Abschied ihm Frühjahr: LTU: Marbachs Rückzug auf Raten
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 11.01.2008 - 09:13Düsseldorf (RPO). Der Chef der Düsseldorfer LTU, die inzwischen zur Air-Berlin-Gruppe gehört, will seinen Job als Geschäftsführer der Düsseldorfer Fluggesellschaft aufgeben und sein Geld aus dem Verkauf seiner Anteile in Beteiligungen in der Luftfahrt, Touristik- und Hotelbranche stecken.
DÜSSELDORF Sechs Jahre nach seinem Einstieg bei der Düsseldorfer Fluggesellschaft LTU bereitet sich der Chef der Air Berlin-Tochter, Jürgen Marbach, auf seinen Abschied vor. Trotz aller Dementis gilt es als wahrscheinlich, dass der 49-Jährige seinen Schreibtisch in der Halle8 am Düsseldorfer Flughafen im Frühjahr räumen wird. Darauf deutet auch ein gestern verteiltes Schreiben an die LTU-Mitarbeiter hin, in dem Marbach die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung mit dem Ziel, „mehr Zeit für eigene unternehmerische Tätigkeiten“ zu finden, bestätigt. Gleichwohl: „Fakt ist, dass ich weiter für die LTU/Air Berlin tätig bin und auch tätig sein werde.“
Marbachs Suche nach einer neuen Aufgabe hat vor allem zwei Gründe: Die wichtigen Entscheidungen im Konzern der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft werden nicht in Düsseldorf, sondern in Berlin getroffen. Der LTU-Geschäftsführer strebt bei seinen Verhandlungen mit Air Berlin-Chef Achim Hunold zudem eine Aufgabe an, die ihm mehr Zeit lässt, sich um seine eigenen finanziellen Aktivitäten zu kümmern. Als die LTU im vergangenen Jahr zu einem Preis von 140 Millionen Euro an Air Berlin ging, gab auch Marbach seinen 45Prozent-Anteil ab. „Das Geld ist optimal angelegt, aber das reicht nicht aus“, sagt er. Der Sprecher der LTU-Geschäftsführung sucht jetzt nach Möglichkeiten für Beteiligungen in den Branchen Luftfahrt, Touristik, Hotellerie. Das sind auch jene Sparten, in denen er als Geschäftsführer verschiedener Reiseunternehmen des damaligen Mehrheitsgesellschafters Rewe erfolgreich war, bevor ihn der Lebensmittel- und Touristikkonzern an die Spitze der Düsseldorfer Airline schickte. Interessant: Mit dem früheren LTU-Gesellschafter und Aufsichtsratschef Hans Rudolf Wöhrl verbinden Marbach finanzielle Interessen. Während die beiden im Sanierungsgeschäft bis zur Übernahme durch Air Berlin im vergangenen Jahr nicht harmonierten, verstehen sie sich als Finanzinvestoren heute bestens. Gemeinsam gehört ihnen eine kleine Airline in Österreich, deren einziger Jet, ein Airbus A320, unter den rot-weißen Farben der LTU fliegt. Marbach: „Wir wollen auch weiterhin gemeinsame Sache machen.“
Wenn Marbach bei der LTU zu einem offenbar nicht mehr allzu fernen Termin von Bord geht, sind in Düsseldorf die Weichen für den neuen Kurs längst gestellt. Schon heute arbeitet an seiner Seite, verantwortlich für den gesamten Flugbetrieb mit sieben Langstrecken-Jets für touristische Fernziele, der vom damaligen Wöhrl-Unternehmen dba gekommene Helmut Weixler als zweiter Geschäftsführer. Klaus Weirich und Bernd Schniering sind als Chefs des für die Technik verantwortlichen Schwesterunternehmens ebenfalls in die LTU-Geschäftsführung eingebunden. Marbachs selbst gewählter Rückzug ist da so etwas wie ein Abschied auf Raten. Übrig bleibt möglicherweise ein Job als Berater.
Für die rot-weiße Flotte der Düsseldorfer Airline wurde der Kurs bei der Übernahme durch Air Berlin im vergangenen Jahr bereits ganz konkret abgesteckt: Die Airbus-Maschinen für die Kurz- und Mittelstrecke heben seitdem unter den Flug-Nummern von Air Berlin ab. Und auf den Leitwerken der verbliebenen sieben Langstrecken-Jets vom Typ A330 wird das seit mehr als 50 Jahren vertraute LTU-Logo in Kürze ebenfalls verschwinden - und durch die vor wenigen Tagen vorgestellte neue Marke von Air-Berlin ersetzt.
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