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Buch mit skurrilen Kriminalfällen: Mord aus Studentenhand

VON DIRKE KÖPP - zuletzt aktualisiert: 17.09.2008

Düsseldorf (RPO). Design-Student Felix von Pless hat ein Buch mit skurrilen Kriminalfällen illustriert. Die Anregungen holte er sich unter anderem in Archiven und bei Amtsrichter Clemens-Peter Bösken, der bereits mehrere Bücher schrieb.

Die Schattenseiten Düsseldorfs: Felix von Pless hat außergewöhnliche Kriminalfälle aus der Stadt illustriert, zum Beispiel den Fall des Massenmörders Peter Kürten, der als papierne Groß-Illustration hinter ihm steht und ihn hinterrücks zu erstechen scheint.  Foto: RPO
Die Schattenseiten Düsseldorfs: Felix von Pless hat außergewöhnliche Kriminalfälle aus der Stadt illustriert, zum Beispiel den Fall des Massenmörders Peter Kürten, der als papierne Groß-Illustration hinter ihm steht und ihn hinterrücks zu erstechen scheint. Foto: RPO

Für seine Diplomarbeit wollte Design-Student Felix von Pless ein außergewöhnliches Thema angehen – aber eines mit realem Hintergrund und eines, das mit Düsseldorf zu tun hat. Als er den Polizeihistoriker Klaus Dönecke kennen lernte, hatte er die zündende Idee: Er wollte ein Buch mit Düsseldorfer Kriminalfällen illustrieren.

Von Pless las und recherchierte zu spektakulären Düsseldorfer Verbrechen und stieß immer wieder auf einen Namen: Clemens-Peter Bösken. Der 62-jährige Amtsrichter hat mehrere Romane und Sachbücher über Düsseldorfer Hochstapler, Mörder und andere Kriminelle geschrieben. Kurzerhand nahm der Student Kontakt zu Amtsrichter Bösken auf, schlug ihm vor, einige der von ihm beschriebenen historischen Fälle bildlich zu ergänzen.

Der Amtsrichter war begeistert von der Idee und schrieb sogar das Vorwort für das von Felix von Pless illustrierte Buch. Für ihn sei es „reizvoll, nicht allein den Stoff für das passive Lesen zu liefern, sondern zu einer aktiven Verwertung von dreien meiner Bücher beitragen zu können“, so Bösken. „Ich habe mich über Felix von Pless’ Interesse sehr gefreut.“

Die Bandbreite der Fälle, die der 27-jährige von Pless für das Buch „Schattenseiten“ aussuchte, ist weit: „Es sind nicht unbedingt nur sehr bekannte Kriminalfälle oder sehr bedeutende, die ich illustriert habe“, sagt Felix von Pless. „Aber sie sind meist ein bisschen skurril.“

Wie der eines 21-jährigen Hochstaplers, der sich als angeblicher „Fürst zu Sayn-Wittgenstein“ das Vertrauen von Geschäftsleuten und Banken erschlichen hatte. Oder der einer Bande von Safeknackern, die 1902 Unternehmen in Düsseldorf unsicher machten, weil sie einerseits mit Sprengstoff, andererseits aber auch mit Hammer und Meißel einen Geldschrank nach dem anderen knackten.

Auch der Fall des Serienmörders Peter Kürten, der in den 1920er Jahren Frauen umbrachte, fand Eingang in die Düsseldorfer „Schattenseiten“. Ebenso jedoch auch ein Mord im Homosexuellenmilieu, die Hexenprozesse des 18. Jahrhunderts und die Pogromnacht 1938.

Entstanden ist ein Diplom-Buch mit der sachlichen Zusammenfassung der Fälle durch Bösken und der gestalterischen Umsetzung von Felix von Pless. Angst, dass sein Projekt als geschmacklos empfunden würde, hatte der Design-Student nicht. „Ich habe immer versucht, die Grenzen zu wahren, und mich dabei auf mein Bauchgefühl verlassen“, sagt er. Dazu zählte für ihn beispielsweise, nie den Tatmoment selbst zu zeichnen, sondern immer nur die Charaktere oder Szenen unmittelbar vor oder nach der Tat. Mit der Schere in der Hand wie bei Massenmörder Peter Kürten oder lässig an die Bar gelehnt wie Hochstapler „Fürst zu Sayn-Wittgenstein“.

Wenn es keine reale Vorlage für einen Täter gab, verarbeitete von Pless Stereotypen in seinen Bildern, die er zunächst per Hand im Skizzenblock entwarf und danach am Computer bearbeitete und colorierte. So entstanden etwa das komikartige Bildnis des Hochstaplers und karikaturenhafte Gesichter der Nazis während der Pogromnacht.

Für Eingeweihte hat das Buch darüber hinaus noch einen besonderen Reiz: Denn im Hintergrund der eigentlichen Zeichnungen – etwa in einem Bilderrahmen – brachte der Design-Student auch einige ihm bekannte Gesichter unter. So sind etwa seine beiden Professoren Ulf Rungenhagen und Uwe J. Reinhardt von der Fachhochschule dort verewigt.

Quelle: RP

 
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