Plädoyer im Kofferbomber-Prozess: Möglichst viele Menschen sollten sterben
zuletzt aktualisiert: 29.10.2008 - 15:41Die Kofferbomber von Köln wollten nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft mit ihrem Anschlag ein Blutbad anrichten. Deutschland sei einem islamistischen Anschlag nie nähergekommen. Die Anklage forderte am Mittwoch die lebenslange Haft für die Kofferbomber.
"Aus ihrer Sicht waren die Sprengvorrichtungen todsicher. Beide beabsichtigten, durch die Detonation möglichst viele Menschen zu töten", sagte Staatsanwältin Duscha Gmel am Mittwoch in ihrem Schlussplädoyer vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht.
Vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht muss sich der 24-jährige Libanese Youssef E.H. wegen versuchten Mordes und der versuchten Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verantworten. Zusammen mit dem bereits im Libanon zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilten Komplizen Jihad Hamad soll der Angeklagte im Juli 2006 auf dem Kölner Hauptbahnhof zwei Kofferbomben in Regionalzügen nach Hamm und Koblenz deponiert haben.
"Die Tat sollte spektakulär werden"
Nur ein Konstruktionsfehler verhinderte nach Einschätzung der Bundesanwaltschaft die Explosion. Anlass für die Anschlagsplanungen sollen die auch in Deutschland nachgedruckten Mohammed-Karikaturen gewesen sein.
Youssef E. H. hatte allerdings im Prozess erklärt, er habe die Sprengsätze im letzten Moment selbst sabotiert, weil er Gewissensbisse bekommen habe. Nur deshalb sei die Bombe nicht explodiert.
Die Bundesanwaltschaft hält diese Angaben allerdings für unglaubwürdig. "Die Tat sollte möglichst spektakulär werden", sagte die Staatsanwältin. Und nach Einschätzung der Bombenbauer wäre sie umso spektakulärer gewesen, je mehr Todesopfer es gegeben hätte.
Keine Verzögerung für Libanonreise eines Verteidigers
Die Bilder einer Überwachungskamera im Kölner Hauptbahnhof, die zeigen, wie die beiden jungen Männer ihre mit Sprengstoff gefüllten Koffer zu den Zügen bringen, gingen 2006 um die Welt. Hamad wurde bereits von einem libanesischen Gericht zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Der Düsseldorfer Angeklagte wurde vom libanesischen Gericht in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.
Das Schlussplädoyer hatte sich um mehrere Stunden verzögert. Ein Verteidiger des Angeklagten kündigte am Mittwoch überraschend vor Gericht an, er wolle am 10. November in den Libanon reisen. Er wolle dort dem Verdacht nachgehen, dass ein Geständnis Hamads mit der Androhung von Schlägen erzwungen worden sei. Der Staatsschutzsenat lehnte es jedoch nach ausführlicher Beratung ab, deswegen das Plädoyer zu verschieben.
Das Urteil soll am 18. November verkündet werden.
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