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Düsseldorf: "Magnolien für den Kö-Bogen"

VON DENISA RICHTERS - zuletzt aktualisiert: 23.05.2011 - 20:02

Düsseldorf (RPO). Tita Giese komponiert exotische Pflanzen in ungewohnter Umgebung. In Düsseldorf stehen ihre Yucca-Inseln auf dem Stresemann-Platz. Auch für die Hofgartenkante hat Giese ein Konzept.

Tita Giese in ihrem Garten in Düsseldorf-Düsseltal: Auf etwa 1600 Quadratmetern testet sie dort das Wachstum verschiedenster Pflanzen.  Foto: Andreas Bretz
Tita Giese in ihrem Garten in Düsseldorf-Düsseltal: Auf etwa 1600 Quadratmetern testet sie dort das Wachstum verschiedenster Pflanzen. Foto: Andreas Bretz

Frau Giese, wie viele Pflanzenarten kennen Sie?

Giese Das weiß ich nicht.

Was ist derzeit Ihre liebste Pflanze?

Giese Ich mag alle Arisaema-Arten, das sind Calla-artige Aronstabgewächse. Aber eigentlich sind für mich alle Pflanzen gleich. Ich finde auch keine Pflanze hässlich. Es gibt allerdings Pflanzen, mit denen ich früher gearbeitet habe, die aber diskreditiert sind.

Wie diskreditiert sich eine Pflanze?

Giese Indem sie von falschen Leuten verwendet wird. Wenn Pflanzen inflationär eingesetzt werden, sind sie diskreditiert.

Info

Zur Person

Privat 1942 in Nördlingen/ Bayern geboren, Kunstakademie Düsseldorf 1964

Projekte (u.a.) 1980 Berliner Allee, 1994 Düsseldorfer Flughafen (durch Brand zerstört), 2000 Pflanzenprojekt Deichtorhallen Hamburg, 2002 Hängende Gärten München, 2007 Stresemannplatz, 2010 Farnschluchten Basel

Sie waren Anfang der 80er Vorreiterin beim Bambus, den Sie auf der Berliner Allee pflanzten. Inzwischen steht Bambus in jedem Vorgarten ...

Giese Ja, das ist schrecklich. Als ich damals den Bambus gepflanzt hatte, hatte ich das Gartenamt gegen mich. Die sagten, Bambus sei nicht winterhart. Aber ich hatte es vorher erprobt. Ein findiger Geschäftsmann hat später Bambus zum Trend gemacht. Wenn ich heute Auftraggebern Bambus vorschlage, winken die ab.

Sie stellen bei Ihren Projekten oft den Kontrast her zwischen Autoverkehr und Pflanzeninseln. Weshalb?

Giese Für mich ist Natur nur im Kontext mit Hightech, Verkehr und Realität möglich. Mit der Ideologie einer Natur als heiler Welt, in die man am Wochenende eintaucht, kann ich nichts anfangen.

Gieses Konzept für die Kante vor den Liebeskind-Bauten im Kö-Bogen: rote Seerosen in der Landskrone, pink blühende Magnolien sowie Palmen. Animation: Giese Foto: Andreas Bretz

Sie folgen dem Prinzip der Transparenz. Was heißt das?

Giese Das ist mir ein sehr wichtiger Punkt. Das geht schon bei Straßenbäumen los: Die werden als reine Sauerstoffproduzenten gesehen, werden nicht geschnitten. Daraus werden dann diese düsteren Filzkugeln, die überall stehen. Ich lichte Bäume und Pflanzen aus. An der Berliner Allee sind so zum Beispiel vier Ebenen entstanden, alle transparent. Ich will, dass es durchsichtig ist, und nicht diese undurchdringlichen, schwarzen Monster.

Ist das auch das Prinzip der Natur?

Giese Natürlich. Im Libanon gibt es zum Beispiel uralte Platanen, durch die ständig ein Wind weht und die dadurch ausgelichtet werden. Die dunklen, dichten Wälder in Deutschland sind hingegen nicht natürlich, sondern gezüchtet. Auch in Urwäldern wie am Amazonas gilt das Prinzip der Transparenz: Wenn man die Größten stehenlässt, bleibt unten noch Platz für andere Pflanzen. Das wäre auch die Lösung für den Kö-Graben. Dass unter den dichten Kastanienkronen kein Rasen wächst, ist jedem klar. Mein Vorschlag ist deshalb Efeu. Das ist eine sehr schöne Pflanze, mit der man viel machen kann. Oder man lichtet die Baumkronen aus.

Ihre Projekte sind Attraktionen im Stadtbild. Wie die Palmen auf dem stark befahrenen Stresemannplatz. Wie halten die Yuccas das aus?

Giese Die wachsen in rauen Mengen in der Hochebene von Mexiko. Dort ist es im Winter bis minus 25 Grad kalt, im Sommer unglaublich heiß. Ich habe die Yuccas mit amerikanischem Präriegras kombiniert, es hält extreme Trockenheit aus, muss also nicht bewässert werden.

Sie haben auch eine eigene Idee für den Kö-Bogen. Wie sieht die aus?

Giese Es ist fantastisch, dass im Hofgarten mit der Landskrone ein Gewässer ist. Dort würde ich rote Seerosen setzen, die blühen von Mai bis September. Dazu will ich Magnolien kombinieren, wie sie vor dem Kaufhof auf dem Platz mit dem Schalenbrunnen stehen. Pink blühend – von April bis Mai. Danach blühen pinkfarbene Clematis, die ich in die Magnolien setze. Über den Magnolien stehen winterharte, hoch wachsende Palmen wie an der Berliner Allee. Die Steinstufen vor den Libeskind-Bauten gefallen mir gut. Ich würde Platten aus hellem, pflegeleichtem Kunststein legen.

Ihre Idee umfasst auch Beleuchtung.

Giese Ja, Straßenleuchten aus Messing mit LED-Technik. Sie haben eine palmenähnliche Krone, die beweglich ist. Das Licht kann also auf die Seerosen oder auf die Magnolien gerichtet werden. Im Winter würde sehr langsam, kaum wahrnehmbar ein Regenbogen über die Flächen streifen. Das ist ein schönes Licht in der dunklen Jahreszeit.

Haben Sie Ihr Konzept vorgestellt?

Giese Ja, bisher ohne Reaktion. Herr Bonin (Planungsdezernent, d. Red.) arbeitet lieber mit Landschaftsarchitekten, die Mainstream machen, den man in der ganzen Welt sieht.

Wie finden Sie Japanische Zierkirschen vor den Libeskind-Bauten?

Giese Japanische Zierkirschen sind ursprünglich tolle Pflanzen, aber inzwischen ein absolutes Massenprodukt und deshalb diskreditiert. Magnolien wären etwas Besonderes. Wenn es um ein Bekenntnis geht: Ein großer Teil der von mir vorgesehenen Magnolien kommt aus Japan. Sie würden vom Kaufhof in den Hofgarten fortgesetzt.

Wenn die Hochstraße Tausendfüßler abgerissen wird, fällt auch Ihr Dschungel-Pfad. Wie finden Sie das?

Giese Das ist schade. Abgesehen von meinem Pflanzenprojekt bin ich gegen den Abriss. Der Tausendfüßler ist tolle Architektur und ein städtebauliches Dokument für Düsseldorf. Obendrein hat er eine wunderbare Form. Ich würde ihn weiß streichen, nachts von unten beleuchten. Den Dschungel-Pfad könnte man bis zum Theatermuseum fortsetzen. Das wäre viel schöner als eine Speer-mäßige Platanen-Allee.

Was wäre Ihr größter Wunsch?

Giese Ein Park – das Gebiet am früheren Derendorfer Güterbahnhof wäre toll gewesen.

Quelle: RP

 
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