Tag der offenen Moschee: Mit Muslimen im Gespräch
VON GÖKÇEN STENZEL UND FELIX OHMES - zuletzt aktualisiert: 04.10.2008 - 10:46In Düsseldorf leben knapp 40000 Muslime. Um Vorurteile und Berührungsängste abzubauen, hatte die Initiative Düsseldorfer Muslime (IDM) gestern zum Tag der offenen Moschee in das Gebetshaus an der Mindener Straße geladen. Eine zentrale Großmoschee wie sie Köln und Duisburg bald haben werden, gibt es in der Landeshauptstadt nicht - und bisher gibt es auch keinen muslimischen Vertreter, der sie gefordert hätte.
Im Gegenteil: Viele berichten im Gespräch, dass sie mit den dezentralen Gebetsräumen gut klar kommen. 18 größere - gern auch „Hinterhofmoschee“ genannt - gibt es in Düsseldorf, und viele hatten gestern zum Tag der offenen Moschee geöffnet. Mehrere hundert Wissbegierige kamen, um sich Rituale und Glaubenssätze des Islam erklären zu lassen. Knapp 40000 Muslime leben in Düsseldorf, nicht alle sind organisiert oder gehen regelmäßig zum Gebet.
Viele suchen auch Kulturvereine auf, weil es dort Deutschkurse und Hausaufgabenbetreuung gibt und weil sich Kontakte knüpfen lassen. 45 Moscheevereine gibt es in der Stadt, 33 davon haben die „Düsseldorfer Erklärung“ unterschrieben, in der sie sich verpflichten, verfassungstreu zu sein und mit der Polizei zusammenzuarbeiten. Die anderen dürften dem Lager des politischen Islam zugeordnet werden, das auch Monika Lent-Öztürk in Düsseldorf ausgemacht hat, eine der ehrenamtlichen Dialogbeauftragten der evangelischen Kirche.
„Eine kleine Gruppe vertritt der Islamrat, er steht in Verbindung mit der fundamentalistischen Organisation Milli Görus, die auch vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Der Zentralrat der Muslime steht den radikalen Moslembrüdern nah. Und der Verband islamischer Kultur-Zentren ist ebenfalls dem fundamentalistisch-politischen Islam zuzurechnen.“ Genau davon will sich die Initiative Düsseldorfer Muslime distanzieren. Sprecherin Kawthar El-Qasem ist Architektin; sie versteht den Islam als Privatsache, die sie aber gern anderen erklärt: Sie macht Führungen für Kinder, hält Vorträge und versucht zu informieren.
So hatte die Initiative Düsseldorfer Muslime auch gestern zum Tag der offenen Moschee in den Gebetsraum des albanisch-islamischen Kulturvereins an der Mindener Straße geladen. „Es ist uns wichtig, Vorurteile und Berührungsängste abzubauen“, so El-Qasem. Bereits zum 12. Mal öffneten die Moscheen ihre Pforten für Besucher. Mit Moscheeführungen, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen suchen die Gemeinden seit 1997 jedes Jahr am Tag der deutschen Einheit den Dialog mit ihren Mitbürgern.
Rund 50 Besucher waren der Einladung in die Mindener Straße gefolgt. Kawthar El-Qasem und Sejfuddin Dizdarevic von der Initiative Düsseldorfer Muslime zeigten ihnen die kleine Moschee, erklärten den Gebetsablauf, sprachen über die vielen Parallelen zwischen der Bibel und dem Koran und informierten über die Grundsätze sowie die Geschichte des Islam.
„Ich finde das alles sehr interessant, und viele Dinge interpretiert man im Nachhinein anders“, erklärt der 14-jährige Felix Schwab, der mit seinem Vater gekommen war. Und auch der begrüßt die Gastfreundschaft der Gemeinde in Oberbilk: „Ich finde einen solchen Tag sehr wichtig. Wenn man miteinander lebt, ist es einfach gut, voneinander zu lernen“, so Jochen Schwab. Der Tag der Deutschen Einheit ist daher für die Aktion ganz bewusst gewählt: „Wir gehören einfach dazu und wollen auch zeigen, dass wir dazu gehören“, erklärt Kawthar El-Qasem.
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