Düsseldorf: Medienhafen wird zur Edel-Meile
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 20.09.2008 - 09:41Düsseldorf (RPO). Das junge Stadtviertel zwischen Rhein und Hammer Straße erlebt einen neuen Aufschwung. Immer mehr Modefirmen zieht es ans Wasser, neue Gastro-Konzepte locken die Besucher. Der Büroleerstand beträgt nur noch vier Prozent - obwohl die Mieten kräftig steigen.
Der Medienhafen boomt wie nie zuvor: Die hoch seriösen Berater von Booz Allen Hamilton sind schon länger da, das junge Mode-Label Miss Sixty hat neulich seine Standorte aus Mannheim und Köln dorthin verlegt. Bald dockt auch Alain Ducasse, französischer Sternekoch, im Restaurant Lido an, das zwischen Kai- und Speditionstraße wie eine Insel mitten auf dem Wasser liegt.
Ohne großes Aufsehen erlebt das junge Stadtviertel zwischen Rhein und Hammer Straße derzeit seinen zweiten Frühling. Nach der Startphase in den späten 80er- und frühen 90er Jahren erhielt der Hafen einen ersten Schub - nicht zuletzt, weil in den Hafen plötzlich große Büro-Häuser in interessanter Architektur lockten, während die City nicht viel Vergleichbares zu bieten hatte. In den letzten Jahren war es jedoch ruhiger geworden. Zigtausende Quadratmeter Büroflächen standen leer, ganze Objekte schienen unvermietbar. Das hat sich inzwischen völlig verändert.
Die Zeiten der großen Büro-Leerstände im Hafen sind vorbei.
Auch in der Gastronomie bleibt der Wandel dieses Quartiers der Normalzustand. Zum Beispiel Maassen im Hafen: Zuerst uriges Fischrestaurant, dann als Disco MK2 über lange Zeit erfolgreich. Nun ist daraus die Hafenperle geworden. Sie ist die derzeitige In-Adresse, wird abends zum Mekka der Pistengänger und hat offenbar das Riva (Uecker-Platz) vom ersten Platz verdrängt. Der Abend im Riva ist dennoch spannend: Der Andrang einer flotten Szene aus der Mode- und Berater-Branche der umliegenden Büro-Adressen ist gewaltig, oft fühlt sich der gewöhnliche Gast wie bei Heidi Klums Casting für „Germany’s next Top-Model“. Nach wie vor angesagt sind Robert’s Bistro, Mongo’s, Behrens am Kai - um nur einige weitere Namen zu nennen. Als völliger Exot am Anfang belächelt, hat sich das Eigelstein (dort gibt es Kölsch!) fest etabliert und brummt.
Der anfangs erwähnte französische Sternekoch Alain Ducasse wird im Lido zwar nur selten persönlich anzutreffen sein. Aber er wird dort sein Konzept einer Top-Küche präsentieren. Lido-Eigner Robertino Wild hofft, mit dem Franzosen als Zugpferd wieder mehr Leben ins Haus auf dem Wasser zu bringen. Wild ist aber auch sonst im Hafen tätig: Ihm gehört das Bürogebäude Capricorn, dessen 22000 Quadratmeter komplett an Eon vermietet sind.
Die Mieten steigen deutlich an.
Insgesamt ist der Branchenmix im Medienhafen stark gestiegen. Vor allem Mode-Firmen finden es zunehmend schick, ans Wasser zu ziehen: Außer Miss Sixty und Boss sind inzwischen Tommy Hilfiger da, Tom Tailor ebenfalls, und kürzlich ist Calvin Klein von Köln nach Düsseldorf umgezogen und hat im Hafen 700 Quadratmeter Büro angemietet.
Dafür hat man vermutlich auch mehr bezahlt als noch vor einem Jahr: „Die Spitzenmieten im Hafen sind innerhalb eines Jahres von 19,20 auf 24 Euro angestiegen“, sagte gestern Renate Kölbel von Trombello Kölbel. Sie erklärt weiter, die Zeiten großer Leerstände im Hafen seien vorbei: Im ersten Halbjahr 2007 hätten dort noch zehn Prozent aller Flächen leergestanden, im ersten Halbjahr 2008 waren es nur noch vier Prozent.
In absoluten Zahlen: 2007 waren 74000 qm ohne Mieter, dieses Jahr waren es nur noch 33500. Vor allem kommen Beraterfirmen. Die eingangs erwähnten Booz Allen Hamilton tauchten schon vor einigen Jahren hier auf, heute sind auch A.T. Kearney da, Kienbaum will in den Büro-Turm neben dem Hyatt-Hotel an der Hafenspitze gehen, und die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Nörr, Stiefenhofer und Lutz zieht es ins geplante Bürohaus Sign des Investors Frankonia.
Fazit: Rund 600 Firmen beschäftigen 7600 Menschen. Damit sie morgens schneller hin und abends schneller wieder rauskommen, bastelt die Stadt an einem millionenschweren Verkehrskonzept. Wohnen ist in den alten Straßen jenseits der Hammer Straße zwar möglich, aber im eigentlichen Hafengebiet sind Wohnhäuser derzeit juristisch kaum umsetzbar.
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