Julia Stoschek präsentiert Videokunst: Museumschefin mit 31
VON SIMONE DURCHHOLZ - zuletzt aktualisiert: 12.04.2007 - 12:55Düsseldorf (RPO). Eine Privatinitiative in der Kunststadt Düsseldorf: Die Sammlerin Julia Stoschek wird Ende Juni aktuelle Videokunst öffentlich machen. Besichtigung ist bei freiem Eintritt in einer alten Fabrik in Düsseldorf-Oberkassel möglich.
Für das Foto zieht sie eine schwarze Jacke über. Dabei ist es in ihrem Atelier in einem Hinterhof an der Kölner Straße in Düsseldorf angenehm warm. Aber Julia Stoschek hat eine genaue Vorstellung davon, wie sie sich der Öffentlichkeit präsentieren will. Dazu gehören auch die obligatorische enge schwarze Jeans und die ebenso dunklen Highheels. Für die „Kunstsammlerin in Röhrenjeans und Stilettos“, wie die Presse sie nennt, hat ihre Tätigkeit ganz selbstverständlich etwas mit Eitelkeit und Exhibitionismus zu tun. Doch auf das Zurschaustellen ihrer eigenen Person will sich die vermögende Unternehmerstochter aus dem oberfränkischen Coburg nicht allein beschränken. Im Sommer wird sie ihr eigenes Museum eröffnen.
Seit vier Jahren sammelt Stoschek, die mit Fotokünstler Andreas Gursky liiert ist, bevorzugt die Kunst der Neuen Medien. Das nötige Kleingeld stammt von der Brose-Unternehmensgruppe, einem Hersteller von Automobil- und Flugzeugzubehör. Julia Stoschek ist die Urenkelin von Firmengründer Max Brose. Über ihr Vermögen spricht die 31-Jährige allerdings nicht gerne. Sie berichtet lieber von ihrer Leidenschaft: „Das Sammeln ist wie eine Sehschule“, erzählt die Betriebswirtin. „Man kann seinen Blick immer wieder neu schärfen. So ein Sammlungsaufbau ist ein ganz großer Entwicklungsprozess.“
Mittlerweile besitzt sie etwa 350 Arbeiten. Große Namen wie Bruce Nauman, Marina Abramovic und Katharina Sieverding sind dabei, auch Christoph Schlingensiefs Diana-Altar, den der Aktionskünstler durch Londons Straßen tragen ließ - aus Protest gegen seinen Ausschluss von der Kunstmesse. Auch eine Arbeit von Doug Aitken konnte Stoschek erwerben. Aitken projizierte kürzlich in New York eine aufsehenerregende Installation auf die Außenwände des MoMA.
Im Sommer will die selbstbewusste Frau ihren Schatz öffentlich machen - in einem denkmalgeschützten Fabrikgebäude in Düsseldorf-Oberkassel, das sie restaurieren ließ. Die Idee dazu kam Stoschek auf einem Spaziergang mit ihrer Mischlingshündin. „Unterwegs in Oberkassel sah ich dieses faszinierende Gebäude. Und ich hatte eine Vision.“ Vier Jahre lang stand der dreigeschossige Stahlbetonbau damals schon leer. Anfang des letzten Jahrhunderts waren dort Bühnenbilder, nach dem Zweiten Weltkrieg Betten und zuletzt Bilderrahmen gefertigt worden. „Seine morbide Aura hat mich gefesselt“, schwärmt Stoschek. Dabei leuchten ihre Augen unter schwarzem, exakt frisiertem Pony.
Von der Liebe auf den ersten Blick bis zur Besichtigung vergingen nur wenige Stunden. „Noch am selben Abend war ich schon in dem Gebäude“, berichtet Stoschek. Das geschah im November 2004. Die Eröffnung ließ noch etwas länger auf sich warten. Ende Juni ist es soweit.
Welche Kunstwerke in der ersten Ausstellung zu sehen sein werden, will sie indes nicht verraten: „Es ist die Eröffnung meiner Sammlung. Da will ich ja nicht schon jetzt mein Pulver verschießen.“ Auf Videoarbeiten will sie sich nicht beschränken. Auch Rauminstallationen, Skulpturen und Fotografien wird die selbsternannte Museumschefin zeigen. So viel gibt sie preis. „Aber der Schwerpunkt liegt eindeutig im Bereich der Medienkunst.“ Videos seien nun mal die Kunstgattung ihrer Generation. Ihre große Liebe gilt den bewegten Bildern.
Rund 2500 Quadratmeter Ausstellungsfläche umfasst das neue Privatmuseum. Wegen der teils raumgreifenden Installationen ist damit Platz für 30 bis 35 Arbeiten. „Ich freue mich schon darauf, die Werke so präsentiert zu sehen, wie sie es verlangen“, sagt Stoschek. „In einem Privathaus reicht der Platz einfach nicht aus.“
Besucher können sich voraussichtlich samstags einen Eindruck verschaffen - kostenlos und nach Anmeldung. Und wenn keiner kommt? Julia Stoschek zuckt mit den Schultern. „Ich werde da sein. Die Kunst wird auch da sein. Alles Weitere müssen wir abwarten.“
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