Witze unter der Gürtellinie: Möllmann: Aus dem Container ins Savoy-Theater
zuletzt aktualisiert: 03.10.2003 - 12:04Düsseldorf (dto). Zugegeben, Menschen zum Lachen zu bringen ist nicht einfach. Schon gar nicht zu diesen Zeiten, wo es nur so vor Comedy-Shows und Comedy-Castings-Shows wimmelt und ständig neue Talente die Bühne betreten. Die Konkurrenz ist groß, was zieht also jemanden auf die Bühne, den die meisten nur aus dem Big-Brother-Container kennen und der seinen einzigen Hit mit dem Lied "Ich find es geil ein Arschloch zu sein" landete?
Frauen, die gerne Arzt- oder Försterromane lesen, "Schwachhupen" oder "gegelte Pickelfressen" - das ist die Welt von Christian Möllmann. Mit Witzen, warum Frauen immer zu zweit auf die Toilette gehen oder die männliche Lebensformel, die sich ausschließlich am Fußball orientiert, versuchte er am Donnerstagabend mit seinem Programm "Erst mal anhörn" die Besucher des Savoy-Theaters zum Lachen zu bringen. Eigentlich hatte er gute Chancen, schienen die Besucher ein Gemisch aus Verwandten, Freunden und Big-Brother-Fans zu sein. Die Rosen bereits in der Hand, warteten sie auf den blonden, ehemaligen Polizisten, der wegen seiner unverschämten und aggressiven Weise durch Big-Brother bekannt wurde und sich den Namen "Nominator" erarbeitete. Aber der Funke sprang nicht richtig über.
Seit 1998 hat der 31-Jährige Schauspieler in diversen TV-Serien mitgespielt, im Radio moderiert, beim Eppendorfer Heimattheater mitgespielt und ein paar Songs herausgebracht. Warum also auch noch eine Comedy-Show? "TV-Serien haben mich inspiriert, ich wollte immer schon mal über die ganzen Serien lästern, obwohl mein Freund Martin mir davon abgeraten hat und gesagt hat, dass der Papst ja auch nicht über Beathe Uhse reden würde", verriet Möllmann seinem Publikum zu Beginn seines Programms. Hätte er doch auf seinen Freund gehört. Das, was er über Serien wie "Sex and the City" oder "Lindenstraße" parodierte, war oberflächlich und platt. Witze über Mutter Beimer, die unter der Woche anschaffen geht oder der Vergleich von Gerhard Schröders Gattin mit einem Gaul sind nunmal nicht wirklich neu.
Nur mit einem Barhocker, einem Mikrophon und einem Stehtisch bewaffnet, vollzog Möllmann das Programm. Selbstbewusst, einen klaren Blick ins Publikum gerichtet, schwadronierte er 90 Minuten lang über Frauen, Männer, Saufen, Fußball. Er erzählte dabei aber wenig neues, wenig überraschendes, blieb mit Sprüchen wie "Männer gehen nach ein paar Bier in der Evolution zurück" oder "Kommt ne Frau beim Gynäkologen" nur platt und unter der Gürtellinie.
Aber das ist auch so gewollt, geht Möllmann selbst davon aus, dass das Publikum am meisten über die schmutzigen Witze lacht. Die Zuschauer bestätigen seine These, aber richtig gelacht wurde besonders dann, wenn Möllmann spontan wurde, er improvisierte oder nostalgische Jugenderinnerungen erzählte. Dann ist er gut, dann geht er in Details, erzählt von den Problemen, die die Jungen hatten, auf Partys die Mädchen zum Knutschen zu kriegen, über Zahnspangen oder über Mädchen, die er sich schön getrunken hat. Gut auch seine Übertragung des Organdialogs von Otto Walkes.
Mit "Erst mal anhörn" war Möllmann nur an einem Abend in Düsseldorf. Das Publikum, dass die Sitze nur zu dreiviertel füllte, bedankte sich artig mit Klatschen, Rosen flogen aus den ersten Reihen. Nach einer Zugabe war Schluß.
Von BIRGIT KRANZUSCH
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