Mutter will Verein gründen: Mehr integrative Schulen
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 30.03.2009 - 08:14Düsseldorf (RPO). Der gemeinsame Unterricht von nicht behinderten und behinderten Kindern an Grundschulen wird ausgebaut. Das reicht nicht, sagt eine betroffene Mutter – und will einen Verein gründen.
Dagmar Tiedge ist Mutter eines fünfjährigen Sohnes und möchte gern selbst entscheiden, auf welche Schule er im Sommer geht. Das kann die Kunstlehrerin aber nicht – weil ihr Sohn Jakob lernbehindert ist.
"An Stelle der Eltern entscheidet die Schulrätin, zu welcher Schule mein Sohn geht, wo er ihrer Meinung nach am besten aufgehoben ist", sagt Tiedge, die von Ungleichbehandlung spricht. Sie fordert mehr Plätze für integrativen Unterricht – Schulen, an denen behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden.
Antrag im Landtag
In den Konventionen der UN, denen auch Deutschland verpflichtet ist, ist integrativer Unterricht vorgesehen. Wie die Umsetzung an den Schulen aussieht, will die Landes-SPD am Donnerstag im Landtag wissen: Die Sozialdemokraten bringen einen Antrag ein, nach dem auf die Einhaltung der Konvention gedrungen wird. Noch immer seien integrative Plätze in den Städten landesweit Mangelware, heißt es.
Das sieht auch Dagmar Tiedge so. "Nur zwölf Prozent der behinderten Kinder finden einen integrativen Platz", sagt sie, die Jakob unter keinen Umständen auf eine Förderschule schicken will. "Er ist zwar entwicklungs- und lerngestört", so die Mutter. "Aber er kann ebenso zur Regelschule gehen wie er bisher in den Regelkindergarten gehen konnte." Eine Förderschule bedeute meist ein Leben in Abhängigkeit, weil kein gleichwertiger Schulabschluss erreicht werden kann. "Schließlich fehlen vor allem integrative Plätze an weiterführenden Schulen."
Schuldezernent Burkhard Hintzsche räumt den Mangel ein: Rund ein Drittel der behinderten Kinder, für die die Eltern eine integrative Grundschule suchten, finden derzeit keinen Platz. Beim Übergang zur weiterführenden Schule fehlen für 15 behinderte Kinder die Plätze. Zumindest bei den Grundschulen könnte sich die Lage bald bessern: Bisher sind die Wichernschule, die Schule Farnweg, die GGS Flurstraße, die GGs Stoffeler Straße, die Adolf-Klarenbach-Schule und die GGS Leuthenstraße integrativ.
Zum Sommer sollen die Heinrich-Heine-Schule in Heerdt und die Joachim-Neander-Schule in Rath hinzukommen. Hintzsche: "Für weitere Plätze sind wir im Gespräch mit der Schulaufsicht, denn die ist letztlich für die Einrichtung zuständig, nicht wir als Stadt." Politisch setzen sich SPD, Grüne und Linke für mehr integrative Plätze ein. Die CDU sieht sie nur als Ergänzung für die Förderschulen.
Dagmar Tiedge hofft indessen auf einern Platz an der Schule Flurstraße. So oder so: Sie will sich stark machen für die gemeinsame Schule von behinderten und nicht behinderten Kindern (siehe Info).
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