Lufthansa-Tochter ist Wunschkandidat für Allianz: LTU träumt von Condor
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 22.08.2006 - 08:45Düsseldorf (RP). Am Rande des Konzerts von Madonna trafen sich die Chefs der beiden Airlines in der VIP-Lounge. Jürgen Marbach bestätigt: Für die Düsseldorfer ist die Lufthansa-Tochter Wunschkandidat für eine Allianz.
Die Idee hatte eigentlich schon Patina angelegt, aber als sich in der VIP-Lounge der LTU am Sonntagabend einige Große der Luftfahrtbranche zum Konzert mit Madonna trafen, erhielt das alte Gerücht neue Nahrung: die rot-weiße LTU und die gelb-blaue Condor als Partner einer neuen Allianz?
Dass LTU-Chef Jürgen Marbach in der Arena auch Air Berlin/dba-Eigner Achim Hunold begrüßte, ist in diesem Zusammenhang weniger wichtig. Auffälliger war dagegen der Gesprächskontakt mit Condor-Chef Ralf Teckentrup. „Die Condor war schon immer mein Wunschpartner“, wiegelte Marbach gestern ab. Dass seine Rechnung bisher nicht aufging, habe leider daran gelegen, dass die Lufthansa ihr Verhältnis zur Tochter bisher nicht endgültig habe klären können.
Zum besseren Verständnis: Die Condor gehört zu dem gemeinsam von Lufthansa und Karstadt/Quelle betriebenen Reisekonzern Thomas Cook. Karstadt/Quelle-Chef Thomas Middelhoff hat öffentlich erklärt, dass er die Lufthansa-Anteile von Thomas Cook gerne hätte - allerdings ohne die Condor, die damit frei würde für neue Überlegungen.
Bei der LTU fielen solche Gedankenspiele auf fruchtbaren Boden - wenn sie denn Wirklichkeit würden. Jürgen Marbach, mit 45 Prozent am Kapital der LTU beteiligt, braucht in absehbarer Zeit einen starken Partner mit ähnlichem Mittel- und Langstrecken-Konzept wie seine Airline. Parallel sucht er nach einem kapitalstarken Investor, der die dünne Kapitaldecke der LTU für die nächsten Jahre tragfähig macht.
„Wir brauchen eine Kapazitätserweiterung, und die kostet Geld“, so Marbach. Das beginne bei „mindestens hundert Millionen Euro, um drei oder vier Flugzeuge neu einflotten zu können“. Dass so viel Geld vom Mehrheitsgesellschafter (55%) Hans Rudolf Wöhrl kommen kann, wird bei der LTU trotz dessen Beteuerungen, sich nach dem dba-Verkauf in Düsseldorf konsequent engagieren zu wollen, stark bezweifelt. Auch kein Thema ist der in diesem Zusammenhang regelmäßig ins Gespräch gebrachte Milliardär Lutz Helmig (Helios Kliniken), zu dem Wöhrl in alten dba-Zeiten geschäftliche Kontakte pflegte. Wöhrl dementierte gestern solche Ambitionen, Marbach bestätigte: „Da werden keine Gespräche geführt.“
Was bleibt? Der weiterhin sanierungsbedürftigen LTU stehen in den Wochen beginnender Tarifverhandlungen harte Einschnitte bevor, will sie bis 2008 in ruhigere Zonen steuern. 15 Millionen Euro an Einsparungen sind vorgegeben, die Hälfte soll über die Streichung des 13. Gehalts reinkommen. Die Sanierung des sich mit Ballast dahin schleppenden Unternehmens ist Voraussetzung für den Einstieg potenzieller Kapitalgeber. LTU-Wunschpartner Condor hat den schmerzhaften Prozess mit Personalabbau, Aufkündigung von Tarifverträgen und Flugzeug-Rückgaben schon hinter sich. Seit 2005 fliegt die attraktive Lufthansa-Tochter dort, wo die LTU mit gleichem Streckenkonzept unbedingt hin muss: in schwarzen Zahlen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





