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Schweinegrippe Reagenzglas Panorama, ddp 2009-0501
  Foto: ddp, ddp
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Jetzt drei Schweinegrippe-Fälle: Mann und Kind der Erkrankten angesteckt

VON JOHANNES BORNEWASSER UND ROSA MOYA - zuletzt aktualisiert: 21.05.2009 - 15:58

In Nordrhein-Westfalen gibt es jetzt drei Fälle der Schweinegrippe. Nachdem eine 43-jährige Frau aus Düsseldorf bereits am Mittwoch positiv auf Influenza A/H1N1 getestet worden war, sind auch der Ehemann und eins ihrer zwei Kinder erkrankt.

Bereits ein Schnelltest der Uniklinik war an der Schweinegrippe-Erkrankten Düsseldorferin positiv ausgefallen. Nach der Bestätigung gilt die erste Erkrankung in Nordrhein-Westfalen nun als offiziell. Wie Dieter Häussinger, Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Hepatologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unserer Redaktion sagte, habe das Robert-Koch-Institut die Infektion am Vormittag bestätigt.

Zudem gibt es nach Angaben des Gesundheitsministerium zwei weitere Verdachtsfälle in der Stadt. Dabei handelt es sich um den Ehemann und das sechsjährige Kind der Erkrankten. Wegen der Ansteckungsgefahr werden die Erkrankten in der Düsseldorfer Uniklinik behandelt. Das zweite Kind zeige bislang keine Krankheitssymptome.

Info

Hilfe-Hotlines

Verschiedene Stellen haben eine Hotline für Fragen zur Schweinegrippe eingerichtet: Das Bundesgesundheitsministerium bietet die kostenlose Nummer 0800 - 4 40 05 50 an, montags bis donnerstags, 8 bis 18 Uhr, freitags 8 bis 12 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen 10 bis 16 Uhr. Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW hat wochentags von 8 bis 18 Uhr die Nummer 01803 - 10 02 10 (9 Cent pro Minute, abweichende Tarife aus Handynetzen) geschaltet.

Am Donnerstagabend soll es eine Pressekonferenz geben, bei der weitere Details bekanntgegeben werden (wir informieren zeitnah).

Die zweifache Mutter war mit einem Flugzeug aus den USA am Freitag, 15. Mai, gelandet. Sie wird derzeit auf der Quarantäne-Station der Uniklinik medizinisch betreut und mit fiebersenkenden Mitteln sowie dem Grippemedikament "Tamiflu" behandelt. Am Mittwoch hatte der Arzt zum gesundheitlichen Zustand der Frau bereits gesagt: "Es besteht keine Lebensgefahr, aber sie wird ständig beobachtet, um Komplikationen vorzubeugen." Auch den anderen zwei Betroffenen ginge es "verhältnismäßig gut".

36 Kinder unter Beobachtung

Da die Kinder der erkrankten Düsseldorferin noch am Montag und Dienstag eine Düsseldorfer Kindertagesstätte besucht hatten, wurden die Eltern anderer Hortkinder benachrichtigt. 36 Kinder und sechs Betreuerinnen, die mit den beiden möglicherweise Infizierten in der Kindertagesstätte in Kontakt gekommen waren, stehen derzeit vorsorglich unter Beobachtung.

Die Eltern der betroffenen Kinder wurden über den Schweinegrippe-Fall am Mittwochnachmittag informiert. Sie wurden aufgefordert, auf typische Symptome wie hohes Fieber, Schnupfen oder Atemnot sowie Kopf- und Gliederschmerzen zu achten. Zweimal täglich sollten sie die Temperatur messen. Darüber hinaus sollen die Betroffenen vorsorglich bis zum 2. Juni zu Hause bleiben. Erkrankte Kinder sind nach Angaben der Behörden vom Tag vor Symptombeginn bis zehn Tage danach als ansteckend anzusehen, Erwachsene bis zu sieben Tage danach.

Zur Sicherheit wird der Kindergarten, den das erkrankte Kind besucht hatte, für eine Woche geschlossen. Das Gebäude wurde bereits desinfiziert. Zuvor hatte die Stadt Düsseldorf in einer Pressemitteilung erklärt, es bestehe von der Einrichtung "keine Ansteckungsgefahr". Deshalb sollte die Kita ursprünglich geöffnet bleiben. Erst als bekannt wurde, dass eins der Kinder erkrankte, wurden die Sicherheitsvorkehrungen erhöht.

Mitreisende und Arbeitgeber informiert

Auch die Passagiere des US-Fluges, mit dem die Düsseldorferin gereist war, wurden bereits kontaktiert. Zudem wurden die Arbeitgeber des Mannes und der Frau nach Angaben eines Ministeriumssprechers informiert. Das Ehepaar war am 15. Mai aus New York nach Düsseldorf zurückgekehrt und hatte bei seiner Ankunft keinerlei Krankheitssymptome aufgewiesen. Erst Anfang der Woche war sie dann erkrankt. Weitere Kontaktpersonen sollen nun ermittelt werden, um eine Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Sie werden über Karten ausfindig gemacht, die seit Ausbruch der neuen Grippe von Reisenden aus den USA und Mexiko ausgefüllt werden müssen. Der Düsseldorfer Gesundheitsdezernent Wilfried Kruse sah am Donnerstag jedoch "keine größere Gefahr" für die Stadt. Man tue alles, um eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. "Absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht." Atemschutzmasken und Grippemittel seien in ausreichender Menge vorhanden.

Grippe bleibt kein Killervirus

Die neue Grippe breitet sich unterdessen weltweit aus. Sollten die beiden weiteren Verdachtsfälle aus Düsseldorf ebenfalls bestätigt werden, würde sich die Zahl der Betroffenen in Deutschland auf 17 erhöhen. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge meldeten 34 Länder entsprechende Fälle. In Mexiko forderte das Virus mit 75 Toten bislang die meisten Opfer. Ein Grund zu erhöhter Besorgnis gibt es aber nicht. Bei einer angemessenen gesundheitlichen Versorgung ist die Krankheit beherrschbar. Die meisten bestätigten Erkrankten gibt es mit mehr als 5000 in den USA. Dort starben laut WHO allerdings bisher zehn Menschen. In Europa gab es bislang keinen Todesfall.

Die Ansteckungsquote des Virus liegt zudem im Bereich dessen, was von herkömmlichen Grippeviren bekannt ist. Viele Menschen, die mit den Grippekranken Kontakt hatten, bleiben gesund. Es gibt zahlreiche Berichte, dass sich selbst Familienangehörige nicht angesteckt haben, obwohl sie im gleichen Raum mit den Kranken geschlafen haben.

Keine Reise-Warnung mehr

Darüber hinaus rät das Auswärtige Amt nicht mehr von Reisen nach Mexiko wegen der dort verbreiteten Schweinegrippe ab. Es werde nur noch auf die Gefahr durch die Grippe hingewiesen, sagte ein Sprecher am Mittwoch. Das Auswärtige Amt empfiehlt Reisenden aber weiterhin besondere Vorsorgemaßnahmen.

Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Schweinegrippe finden Sie hier.

Mit Agenturmaterial


 
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