Open-Source-Festival: Musik im Freibad
VON PHILIPP HOLSTEIN - zuletzt aktualisiert: 25.08.2008Düsseldorf (RPO). Rund 2500 Besucher erlebten ein unbeschwertes Open-Source-Festival in Lörick. Nach mehrjähriger Pause gab die Düsseldorfer Kult-Band Kreidler ein faszinierendes Konzert
Der schönste Moment dieses Tages war der, als Andreas Gursky und seine Freundin Julia Stoschek vorn an der Bühne standen und ihre Körper in die sanft brandende Musik warfen. Der teuerste Fotokünstler der Welt und die Museumsbesitzerin wurden umringt von einem hummelnden Haufen hingebungsbereiter Mädchen, die Gursky zwar nicht kannten, die aber dennoch Spaß hatten, ihre langen T-Shirts als Kleidchen trugen, in bunten Turnschuhen von Nike steckten und die Haare mit dicken Stirnbändern in Neonfarben bändigten. So war das beim Open-Source-Festival im Freibad in Düsseldorf Lörick: unbeschwert.
Gursky war gekommen, weil er Kreidler sehen wollte, und tatsächlich spielte die zum Quartett erweiterte Band aus dem Kunstakademie-Umfeld ein faszinierendes Konzert. Die langen elektronischen Stücke waren flächiger als gewohnt, klangen warm und wurden immer mal wieder von einem Schlagzeug heftig nach vorne getrommelt, wie man das von den Platten der Krautrock-Band Neu! aus den 1970ern kennt.
Seit mehreren Jahren war Kreidler nicht mehr aufgetreten, und nicht nur Gursky wirkte sehr glücklich darüber, dass die Gruppe wieder da ist. Eine neue Platte, hörte man, sei in Arbeit.
Zunächst weniger glücklich waren die Jungmädchen und ihre Freunde. Ihr Idol, die französische Sängerin Uffie, hatte kurzfristig abgesagt, nun geriet die Fete in Gefahr. Aber sie wurden getröstet, DJ Feadz war aus Paris gekommen. Dessen Platten erscheinen wie die von Uffie beim Label Ed Banger, und sie klingen – wenn überhaupt – nur in Nuancen anders, nämlich schockbunt, mit vielen Sirenen drin und deftigen Beats, kreischend künstlich und ultralaut, genau richtig also fürs Feiern im Freibad.
Zwei Bühnen gab es, dazwischen die übliche Festival-Folklore aus Verkaufsstand und Würstchenbude, und wer gerade nicht hören mochte, der lustwandelte oder picknickte im Gras. Rund 2500 Leute mögen dort gewesen sein, leider nur 2500, und nicht wenige wurden im Kinderwagen geschoben. Heiter ging es zu, und selbst als es am Nachmittag, während des Auftritts des japanischen Duos Subtle, schien, als würde das Gelände im Regen ertrinken, spürte man eine traumhafte Lockerheit: Bauen wir eben eine Arche und retten die Musik. So ungefähr. Bald schien wieder die Sonne.
Am Ende des Tages, bevor man per Bus-Shuttle zu den DJs auf die Tanzflächen in die Böhlerwerke gefahren wurde, traten die Junior Boys aus Kanada auf, die prominentesten Künstler hier. Das ist sehr süßer Elektropop mit einer Jungsstimme, die beinahe so schön ist wie die von Morten Harket, dem Sänger von a-ha. Es war schon ein bisschen kalt geworden, über den See blies der Herbst, und wer konnte, der ließ sich umarmen. Die anderen tanzten einfach, warfen die Hände in die Luft. Die Nacht war jung, der Morgen eine Verheißung.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





