boot 2008: Mit Schilf gegen den Wind
VON ANNA HARTNACK - zuletzt aktualisiert: 22.01.2008 - 08:36Düsseldorf (RPO). Dominik Görlitz’ umstrittene Expedition, in einem prähistorischen Boot über den Atlantik zu segeln, ist gescheitert. Bei der „boot“ macht er Werbung für einen weiteren Versuch einer Atlantiküberquerung.
Der Weg von New York nach Europa ist kein Katzensprung - erst Recht nicht per Schiff. Dominique Görlitz segelte nicht bloß über den Atlantik, sondern baute sich ein spezielles Gefährt dazu - ein zwölf Meter langes und 4,40 Meter breites Boot aus Schilf. Am 5. September 2007 musste er die Reise nach 56 Tagen auf See und 1100 Kilometer vor dem Ziel Portugal wegen schlechten Wetters abbrechen. Gescheitert, sagte Görlitz gestern auf der boot, sei er trotzdem nicht.
Denn: Mit der Aktion verfolgt der Biologe ein konkretes Ziel: Er will zeigen, dass es vor Columbus oder den Wikingern schon transatlantischen Handel gegeben haben muss. Und zwar sehr lange vorher. Mit Schilfbooten, wie sie vor beinahe 7000 Jahren gebaut wurden, sagt Görlitz, sei es möglich gewesen, nicht nur mit der Strömung über den Atlantik zu segeln, sondern auch gegen die Strömung und gegen den Wind in die entgegengesetzte Richtung. Görlitz geht mit seiner These sogar noch weiter: „Es kann auch hunderttausende Jahre her sein.“
Bei der boot (Halle 13, Stand D63) stellt der 41-Jährige Chemnitzer seine Expedition vor, ist auf der Suche nach Sponsoren. In orange gekleideter Mannschaftsmitglieder achten auf die Modelle der Abora III, informieren über das Projekt. Mit seinem Experiment knüpft Görlitz an das des norwegischen Forsches Thor Heyerdahl an, der 40 Jahre vor ihm bewies, dass Schilfboote stabile Segelboote abgeben. Heyerdahl gilt als der Erfinder der experimentellen Archäologie.
Am 11. Juli 2007 legte Görlitz mit einer zehnköpfigen Crew an Bord der Abora III in Manhattan ab. Ihr gingen bereits zwei Versionen von Schilfbooten voraus. Die Atlantik-überquerung mit der Abora III sei aus zwei Gründen gescheitert: Schlechtes Wetter und zu wenig Geld. Trotzdem ist Görlitz’ Fazit der Expedition positiv: „Wir haben gezeigt, dass es theoretisch möglich gewesen ist. Das Schiff hat die Kapazität, gegen Strömung über den Atlantik zu segeln.“ Grund seien vor allem 14 verstellbare Seitenschwerter gewesen, die das Schiff statt eines Kiels stabilisiert hätten. Vorbild für die Konstruktion der Abora III waren Felszeichnungen, die laut Görlitz 6000 Jahre alt sein sollen.
Zwar sei die Abora III mit modernsten technischen Hilfsmitteln ausgestattet und Rettungsinseln an Bord gewesen, aber bei angeblicher Windstärke zehn, elf durchfahrenen Tiefdruckgebieten und einem im Orkan abgebrochenen Heck, sei es sicherer gewesen, das Experiment abzubrechen. Obwohl, so betont Görlitz, die Mannschaft das Schiff auch erneut hätte reparieren können. „Ich war Expeditionsleiter“, sagt er. „Ich hatte die Verantwortung für die Crew.“
Kritische Stimmen werfen ihm Verantwortungslosigkeit vor, sagen, er habe seine Mannschaft unnötig in Gefahr gebracht. Unsinn, meint Görlitz. „Das war keine Kamikaze-Expedition.“ Für ihn steht fest, dass er sich nicht mit dem zufriedengeben will, was er schon weiß. Eine Expedition mit der Abora IV ist in Planung - Görlitz sammelt auf der boot für sein neustes Projekt.
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