Strick-Guerilla: Mit Wolle gegen Atomkraft
zuletzt aktualisiert: 22.03.2011 - 14:34"Fluffy throw-up" heißt das Projekt, mit dem zwei junge Frauen gegen die Atomkraft demonstrieren. Mit handgestrickten "Plakaten", die sie beispielsweise um Laternen und Fahnenmaste wickeln, begehen sie einen neuen Weg des Protests.
"Strick & Liesel" haben das Gefühl, dass politische Belange oft über die Köpfe der Menschen hinweg entschieden werden, wie sie unserer Redaktion erklärten. Daraus entstand die Idee zu "fluffy throw-up".
Gestrickte Plakate in Düsseldorf
Was eine Düsseldorferin und eine Duisburgerin vor vielen Jahren noch von der Großmutter gelernt haben, nutzen sie jetzt für den Protest. Während die meisten Atom-Gegner mit Plakaten durch die Straßen ziehen, hängen die Mitglieder der Gruppe "Strick & Liesel" gestrickte Anti-Atom-Plakate an vielbesuchten Plätzen auf.
An jedem ihrer Werke hängt ein kleiner Zettel. Da heißt es: "Milchmädchenrechnung Atomstrom: Du glaubst, Atomenergie sei günstig? Die Folgen im Falle eines Atomunfalls sind unbezahlbar!" oder auch "Sei nicht blind, schau hin".
"Es tut weh, wenn die Sachen abgerissen werden."
"Strick & Liesel" machen sich immer nur nachts auf den Weg, um ihre "Protestplakate" aufzuhängen. So sei der Effekt größer, wie "Strick & Liesel" erklären. Außerdem wollen sie anonym bleiben. "Wenn die Menschen dann am Morgen auf die Straße gehen, sehen sie, dass sich etwas verändert hat und nehmen es auf diese Weise wahr." Doch meist hängen die Strick-Plakate nicht länger als einen Tag.
Ihre letzte Aktion startete das Duo erst am Dienstag. Es machte sich auf den Weg zum Düsseldorfer Landtag und umwickelte die Fahnenmasten vor dem Haupteingang. Die Woll-Schilder hingen, bis die ersten Besucher des Landtags auftauchten. Es dauerte nicht lang, dann riss das Personal alles herunter.
Fan-Seite bei Facebook
"Fluffy throw-up" hat auch eine Fan-Seite bei Facebook, auf der die Mitglieder der Gruppe "Strick & Liesel" über ihre Aktionen informieren und Bilder ihrer "Plakate" an verschiedenen Orten zeigen. Zur Facebook-Seite geht es hier.
"Fluffy throw-up"
"Fluffy" bedeutet flauschig. Der Ausdruck "throw-up" entstand in den 80er Jahren in der Graffiti-Szene der USA. Es bedeutet "eine schnelle Signatur an die Wand werfen". "Fluffy throw-up" ist demnach - durch die Wolle - ein flauschiges, schnelles Graffitibild. Die Doppeldeutigkeit des Begriffs "throw-up" (z. dt.: erbrechen) ist beabsichtigt. Die textilen Objekte sind nicht nur eine Signatur, sondern auch als gewaltfreier (flauschiger) Protest gegen Missstände zu deuten.
Strick-Guerilla: Auch dieser Begriff hat seinen Ursprung in den USA. Er wurde in Housten (Texas) geprägt. Die Bewegung hat einen kulturellen Hintergrund: Das Ziel bestand darin, Städte zu verschönern.
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