Schweinegrippe: "Massenimpfungen in Stadtteilen"
zuletzt aktualisiert: 15.08.2009 - 10:54Düsseldorf (RPO). Heiko Schneitler, Leiter des Düsseldorfer Gesundheitsamtes, hält an der Idee eines Schweinegrippe-Zentrums fest. Er warst vor der Einnahme von Tamiflu ohne Testergebnis und erklärt, wie im Herbst die Impfungen gegen die Schweinegrippe organisiert werden sollen.
Herr Schneitler, in Berlin ist die Entscheidung gefallen, dass im Herbst alle Bürger kostenlos gegen die Schweinegrippe geimpft werden können. Wie organisieren Sie diese Massenimpfungen in Düsseldorf?
Schneitler Das ist kein Problem. Ein Teil der Impfungen wird sicherlich über die Betriebsärzte in den gesundheitlichen Einrichtungen laufen, also zum Beispiel direkt in den Krankenhäusern. Auch bei Polizei und Feuerwehr macht es Sinn, dass wir die Impfung direkt in den Dienststellen anbieten.
Und der Rest der Bevölkerung kommt zu Ihnen ins Gesundheitsamt oder in das Benrather Krankenhaus?
Schneitler Nein, für die Allgemeinbevölkerung gehen wir in die Stadtteile. Ich kann mir vorstellen, dass wir dort mit den Krankenkassen kooperieren. Die AOK hat sich in Düsseldorf schon bereiterklärt, ihre Häuser zu öffnen. Wir sollten die Menschen auf keinen Fall quer durch die Stadt schicken.
Haben Sie Ihre Pläne für ein Abstrich-Zentrum in Benrath aufgegeben, nachdem sich Kassen und Kassenärztliche Vereinigung nicht über die Kosten einigen konnten?
Schneitler Innerhalb der Ärzteschaft war die Bereitschaft sehr groß. Es hatten sich spontan 20 Mediziner gemeldet, um in Benrath Patienten zu behandeln. Deshalb hoffe ich noch immer, dass wir die Pläne mit den niedergelassenen Ärzten und der Uniklinik durchsetzen können.
Was wollen sie unternehmen?
Schneitler Das Ruder herumreißen könnte nur die KV Nordrhein, denn sie verteilt das Geld von den Krankenkassen an die Ärzte. Ich bin sicher, dass dort Ärzte und vielleicht Politiker vorstellig geworden sind.
Warum braucht Düsseldorf dieses Zentrum?
Schneitler Weil es Diagnose und Therapie an einem Ort bündelt und das für alle Beteiligten leichter wäre.
Wie sollte die KV das Problem lösen?
Schneitler Sie könnte die Leistungen der ambulanten Versorgung, die im Benrather Abstrich-Zentrum erbracht werden, aus dem Praxisbudget der einzelnen beteiligten Ärzte herausnehmen. Als Interessensvertretung der Ärzte müsste sie das tun, weil es sich schließlich um ein Projekt handelt, das vor allem für die niedergelassenen Ärzte gut ist.
Wie wollen Sie die viele zusätzliche Arbeit, die in Ihrem Amt durch die Schweinegrippe anfällt, künftig organisieren. Gibt es Verstärkung?
Schneitler Das Personalamt hat eine Verstärkung ermöglicht und viele andere Abteilungen des Gesundheitsamtes unterstützen die hauptsächlich belastete Abteilung Gesundheitsschutz.
Ist es richtig, dass der Test nur noch für Risikogruppen gezahlt wird?
Schneitler Aus meiner Sicht ist das ärztlich und rechtlich unhaltbar. Es könnte passieren, dass Patienten ohne Diagnose Tamiflu bekommen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung gibt diese Empfehlung. Das ist aus meiner Sicht nicht zulässig, weil Tamiflu Nebenwirkungen hat. Es wird beschuldigt, bei jungen Leuten psychische Probleme zu bereiten. Deshalb ist es absolut notwendig, vorher den PCR-Test zu machen.
Wissen Sie von Fällen, in denen Tamiflu ohne Test verordnet wurde?
Schneitler Ich befürchte, dass es passiert und kann nur davor warnen.
Stefanie Winkelnkemper führte das Gespräch.
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