CD für geplagte Anwohner: Musik-Posse um Wehrhahn-Linie
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 17.12.2009 - 07:25Düsseldorf (RPO). Die Stadt will 5000 von der Baustelle geplagten Anwohnern eine CD schenken. Ein eigens dafür komponiertes Lied lehnt die Stadt ab – offenbar, weil darin Manes Meckenstock zu hören ist. Er hatte den U-Bahnbau mehrfach kritisiert.
Wenn die Verwaltung in den kommenden Wochen 5000 Musik-CDs verteilt, dann werden die Empfänger kein Lied von Jürgen Borrmann darauf finden. Und das obwohl der Musiker aus Flehe für sein Lied "Hallo Düsseldorf" sogar Oberbürgermeister Dirk Elbers als Sprecher gewonnen hat und das Stück der Stadt als Geschenk angeboten hat. Die Stadt veröffentlicht die CD trotz ursprünglich anderer Absichten nun aber ausschließlich mit dem Lied "Komm lass uns U-Bahn fahren" von Anwohner-Betreuer Fred Hartmann. Nach Informationen der Rheinischen Post soll ein kurzer Auftritt von Kabarettist Manes Meckenstock im Lied den Ausschlag für die Entscheidung gegen "Hallo Düsseldorf" gegeben haben.
Die Idee zur CD hatte Borrmann sofort gefallen. Die Stadt wollte die Lieder als Trost für die vielen Belastungen verteilen, die durch den Bau der Wehrhahn-Linie entstehen. "Bei so einer guten Idee sollte man die Stadtväter unterstützen", sagte der Fleher. "Als Selbständiger weiß ich, wie schlimm es für die Anwohner der Strecke sein muss, wenn sie um ihr Geschäft fürchten oder es sogar aufgeben müssen." Deshalb überließ er der Stadt das Lied unentgeltlich, obwohl er die Produktionskosten selbst getragen hatte.
Zu viel Kritik geübt?
Im Lied "Hallo Düsseldorf" ist Meckenstock als einer von acht prominenten Sprechern zu hören. Zu Borrmanns Musik grüßen unter anderem Ex-Karnevalsprinz Josef Hinkel, Fußball-Experte Manni Breuckmann, die Ansagerin, die in den Fahrzeugen der Rheinbahn zu hören ist, und eben Manes Meckenstock. Der wäre als Anwohner der U-Bahn-Baustelle an der Bilker Allee eigentlich ein guter Vertreter auf der Trost-CD. Da er sich aber wiederholt kritisch zum Sinn der Wehrhahn-Linie geäußert hat, schien "Hallo Düsseldorf" den Vertretern der Stadt plötzlich nicht mehr zu gefallen. Die 5000 CDs werden nach RP-Informationen nun ohne Borrmanns Lied gepresst und sollen im Idealfall noch vor Weihnachten verteilt werden.
Die Leiterin des Amtes für Verkehrsmanagement, Andrea Blome, war gestern nicht für eine Stellungnahme zur geplanten Wehrhahn-Linien-CD und deren Inhalt zu erreichen.
Der Ärger um das Lied ähnelt einem Fall aus dem Jahr 2006. Damals wollte der Düsseldorfer Buchautor Horst Eckert seine Satire "Wege zum Ruhm" in der Zentralbibliothek vorstellen. Der damalige Oberbürgermeister Joachim Erwin ließ diesen Auftritt untersagen, weil er meinte, sich in der Geschichte wiedererkannt zu haben. Eckert fand für die Lesung einen anderen Ort: das "Haus der Freude" von Manes Meckenstock.
Lied hören Auf der Internetseite www.juergenborrmann.de steht "Hallo Düsseldorf" in der Rubrik "So klingt es" als Lied 16.
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