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Serie "Ein Schwede in Düsseldorf" (4): Minimalismus und Rock 'n' Roll

zuletzt aktualisiert: 04.12.2008 - 16:22

Chris Ajaxson (hier ein Kurzporträt) kommt aus Schweden und absolviert derzeit ein Praktikum bei RP ONLINE. Er hat sich schnell in Düsseldorf eingelebt. Dennoch ist für ihn vieles anders. In seiner Serie schreibt er über Düsseldorf aus der Sicht eines Touristen. Sein Thema heute: Kunst und Kultur in der Altstadt.

Dass die Altstadtnächte viel zu bieten haben, wusste ich schon. Die Pubs und Kneipen gefallen mir, denn sie bieten gute Möglichkeiten um Leute zu treffen. Aber was kann man tagsüber machen, wenn man sich, wie ich, für Kunst und Kultur interessiert?

Galerie Emmerich

Als ich auf die Neustraße gehe, fällt mir was auf der rechten Straßenseite auf. Am Anfang sieht es so aus, als sei die Galerie Emmerich leer. Ich schaue näher hin und sehe, dass es nicht so ist. Es hängen Bilder an den Wänden. Ich gehe rein. Alles ist total weiß und minimalistisch eingerichtet. Ungefähr 20 gerahmte Bilder hängen hier.

Es dauert eine Weile, bis ich mir einen Reim darauf machen kann, um was es eigentlich geht. Der Brite John Stezaker, dessen Ausstellung ich betrachte, experimentiert in seinen Bildern unter anderem mit Material, das er in Katalogen, Büchern und Magazinen gefunden hat. Er hat die Bilder zu Collagen zusammengefügt. Es sieht oft so aus, als stamme das Material aus den 50er und 60er Jahren. Viele Bilder zeigen halbe Gesichter von Models, die Gesichtshälfte von einem Mann ist mit der Gesichtshälfte von einer Frau zusammengefügt.

Was immer noch in meinem Gehirn herumspukt, ist das Bild von einem Jungen, der adrett gekleidet ist. Er hat eine Augenbinde vor seinen Augen. Im Hintergrund sieht man ein Satellitenbild von der Erde. Was bedeutet das denn?

Die Begriffe Denotation und Konnotation, was gezeigt wird und was es bedeutet, füllt der Betrachter mit interessanten Gefühlen und Gedanken. Wie bei allen guten Kunstausstellungen geht es bei Emmerich weniger um Antworten als um die Fragen, die man sich stellt.

Niagara Art and More Kunsthandel

Ich bin weniger als eine Minute gegangen, bevor ich meine nächste kulturelle Erfahrung in der Altstadt mache. Obwohl sie benachbart sind, gibt es einen riesigen Unterschied zwischen den Einrichtungen in der Galerie Emmerich und dem Niagara Art and More Kunsthandel, den ich gerade gefunden habe. Während in der Galerie Emmerich minimalistische Kunst präsentiert wurde, geht es bei Niagara um etwas anderes: Was ist das Gegenteil von Minimalismus? -Explosion?

Im November dieses Jahres berichtete die Rheinische Post schon von dem Künstler Jürgen D. Flohr, der unter anderem wegen seiner fotorealistischen Portraits von Schauspielern, die wir alle kennen, berühmt wurde. Seit zwei Wochen stehen bei Niagara einige der berühmtesten männlichen Rockkünstler der Welt zur Betrachtung wie Jimi Hendrix, Elvis Presley, Bruce Springsteen und Bob Marley.

Flohr hat die Musiker an ihren Höhepunkten präsentiert. Also kann ich Elvis Presley als Frauenidol ohne Zeichen von Drogen oder Alkohol sehen sowie einen 30 Jahre jüngeren und fitteren Rod Stewart sowie Mick Jagger, als er noch rebellisch war.

Die Acrylmalereien sind so realistisch gemacht, dass nur die Wachsfiguren der Madame Tussaud die Gestalten noch lebendiger präsentieren.

Im Geschäft gehe ich eine Treppe hoch und sehe einige Berühmtheiten aus einer der früheren Ausstellungen. Es geht um weibliche Schauspielerinnen wie Marlene Dietrich und unsere Schwedin Ingrid Bergman. Die beiden Schönheiten sind von ihren besten Seiten gezeigt, das muss ich zugeben. Ein Besuch bei Niagara lohnt sich, um die Malereien anzuschauen.

Ich frage nach, wieviel ein Bild kostet. Offensichtlich ist es nicht für jeden möglich, eines zu kaufen. Es gibt jeweils nur ein Exemplar und dieses kostet mindestens 16.000 Euro. Ich finde heraus, dass eine Anwaltskanzlei auf der anderen Seite der Heinrich-Heine-Allee zwei Bilder gekauft hat. Von weitem, im Schaufenster der Kanzlei, erkenne ich Klaus Kinski und Marlon Brando.

Düsseldorfer Stadtmuseum

Nachdem ich zwei Kunstausstellungen gesehen habe, will ich nun was anderes erleben. Ich möchte mich über die Stadt Düsseldorf informieren. Bislang war ich noch nicht im Stadtmuseum. Deswegen ist das meine nächste Station.

Genau wie in Stockholm ist das Stadtmuseum in Düsseldorf kostenfrei. Als ich in die Eingangshalle eintrete, bekomme ich sofort eine private geführte Tour. Ich werde über die ersten Schritte der Stadt informiert. Ich sehe Stadtmodelle, die zeigen, wie Düsseldorf vor einigen hundert Jahren aussah. Ich stelle mir vor, wie es war, hier damals zu leben. Besonders das Modell und ein Gemälde, auf dem eine alte Straßenbahn zu sehen ist, fallen mir auf. Wussten Sie, dass die ersten Waggons von Pferden gezogen wurden? Ich lerne, dass die erste westdeutsche Eisenbahn in der Stadt gebaut wurde. Damals konnte man zwischen Düsseldorf und Erkrath hin und her fahren.

Ich sehe Malereien von Jan Wellem und seinen zwei Frauen, sowie alte Kleidungsstücke. Sehr beeindruckend ist die Kirmesorgel, die aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammt. Was ist ein Rummelplatz ohne eine Orgel?

Was mir auch auffällt, ist, dass jede Sektion im Museum mit Computer und Drucker eingerichtet ist. Fast überall steht digitale Ausrüstung. Ich setze mich in ein Zimmer und sehe ein Video von der Geschichte der Stadt, zum Beispiel wie die Oberkasseler Brücke gebaut wurde. Gut ist auch die Website des Stadtmuseums. Dann kann man später nachlesen, was man im Museum erfahren hat.

In einem Zimmer gibt es eine Sammlung von alten Ausgaben der Rheinischen Post. Ich sehe eine der richtig klassischen Seiten, publiziert am Montag, 21. Juli 1969. Mit den Worten „Armstrong: Das war eine glatte Landung“ und „Die ersten Mensch sind auf dem Mond“ beschrieb die Rheinische Post diesen erstaunlichen Moment. Eine andere Ausgabe, vom 01./02. November 2004, hat den Aufmacher „Morgen wählt Amerika den mächtigsten Mann der Welt“ auf der ersten Seite, mit Bildern von George W. Bush und John F Kerry.


 
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