu spielen“, sagt Louisa Walter mit großem Selbstbewusstsein.
Stabilität ist so etwas wie zu einem Lebensmotto für sie geworden. Es hat nicht nur im Sport eine wichtige Bedeutung. Für die Studentin spielt es auch in ihrem Studium des Bauingenieurwesens an der Technischen Universität in Berlin eine große Rolle. Im Herbst kommt sie ins elfte Semester. Ihr erster Schwerpunkt liegt dabei im Wasserwesen. „Das war schon immer ein Gebiet, dass mich sehr stark interessiert hat.“ Hafenbau, Kanalbau oder in der Siedlungs-Wasserwirtschaft hat sie als berufliche Ziele im Visier.
Nach der Erfüllung des olympischen Traums will Lousia Walter erstmal eine Pause einlegen. "Dann ist Schluss mit der Nationalmannschaft." Die volle Konzentration gelte dann dem Studium. „Nach Athen will ich meine Ausbildung voran treiben.“ Klarheit herrscht im privaten Umfeld der Nationaltorhüterin, die aufgrund ihrer zuverlässigen und ruhigen Art bei den Mitspielerinnen sehr beliebt ist: Seit fast vier Jahren bildet sie mit dem Berliner Hockey-Idol Andreas Keller ein Paar.
Auf dem Papier ist das eine eher ungewöhnliche Beziehung, denn der Olympiasieger von 1992 und heutige Sonderschulpädagoge ist 13 Jahre älter. „Bei Andi merkt das aber eh keiner“, sagt Louisa und meint damit das jugendliche Auftreten ihres Lebensgefährten. „Er hat mich in meinen Hockeyplänen immer großartig unterstützt. Schließlich hat er auch aus eigener Erfahrung ein besonderes Verständnis dafür.“
Dass Keller seit einigen Monaten auch noch ihr Coach im Clubteam ist bedeutet für Walter kein Problem. „Da gehe ich ganz locker mit um. Andi macht einen tollen Job für unsere Mannschaft, ich bin da nur ein Mitglied wie jedes andere auch.“ Und wenn es doch mal Konflikte gibt, dann sind sie auch schnell wieder ausgeräumt.
Das „Hockeytraumpaar“ lebt direkt um die Ecke „ihres“ BHC. Berlin ist für die Düsseldorferin mittlerweile zur neuen Heimat geworden. Gerne erinnert sie sich an ihre Zeit ihn Düsseldorf. „Meine Mutter kannte den Sport überhaupt nicht. Sie hat mich zu allen Spielen begleitet und ist heute ein großer Hockey-Fan."
Mit 14 Jahren wechselte Louisa Walter nach Velbert, zwei Jahre später – schon als Jugend-Nationalspielerin – zu Schwarz-Weiß Köln in die Regionalliga. Von dort führte der Weg vor fünf Jahren zum BHC in die Bundeshauptstadt.
Schon 1998, als Birgit Beyer kurz vor dem Turnier mit einem Kreuzbandriss ausfiel, erhielt sie die Chance, als Ersatz von Julia Zwehl WM-Luft zu schnuppern, kam aber zu keinem Einsatz. Zwei Jahre später war sie für Olympia in Sydney nur die Nummer drei. „Damals hat Berti Rauth die gesamte Vorbereitung mit zwei Torhüterinnen gespielt. Eine echte Chance hat er mir da nie gegeben“, sagt sie rückblickend.
Beim Weltturnier in Perth vor zwei Jahren kam Walter als Nummer 1b neben Birgit Beyer immerhin auf drei Einsätze. Auch für Athen rechnet sie sich gute Chancen aus. Bei Markus Weise stehen die Torhüterinnen fast auf einer Stufe. „Jeder erhält jetzt in der Vorbereitung eine faire Chance. Und am Ende fahren die beiden nach Athen, die die besten Leistungen gezeigt haben“, freut sich die Wahl-Berlinerin. Das Verhältnis zu den Kollegin Julia Zwehl und Yvonne Frank beschreibt sie als gut. „Klar, wir sind Konkurrentinnen, aber das Verhältnis ist gut. Jeder geht absolut fair mit der anderen um.“
Viel Zeit verbringt Louisa Walter mit ihren Berliner Teamkameradinnen Natascha Keller und Britta von Livonius. Mit Keller ging sie sogar noch bis letztes Jahr gemeinsam für den BHC in Tennis-Punktspielen auf Erfolgsjagd. Neben der Filzkugel gehören aber auch Skifahren, Inlineskaten, Kinobesuche und gemütliche Stadtbummel zu den Hobbies der 25-jährigen. In den nächsten Wochen bleibt dafür aber nur wenig Zeit - die volle Konzentration gilt der Erfüllung ihres olympischen Traums.
Von FALK JANNING
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