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Pooth-Affäre: Millionen für "Sünder der Sparkasse"

VON JÖRN TÜFFERS - zuletzt aktualisiert: 20.08.2010 - 07:55

Düsseldorf (RPO). 9,3 Millionen Euro hat die Bank durch die Pooth-Affäre verloren. Vom entlassenen Sparkassenchef Heinz-Martin Humme kriegt sie das Geld nicht zurück. Er soll dagegen eine Million Euro kassieren. Die Debatte um die von OB Erwin geforderte Strafe für die Verantwortlichen flammt neu auf.

Heinz-Martin Humme war bis 2008 Chf der Sparkasse.  Foto: RP/Thomas Busskamp
Heinz-Martin Humme war bis 2008 Chf der Sparkasse. Foto: RP/Thomas Busskamp

Es war der neunte Punkt in Joachim Erwins politischem Testament: "Bestraft die Sünder der Stadtsparkasse!" Wer den im Mai 2008 verstorbenen Düsseldorfer Oberbürgermeister kannte, weiß, dass ihm dieser vorletzte Aspekt in seinem Vermächtnis besonders am Herzen lag: In den wenigen Monaten zwischen Bekanntwerden der Pooth-Affäre und seinem Tod haben ihn die Skandal-Geschichten um die Stadtsparkasse schwer getroffen. Auch persönlich.

Schließlich hatte er den Erfolgsmanager Heinz-Martin Humme von der Commerzbank zur Sparkasse gelotst. Erwin fühlte sich von Humme und allen anderen, die an der Vergabe des Kredits an Franjo Pooth beteiligt gewesen sind, verraten.

9,3 Millionen Euro hat das über Jahrzehnte lang kühl und überlegt kalkulierende Bankhaus durch dieses Abenteuer verloren. Diesen Betrag will die Sparkasse von Humme zurückhaben. Mit keinem geringeren Ziel hatte sie eine Zivilklage gegen den heute 57-Jährigen angestrengt, und will ihm dem Vernehmen nach jetzt eine Million Euro zahlen. Das soll das Ergebnis der Verhandlungen zwischen OB Dirk Elbers und Hummes Anwälten sein.

Elbers, der sich gestern auf eine RP-Anfrage zu diesem Sachverhalt nicht äußerte, erhält weitestgehend Rückendeckung durch die Politik. Die Bewertungen fallen indes zurückhaltend aus: "Ob ich eine solche Lösung gegenüber meiner Fraktion uneingeschränkt vertreten kann, weiß ich noch nicht", sagt CDU-Fraktionschef Friedrich G. Conzen.

Er wird in der nächsten Hauptausschuss-Sitzung des Verwaltungsrats mit entscheiden müssen, ob der außergerichtliche Vergleich akzeptiert werden soll. Er kenne allerdings die Details einer solchen Einigung noch nicht, so der enge Elbers-Vertraute. Manfred Neuenhaus (FDP) will nur so viel sagen: "Natürlich wäre es schöner, wenn die Sparkasse aus der Sache rauskäme, ohne etwas zu zahlen."

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jens Petersen, der ebenfalls im Verwaltungsrat sitzt, versteht die Empörung über die vermutliche Million-Zahlung an Humme. Für ihn stehe außer Frage, dass der Sparkasse durch die Pooth-Affäre und mit Hummes Zutun großer Schaden entstanden ist; da bei den strafrechtlichen Ermittlungen gegen den Ex-Vorstand nichts hängengeblieben ist, sei die Aussicht auf Zahlung von Schadenersatz ebenfalls gering, sagt Petersen.

Er kritisiert, dass sich die Verhandlungen zwischen der Sparkasse und Hummes Anwälten so lange hinziehen: "Ich fürchte, da haben Anwälte falsch beraten." Im Übrigen sieht er Joachim Erwins Forderung nach Bestrafung der Verantwortlichen doch erfüllt. Humme, sein Stellvertreter Karl-Heinz Stiegemann und der Generalbevollmächtigte Christoph Flohr, der im Zusammenhang mit sparkassen-internen Untersuchungen vor die Tür gesetzt worden war, spielten gesellschaftlich keine Rolle mehr, sagt Jens Petersen.

Den Preis zahlt die Sparkasse: Nicht nur, dass sie Humme eine Million Euro zahlen will; auch Flohr soll der Abgang mit 750 000 Euro versüßt werden. Diesen Vergleich schlug ein Gericht vor. Deutlich weniger war Stiegemann zugesprochen worden. Er hatte seinen früheren Arbeitgeber auf eine Bonuszahlung von 105 000 Euro verklagt. Das Gericht sprach ihm aber nur 15 000 Euro zu. Weil er mit einem Dispokredit von 90 000 Euro bei der Sparkasse in der Kreide stand, dürfte die Freude nur von kurzer Dauer gewesen sein. Die strafrechtliche Bewertung von Stiegemanns Rolle bei der Vergabe der Pooth-Kredite steht noch aus: Er muss sich im kommenden Jahr wegen des Vorwurfs der Untreue und Bestechlichkeit vor Gericht verantworten.

Quelle: RP

 
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