Düsseldorf: Ministerium prüft Gesamtschule
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 23.12.2009 - 07:11Düsseldorf (RPO). Die Leitungen der Düsseldorfer Gesamtschulen müssen damit rechnen, dass sie künftig bei der Aufnahme von Fünftklässlern stärker überprüft werden. Das geht aus einem Schreiben hervor, das Schul-Staatssekretär Günter Winands an Oberbürgermeister Dirk Elbers gerichtet hat und das der RP vorliegt.
Darin heißt es, dass das unterschiedliche Leistungsniveau der Schüler ein "wesentliches Merkmal der Gesamtschule" sei. Darauf, dass entsprechend auch Schüler mit unterschiedlichen Eingangsvoraussetzungen an einer Schule aufgenommen werden, soll die Bezirksregierung laut Staatssekretär achten.
Das heißt, dass die Bezirksregierung den Schulleitern bei ihren Anmeldeverfahren "auf die Finger" schauen – und das Besondere der Gesamtschule wahren soll. Das besteht darin, dass die Klassen sich aus leistungsstarken und weniger leistungsstarken Schülern zusammensetzen. Die Bezirksregierung bestätigte den Eingang des Schreibens und kündigte Gespräche mit dem Ministerium "in den nächsten drei Wochen" an, bei denen Einzelheiten geklärt werden sollen.
Keine Heterogenität
Anlass für die Überprüfung sind die Anmeldungen der Vorjahre. Nach den erfassten Zahlen sind in zwei Gesamtschulen zwischen 75 und 82 Prozent Kinder mit Hauptschul-Empfehlung, aber so gut wie keine Kinder mit Gymnasial-Empfehlung in den Eingangsklassen aufgenommen worden. Von einer Heterogenität, also Unterschiedlichkeit im Niveau, kann nach Ansicht des CDU-Ministeriums und der Stadtspitze keine Rede sein.
Doch genau darauf wollen Sekretär Winands und Schulministerin Barbara Sommer nun stärker drängen. Experten gehen davon aus, dass die Leiter der betreffenden Gesamtschulen nicht mehr bis zur Kapazitätsgrenze werden aufnehmen können, sondern mehr Kinder mit Hauptschul-Empfehlung werden abweisen müssen, um das Gleichgewicht in der Schülerschaft einigermaßen zu halten.
Die Unterstützer der Gesamtschulen argumentieren anders. Sie zweifeln die Empfehlungen der Grundschullehrer prinzipiell an und lehnen eine Differenzierung nach Klasse 4 ab. Viele Kinder hätten trotz einer Hauptschul-Empfehlung an der Gesamtschule später einen höheren Bildungsabschluss erreicht. Dieser Weg müsse grundsätzlich allen offenstehen.
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