Unterirdischer Ausbau geplant: Museumsmeile am Ehrenhof?
VON ANNETTE BOSETTI UND BERTRAM MÜLLER - zuletzt aktualisiert: 12.07.2008 - 10:17Düsseldorf (RPO). Das „museum kunst palast“ am denkmalgeschützten Ehrenhof soll unterirdisch ausgebaut werden. Das würde den attraktiven Angeboten Düsseldorfer Privatsammler entgegenkommen und die aktuelle Raumnot lindern.
Beat Wismer, Chef im „museum kunst palast“, hat sein Haus mehrfach als „schöne Brache“ bezeichnet. Derzeit sieht das Museum, von der Politik beflügelt, rosigen Zeiten entgegen. Wieviel Millionen genau das in Aussicht gestellte unterirdische Baumanöver am Ehrenhof verschlingen wird, davon spricht man nicht. Auch nicht darüber, wie man den Denkmalschutz respektieren will.
Oder dass man vielleicht sogar über ein städtebauliches Gesamtensemble nachdenken sollte, eine üppige Museumsmeile zum Flanieren, die das behäbige Kunstmuseum mit dem quirligen NRW-Forum verbinden würde.
Wer diesen Traum vom spektakulären Erweiterungsbau des „museum kunst palast“ erfunden hat, soll auf Wunsch der Träumer noch geheim bleiben. Laut gedacht wurde die Idee allerdings schon vor langer Zeit, einfach deshalb, weil eine Erweiterung auf der Hand liegt.
Wenn die Veröffentlichung der Idee für Wismer auch überraschend kommt, so beeilt er sich doch zu sagen, mehr Platz für Kunst und angemessene Ausstellungsbedingungen seien notwendig. Dass die Besucherfreundlichkeit im angestaubten Ehrenhof gehoben werden könnte, erscheint zweitrangig, ist aber nicht unwichtig.
Ein Anliegen steht konkret im Raum. Der RP verriet der Museumsmann aus der Schweiz, dass es bereits Verhandlungen mit Düsseldorfer Privatsammlern gebe. Die haben wohl Schenkungsabsichten avisiert, bedeutungsschwere Konvolute, die dem Haus und der Stadt gut zu Gesicht stünden. So gibt es aus der Zeit nach dem Krieg große Lücken im Bestand. Auch fehle die Fläche für zeitgenössische Fotografie. „Ich könnte in der Stadt, in der Andreas Gursky lebt, nicht einmal eine gültige Werkgruppe von ihm zeigen“, beklagt Beat Wismer.
Auf die Frage, ob eine Erweiterung notwendig sei, gibt es zwei gegensätzliche Antworten, eine kurz- und eine weitsichtige. Zunächst die kurzsichtige: Eine Erweiterung wäre Geldverschwendung, denn schon jetzt verfügt das Museum über so viel Platz in seiner ständigen Sammlung, dass man alle wesentlichen Teile der Kollektion in repräsentativen Ausschnitten zeigen kann. Man könnte auch von Zeit zu Zeit unterschiedliche Schwerpunkte setzen, so dass mal die Design-Abteilung im Vordergrund stünde, mal die Malerei des Expressionismus, mal die Plastik des Mittelalters. Ob nun 90 Prozent der Sammlung im Depot lagern oder nur 85 - der Besucher wird’s kaum merken.
Und nun die weitsichtige Antwort: Vor einem Jahr verkaufte die Galerie Schmela, die seinerzeit eine der ersten Einzelausstellungen von Beuys arrangierte, ihr Archiv an das Forschungsinstitut des J. Paul Getty Trust in den USA. Die Tochter des verstorbenen Galeriegründers Alfred Schmela, Ulrike Schmela, freute sich nicht nur über den Erlös, sondern auch darüber, dass ihr Archiv in gute wissenschaftliche Hände gelangt war.
Das Zentralarchiv des internationalen Kunsthandels in Köln hatte an dem wertvollen Bestand ebenfalls früh sein Interesse bekundet. Aus Düsseldorf, wo das Archiv seinen natürlichen Platz hätte, war offenbar niemand vorstellig geworden.
Die Art und Weise, wie sich das „museum kunst palast“ nun um Werke und Archivmaterialien der Zero-Künstler Mack, Piene und Uecker bemüht, lässt darauf schließen, dass Düsseldorf nicht noch einmal das Nachsehen haben will. Wer aber künftige Nachlässe und private Sammlungen für das Haus am Ehrenhof gewinnen will, der muss auch Ausstellungsfläche anbieten können.
Kein Stifter hat Interesse daran, dass seine Kollektion im Depot untergeht. Mit anderen Worten: Weitsicht gebietet es, zusätzlichen Raum für die Schausammlung zu schaffen.
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