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Bekannter Professor und Künstler: Maler Lüpertz auf A2 geblitzt

VON PETER JOHNSEN UND BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 23.01.2010 - 10:41

Düsseldorf (RPO). Professor Markus Lüpertz, einer der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart, fährt gern schnelle Autos. Bei Bielefeld geriet er mit seinem 400-PS-Maserati auf der Autobahn gleich zweimal in eine Radarfalle.

Markus Lüpertz.  Foto: rpo, Falk Janning
Markus Lüpertz. Foto: rpo, Falk Janning

Die Liste der prominenten A-2-Raser, die in die Radarfalle am Bielefelder Berg getappt sind, wird immer länger. Gleich zwei Mal kurz hintereinander, nämlich am 13. Mai und am 16. Juni 2009, erwischte es einen der bekanntesten deutschen Künstler der Gegenwart, den Maler, Bildhauer und ehemaligen Düsseldorfer Akademie-Rektor Markus Lüpertz (68) aus Berlin.

Beim ersten Mal wurde Lüpertz – nach Abzug der üblichen Toleranz – mit 135 km/h am Steuer seines 400 PS starken Maserati auf der A 2 in Fahrtrichtung Hannover geblitzt. Beim zweiten Mal waren es immerhin noch 130 Km/h – 100 Kilometer pro Stunde beträgt dort die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. In beiden Fällen wurde neben dem üblichen Bußgeld auch ein einmonatiges Fahrverbot verhängt, in beiden Fällen legte er gegen den Bußgeldbescheid der Stadt Bielefeld Einspruch ein. Vor dem Amtsgericht wurden die Verfahren gestern verhandelt.

Info
Markus Lüpertz

Geboren 25. April 1941

Lebensmittelpunkte Berlin, Karlsruhe, Düsseldorf ,Florenz

Familienstand Verheiratet, fünf Kinder

Beruf Maler, Grafiker, Bildhauer

Ämter Von 1988 bis 2009 Rektor der Düsseldorfer Kunstakademie

Preise U. a. der „Julio-González-Preis“ für seine Leistungen in den bildenden Künsten (2003)

Im Mantel mit breitem Pelzkragen, den Kopf mit einem ebenfalls pelzbesetzten Käppi bedeckt und auf einen schwarzen Gehstock mit silbernem Totenschädel als Knauf gestützt, betrat Lüpertz kurz vor Terminbeginn das Amtsgericht. Begleitet wurde er von seinen Verteidigern Gregor Wichmann, Berlin, und Jan Bruns, Düsseldorf. Wie fast allen Temposündern geht es auch Lüpertz darum, das Fahrverbot abzuwenden.

"Ich fahr kommod", so versuchte er den Verdacht zu entkräften, dass er es mit Geschwindigkeitsbegrenzungen nicht so genau nehme. Gegen diese Aussage sprachen allerdings drei einschlägige Vorbelastungen aus den Jahren 2006 und 2008. Er besitze mehrere Pkw, die von verschiedenen Personen genutzt werden, und könne sich in den konkreten Fällen nicht erinnern, geblitzt worden zu sein, fügte Lüpertz hinzu.

Im ersten Fall stellte Verteidiger Bruns mehrere Anträge, unter anderem auf Einholung von Gutachten zum technischen Zustand der Radaranlage. Rechtsanwalt Wichmann, der die Verteidigung im zweiten Fall führte, verlegte sich mehr aufs Bitten: Ob die Richterin nicht aus zwei Monaten Fahrverbot einen machen und dafür das Bußgeld erhöhen könne.

Das sei nur möglich, wenn die wirtschaftliche Existenz des Betroffenen bedroht und keine Vorbelastung vorhanden sei – in Lüpertz' Fall jedenfalls nicht, lautete die Antwort. Zu Urteilen kam es gestern noch nicht. Am 2. Februar wird weiterverhandelt.

Markus Lüpertz hat es wohlweislich unterlassen, vor Gericht als Künstler zu argumentieren. Denn in diesem Falle hätte er noch weniger auf Gnade hoffen dürfen. Dann nämlich hätte er sagen müssen: Ich empfinde mich als Genie. Und ein Genie zeichnet sich dadurch aus, dass es sich seine Regeln selbst gibt. Und da ich Dinge erschaffe, die sonst keiner zu erschaffen vermag, steht mir auch im Alltag eine größere Freiheit zu; etwa die Freiheit, Geschwindigkeitsbeschränkungen zu missachten.

Mit seiner Kunst hat er oft Anstoß erregt; mit einer Mozart-Statue für Salzburg, die den Komponisten als einarmige Frau darstellt. Oder mit einer Skulptur der Schönheitsgöttin Aphrodite für Augsburg, die dem Volk zu hässlich war. Lüpertz ist bekannt, aber nicht bedeutend. Seine Retrospektive in der Bundeskunsthalle Bonn hat Verrisse gezeitigt und offenbart, dass der Mann, der sich als Dandy inszeniert, an Strahlkraft verliert, sobald man ihn ausschließlich als Künstler betrachtet.

Seit Jahrzehnten pflegt er die Geste dessen, der dem Bürgertum eine eigene Welt entgegensetzt. Vor 40 Jahren zog er erstmals mit seiner "dithyrambischen Malerei" Aufmerksamkeit auf sich (benannt nach den ekstatischen Reigen- und Chorliedern, mit denen die Griechen ihrem Gott Dionysos huldigten). Deutschland im 20. Jahrhundert – das wurde sein Thema. Eicheln, Stahlhelme und Uniformen, Ähren und karierte Mäntel bilden sein Motivrepertoire. Auf riesigen Leinwänden ließ Lüpertz seine Motive erstehen. Doch die Last, die in den Werken drückt, ist dem Künstler selbst nicht anzumerken.

Quelle: RP

 
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