Masse nicht vor Klasse: Mehr Atmosphäre in den Kinos
zuletzt aktualisiert: 25.12.2007 - 06:00Die Filmstiftung Nordrhein-Westfalen sieht in der von einigen Branchenvertretern kritisierten stetig wachsenden Zahl von Neustarts in den Kinos kein Problem. "Besser zu viele Filme als zu wenige", sagte der Geschäftsführer der Filmstiftung, Michael Schmid-Ospach, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur ddp in Düsseldorf.
Seit 1996 legte die Zahl der Film-Neustarts pro Jahr von rund 250 auf mehr als 400 in diesem Jahr zu. Unter anderem sieht der Leiter der Produktionsfirma Constantin, Fred Kogel, darin einen der Hauptgründe für die in diesem Jahr wieder gesunkene Zuschauerzahl, weil sich der Besucher im Angebot kaum noch zurechtfinde.
Dazu merkte Schmid-Ospach an, dass zwar Masse nicht vor Klasse gehen dürfe, weshalb beständig auf die Qualität der Filme geachtet werden müsse. Einen "Kannibalisierungseffekt" durch eine große Zahl neuer Filme sehe er aber nicht. Vor allem der deutsche Film habe durch gute Geschichten und eine gut aufgestellte Produktionslandschaft in den vergangenen Jahren im In- und Ausland wieder an Ansehen gewonnen.
Dass hoch gelobte und preisgekrönte Filme häufig weniger Zuschauer finden als von den Produzenten erhofft, ist nach Feststellung von Schmid-Ospach keine ausschließlich deutsche Erscheinung. So hatte etwa das auf der Berlinale ausgezeichnete Drama "Yella" mit Nina Hoss nur rund 44 000 Zuschauer. Das gleiche Phänomen finde sich beispielsweise auch in den Nachbarländern Frankreich und Italien, betonte Schmid-Ospach. Kino habe immer auch ein Stück weit mit Risiko zu tun.
Filme, die im Kino zu kurz gekommen seien, seien jedoch nicht verloren sondern blieben durch die DVD und eine spätere Fernsehausstrahlung weiterhin verfügbar, fügte Schmid-Ospach hinzu. Generell mahnte er mit Blick auf die Neustarts aber bessere Absprachen der Verleiher an, um vor allem Überschneidungen zu vermeiden. So sollte es beispielsweise nicht passieren, dass zeitgleich zwei verschiedene Filme mit ein und demselben Hauptdarsteller starteten.
Mit Blick auf die Kinokultur sieht Schmid-Ospach Bedarf an mehr gastlicher Atmosphäre. "Viele Kinos sind zu kalt und manchmal auch zu dreckig", kritisierte er. Vor allem mehr Investitionen in Gastronomie und Café-Bereiche seien notwendig, damit sich die Menschen auch vor und nach dem Filmbesuch gerne im Kino aufhielten: "Zum Kino darf nicht nur Popcorn gehören."
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