Düsseldorf: Mahnwache der Lehman-Opfer
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 16.09.2010 - 07:42Düsseldorf (RPO). Der Jahrestag der Pleite der Investmentbank jährte sich gestern zum zweiten Mal. Rentner, die durch die Insolvenz große Teile ihres Vermögens verloren, zogen in einem symbolischen Trauerzug zur Hauptstelle der Targobank.
Sie sind nicht mehr die Jüngsten, aber sie lassen sich nichts gefallen: Rund 40 Senioren, die im Zuge der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers große Teile ihrer Ersparnisse verloren, protestierten gestern vor der Targobank an der Schadowstraße und marschierten von dort als Trauerzug zur Hauptstelle der Bank an der Kasernenstraße.
Es war der zweite Jahrestag der Lehman-Insolvenz, und besonders die Targobank (früher Citibank) und die Commerzbank (früher Dresdner Bank) werden beschuldigt, ihre Opfer nicht ausreichend entschädigt zu haben. Zu einer symbolischen Leichenschau legten sich mehrere Demonstranten auf den Asphalt, andere waren als Totengräber oder als Sensenmann verkleidet. Viele trugen Schilder mit verfremdeten Werbesprüchen ("So geht Bank heute Nicht") und skandierten Parolen.
"20 000 Euro verloren"
Renate L. und ihr Mann Gerhard aus Unterrath verloren 18 000 Euro, "weil wir in der Dresdner Bank an der Kalkumer Straße falsch beraten wurden". Seit zwei Jahren geht das Ehepaar, das seinen Nachnamen nicht nennt, weil bald geklagt werden soll, zu jeder Demonstration der Lehman-Geschädigten. "Wir haben eine gütliche Einigung versucht, aber die Bank behauptet weiter, wir seien gut und richtig beraten worden", sagt Renate L. "Dabei wurde sogar das Wort ,Lehman' deutsch ausgesprochen. Hätten sie das englisch betont, wären wir doch sofort hellhörig geworden."
Marlies Kroll aus Dortmund verlor 20 000 Euro, "ebenfalls durch die Dresdner Bank". Die Bank behaupte, sie habe im Vorfeld gut über alle Risiken aufgeklärt. "Dann hätte man mir einen über 100 Seiten dicken Verkaufsprospekt innerhalb von wenigen Minuten am Telefon erklären müssen", sagt Kroll. Rudolf Holle aus Duisburg möchte nicht über die Summe sprechen, die seine Frau und er verloren. "Davon hätte ich mir ein tolles Auto kaufen können", sagt er lediglich: "Wir haben unserem Bankberater vertraut, man kannte sich seit Jahren."
Während viele der Demonstranten auf den Berliner Bankenombudsmann hoffen, setzt Holle auf den belgischen Aktionärsdienstleister Deminor, der Gläubiger von Lehman Brothers zusammenführt. Bis es möglicherweise so weit ist, wollen die Demonstranten weiterstreiten: "Wir haben den Krieg überlebt und den Wiederaufbau mitgemacht. Demonstriert haben wir vorher noch nie. Aber es kann nicht sein, dass die Banken auf Verjährungsfristen hoffen – und darauf, dass wir einfach wegsterben."
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