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Düsseldorf: Mehr Nachtflüge trotz Verbots

VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 22.09.2008 - 07:37

Düsseldorf (RPO). Anwohner sind empört und kämpfen für den ungestörten Schlaf: Eigentlich gilt ab 22 Uhr ein Start- und nach 23 Uhr auch ein Landeverbot. Dennoch gibt es in dieser Zeit fast täglich Dutzende von Flugbewegungen. Und die sind keinesfalls illegal. 

Eine britische Millionärin möchte ein Stück vom Mond kaufen.  Foto: ddp, ddp
Eine britische Millionärin möchte ein Stück vom Mond kaufen. Foto: ddp, ddp

Das. per Gesetz verbriefte Nachtflugverbot am Düsseldorfer Flughafen wird offenbar immer mehr aufgeweicht und verkommt zu einer Kann-Regelung, von der es pro Tag oft Dutzende von Ausnahmen gibt. Nicht nur die Mitglieder der Initiative „Bürger gegen Fluglärm“ registrieren seit Monaten steigende Zahlen von Flugbewegungen nach 22 Uhr – der Flughafen selbst bestätigt diese Zahlen, das zuständige Dezernat Luftverkehr beim Regierungspräsidenten ebenfalls. Demnach hat es in diesem Jahr in Düsseldorf nach 22 Uhr bereits rund 1200 Flugbewegungen gegeben. Der weitaus größte Teil, etwa 1000, waren Landungen.

Die Vorschrift namens „Nachtflugverbot“ ist kompliziert. Vereinfacht gesagt, sieht sie so aus: Grundsätzlich ruht der Flugverkehr zwischen 23 Uhr und 6 Uhr. Ab 22 Uhr sind keine Starts mehr erlaubt. Wer jedoch den Flugverkehr in dieser Zeit bis Mitternacht beobachtet, hat nicht den Eindruck allzu großer Einschränkungen. Das liegt an mehreren Problemen, die sich aus den einzelnen Regeln ergeben.

Startverbot ab 22 Uhr Diese Vorschrift sieht vor, dass ein Flieger nur starten darf, wenn er ab 21.50 Uhr „off Block“ ist. Das meint den Zeitpunkt, zu dem die Keile unter den Reifen der Flieger weggezogen werden, was normalerweise unmittelbar vor dem Rollen zur Startbahn passiert. In der Regel reichen die verbleibenden zehn Minuten dann, um abzuheben. Sollte es aber auf dem Weg zur Bahn eine allzu lange Schlange anderer Jets geben, entsteht Wartezeit, und es kann passieren, dass mehrere Maschinen deutlich nach 22 Uhr in die Luft gehen. In den ersten acht Monaten des Jahres passierte das mehr als 180 Mal.

Landeverbot nach 23 Uhr Da Landungen mit erheblich weniger Lärm verbunden sind als Starts, darf von 22 bis 23 Uhr gelandet werden, aber danach soll Schluss sein. Ist es aber nicht: Der größte Teil der Flieger, die nach elf landen, gehört zu den so genannten Home-Base-Carriern. Das sind Airlines, die in Düsseldorf fest stationiert sind, hier auch Wartungsarbeiten durchführen.

Acht solcher Gesellschaften sind das, beispielsweise Air Berlin, Lufthansa, Blue Wings, LTU. Sie müssen eine verspätete Landung nicht einmal genehmigen lassen, sondern dürfen einfach so zu Boden gehen – jedenfalls bis 24 Uhr, danach brauchen auch sie eine Sondergenehmigung des Regierungspräsidenten. Solche späten Landungen gab es zwischen Januar und August rund 1000 Mal. Ein Sprecher des Dezernats Luftverkehr beim Regierungspräsidenten bestätigt den Trend. Im August hat die Behörde 164 Verspätungen nach 23 Uhr registriert (davon vier nach Mitternacht), bis zum 18. September waren es 157 Verspätungen, davon acht nach Mitternacht.

Nach 24 Uhr Schafft es ein Flugzeug nicht, bis Mitternacht am Boden zu sein, ist (auch bei den Home-Base-Carriern) der Regierungspräsident zuständig und muss die Landung genehmigen. Dafür sitzt ein Beamter der Behörde am Flughafen, an 365 Tagen im Jahr. Er erteilt Genehmigungen etwa nach humanitären Gesichtspunkten: Sind viele Kinder an Bord oder Kranke? Können die Menschen vom möglichen Ausweichflughafen nicht transportiert werden? Er genehmigt auch Starts mitten in der Nacht, ein Großteil davon sind Ambulanzflüge, also Notarzteinsätze oder Krankentransporte.

Dass vor allem im Sommer die Zahl der nächtlichen Bewegungen zunimmt, erklärt Flughafen-Sprecher Christian Witt nicht nur mit der hohen Zahl der Starts und Landungen in dieser Zeit. Ein weiterer Grund sei die Wetterlage: Im Sommer gebe es häufiger Gewitter, die den Flugplan durcheinanderbrächten. Die auffallend hohe Steigerung im September erklärt Flughafen-Chef Christoph Blume mit dem derzeit sehr hohen Krankenstand in der Gruppe der für Düsseldorf zuständigen Lotsen bei der Flugsicherung in Langen bei Frankfurt. Allein durch diese Probleme waren in den letzten zehn Tagen mehrere Hundert Flieger nach und ab Düsseldorf erheblich verspätet.

Quelle: RP

 
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