Waldorfschule in Gerresheim: Masern: Zwangsimpfung?
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 05.06.2007 - 08:27Düsseldorf (RPO). Schon vier Schüler der Waldorfschule in Gerresheim sind erkrankt. Bereits gestern kam es zu strengen Einlasskontrollen am Schultor. Im Lauf des Tages erklärte das Gesundheitsamt die Angelegenheit zur Chefsache.
Die Masernerkrankungen an der Freien Waldorfschule/Rudolf-Steiner-Schule in Gerresheim sind laut Informationen unserer Zeitung gestern vom Gesundheitsamt zur „Chefsache“ erklärt worden. Heute wird sich die Behörde vor Ort selbst einen Überblick über die Eingangskontrollen verschaffen, bei denen alle Schüler ihre Impfpässe erneut vorlegen und darüber hinaus kopieren lassen müssen. Bei einer weiteren Verschärfung der Umstände befürchtet die Schule offenbar sogar eine „Riegelungsimpfung“, also eine Zwangsimpfung einer größeren Menschengruppe.
Doch der Reihe nach: Es ist Montag, 8 Uhr, und vor den Schultoren stauen sich an zwei Kontrollpunkten die Schüler. Die dominierende Farbe ist das Dunkelgelb der Impfpässe. Hintergrund: Am Donnerstag erkrankten zwei Schüler der dritten Klasse an den Masern, zwei weitere Krankheits- und sechs Verdachtsfälle kamen seitdem hinzu. Am Samstag fiel der Unterricht aus - und auch am Montag herrscht eher Verwirrung als Normalität.
„Viele Kinder können wir nicht einlassen, weil sie kein Attest haben oder nicht geimpft sind“, sagt Doris Triebe, Leiterin der vierten Klasse. Für die Unterstufe findet bis zum Mittag Unterricht statt, zumeist in zusammengelegten Klassen: In der vierten Jahrgangsstufe sind nur neun von 37, in der dritten lediglich sieben von 31 Schülern erschienen. Alles ab Jahrgangsstufe Neun wird sofort wieder nach Hause geschickt - es fehlen die Lehrer. „Ein Großteil des Kollegiums muss zur Untersuchung in die Uni-Klinik, um nachzuweisen, dass es immun ist“, so Geschäftsführer Wolfgang Winkler.
Unter Lehrern wie Eltern herrscht Unsicherheit, Gerüchte kursieren. Zahlreiche Kinder kommen zu spät, weil sie bereits den Hausarzt aufgesucht haben. Einem Schüler, dessen Ärztin noch eine Woche im Urlaub ist, wird geraten, erst am kommenden Montag wiederzukommen. „Ich hätte mir gewünscht, dass das Amt die Kontrollen selbst macht, um die Unsicherheit abzubauen“, so eine Mutter. Tatsache ist: Die Behörde bot die Durchführung der Kontrollen an - die Schule lehnte dies jedoch ab.
Währenddessen steht Winkler in Dauerkontakt mit dem Amt und ist um ein sachliches Krisenmanagement bemüht: „Die Zusammenarbeit verläuft reibungslos.“ Das bestätigt Heiko Schneitler, Leiter des Gesundheitsamts. „Doch es gibt an der Schule eine Reihe von Impfgegnern, und das ist problematisch.“ In der Tat sind viele Eltern skeptisch. „Ich finde es falsch, dass ungeimpfte Kinder ausgesperrt werden“, sagt etwa Bernd Hösl. „Diese Kinder könnten doch nur die Mitschüler anstecken, die selbst auch bereit sind, das Risiko einzugehen.“ Kinderkrankheiten gehörten zum normalen Lebensrisiko.
Im Laufe des Tages verschärft sich die Situation dann - wohl nicht zuletzt aufgrund der Weigerung der Schule, dem Vorschlag des Amtes zu entsprechen, auf dem Schulgelände Impfungen anzubieten. „Kein Bedarf“, so Vorstandssprecher Franz Glaw noch am Nachmittag. „Morgen geht der Unterricht normal weiter. Die getesteten Lehrer waren immun, es werden nur einige Veranstaltungen verschoben.“
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