Düsseldorf: Mehr Wasser für Chile
VON JULIA PUZALOWSKI - zuletzt aktualisiert: 05.01.2011 - 08:02Düsseldorf (RPO). Architektur-Student Rodrigo Silva Schaffner (37) ist in Chile in der trockensten Gegend der Welt aufgewachsen. Nun versucht er herauszufinden, wie sich in seiner Heimat bessere Lebensbedingungen schaffen lassen. Für sein Engagement bekam er nun einen Preis.
Dass Wasser ein wertvolles Gut ist, lernte Rodrigo Silva Schaffner schon als Kind. Denn der 37-Jährige ist im Norden Chiles aufgewachsen. Einige Jahre lebte er in der Stadt Iquique, westlich der Atacama-Wüste, die als die trockenste Gegend der Welt gilt. "Fließendes Wasser gab es nur von sieben Uhr morgens bis neun Uhr abends", erinnert er sich. "Wer nach neun Uhr duschen wollte, der hatte das Nachsehen." Heute lebt der Chilene in Düsseldorf, seit 2008 studiert er im Masterstudiengang Architektur an der Fachhochschule. Sein Wissen nutzt er, um die Lebensbedingungen in seiner Heimat zu verbessern.
Rodrigo Silva Schaffner ist kein Einzelfall. Immer mehr Ausländer studieren in Nordrhein-Westfalen, wie das Statistische Landesamt mitteilt. Im Wintersemester 2009/2010 waren an den Universitäten und Fachhochschulen NRWs 39 800 ausländische Studierende eingeschrieben, die ihre Hochschulreife in ihrer jeweiligen Heimat erworben hatten. Zehn Jahre zuvor waren es noch 27 800. Ein Grund dafür könnten unter anderem die Studiengebühren sein, die im Vergleich zu vielen anderen EU-Ländern niedrig ausfallen. Zumindest für Silva Schaffner war das ausschlaggebend.
Seine Entscheidung für Düsseldorf als Studienort war eine Entscheidung gegen Spanien. Denn dort arbeitete der Südamerikaner nach seinem Studium einige Jahre in renommierten Architekturbüros, bis ihn das Lern-Fieber wieder packte. "Ich bekam plötzlich das Gefühl, mich weiterentwickeln zu wollen", berichtet er. "Ein Masterstudium wäre in Spanien jedoch unbezahlbar gewesen." Dort liegen die Gebühren pro Semester zwischen 10 000 und 20 000 Euro.
Ein weiterer triftiger Grund sprach für ein Leben in Düsseldorf: Seine damalige Freundin kam aus der Landeshauptstadt. Heute ist sie seine Frau, die beiden heirateten 2010. Seinen zweiten Nachnamen "Schaffner" aber hat er nicht von ihr übernommen, sondern von seinem Großvater mütterlicherseits geerbt. Denn auch er war Deutscher. Der erste Nachname, "Silva", stammt vom Vater, wie es im spanischen Sprachraum üblich ist.
Trotz deutscher Vorfahren – die Sprache beherrschte er nicht, als er sich in Düsseldorf bewarb. Um hier zu studieren, musste Silva Schaffner zunächst mehrere Deutsch-Sprachkurse absolvieren; 900 Stunden sind Voraussetzung für die Aufnahme in den Masterstudiengang. Heute profitiert nicht nur er von seiner Mehrsprachigkeit, sondern die ganze Fachhochschule. Der Student ist sehr engagiert im Organisieren von Projekten, die soziales Engagement und fachlich bezogenen Lehrstoff kombinieren.
So reiste er im vergangenen Jahr mit einer Gruppe von 20 anderen Studenten und zwei Professoren nach Chile, um Prototypen für Not-Unterkünfte zu entwickeln. "Wir haben darauf geachtet, dass sie aus einfachen Materialien bestehen, damit jeder sie schnell und preiswert nachbauen kann", erklärt der Architekt. Die Unterkünfte sollen hilfreich sein, wenn wieder ein Erdbeben die aus Lehm gebauten Häuser zerstört. Sein Engagement belohnte jetzt die FH mit dem Preis des Deutschen Akademischen Austausch Dienstes (DAAD).
Für 2011 plant er in seiner Heimat ein Symposium, das sich mit der Wasserversorgung in der Atacama-Region beschäftigt. Denn dort boomt zurzeit der Tourismus. Viele große Hotels entstehen, die die ohnehin schon knappen Wasservorkommen weiter reduzieren. Rodrigo Silva Schaffner weiß: "In 20 bis 30 Meter Tiefe gibt es Wasser, wir müssen es nur verfügbar machen."
Aufs Duschen soll in Chile niemand mehr verzichten.
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