In Düsseldorfer Wohnhaus: Mutmaßliche Al-Qaida-Terroristen festgenommen
zuletzt aktualisiert: 29.04.2011 - 19:58Deutsche Sicherheitsbehörden haben möglicherweise einen islamistischen Terroranschlag in Deutschland verhindert. Die Bundesanwaltschaft ließ am Freitagmorgen drei mutmaßliche Mitglieder der Terrororganisation Al Qaida in NRW festnehmen, wie die Strafverfolgungsbehörde in Karlsruhe ohne Nennung weiterer Details mitteilte. Mindestens einer davon wurde in Düsseldorf gefasst.
Zwei Verhaftungen fanden übereinstimmenden Medienberichten zufolge in Düsseldorf statt, eine in Bochum. Mindestens einer wurde nach Informationen unserer Redaktion in einem Haus an der Witzelstraße in Düsseldorf am Morgen von Beamten des Bundeskriminalamtes festgenommen. Der Mann steht im dringenden Verdacht, Mitglied in der Terrororganisation Al Qaida zu sein.
Die mutmaßlichen Terroristen hatten bereits Sprengstoff zu Testzwecken gezündet. Das erfuhr unsere Redaktion aus Ermittlerkreisen. Die drei Verdächtigen, Marokkaner mit deutscher Staatsbürgerschaft, sollen seit Herbst 2010 verdeckt beobachtet worden sein. Sie wurden auffällig, als sie sich in Apotheken Chemikalien besorgten, wie unsere Redaktion erfuhr.
Übereinstimmenden Medienberichten zufolge sollen die Festgenommenen einen größeren Anschlag in Deutschland geplant haben. Sie sollen einen Bombenanschlag auf öffentliche Verkehrsmittel geplant haben. "Ziel war der öffentliche Nahverkehr in einer Großstadt", sagte ein Ermittler der Zeitung "Die Welt".
Nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins "Spiegel" soll die mutmaßlichen Terroristen schon längere Zeit unter Beobachtung durch internationale Behörden gestanden haben - darunter auch die US-amerikanische CIA und der marrokanische Geheimdienst. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge hatte das Bundeskriminalamt (BKA) eine sogenannte Besondere Aufbauorganisation namens "Komet" gegründet, um die Terrorzelle zu überwachen.
Der genaue Ort habe noch nicht festgestanden. Auf die Planung würden sowohl größere Mengen sichergestellter Sprengmittel und Chemikalien in einem Wohngebiet hindeuten als auch abgehörte Gespräche von Handys sowie Internetverbindungsdaten von Computern der Verdächtigen. Der NDR berichtet unterdessen, die Sicherheitsvorkehrungen für den Eurovision Song Contest, der vom 10. bis 14. Mai in Düsseldorf stattfindet, seien ausreichend.
Die drei Beschuldigten sollen am Samstag einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Näheres will die Bundesanwaltschaft am Samstagvormittag in einer Pressekonferenz in Karlsruhe bekannt geben.
Nach Medienberichten handelt es sich bei den Festgenommenen um drei Männer aus Nordrhein-Westfalen. Die Dimension des Falls sei vergleichbar mit dem der 2007 festgenommenen Sauerland-Gruppe. Einer der Anführer soll in einem Terrorcamp im Ausland ausgebildet worden sein, meldet das ZDF. Der Vorgang hatte beim Bundeskriminalamt den Decknamen "Komet", berichtete der Südwestrundfunks (SWR).
Die Bundesanwaltschaft und das BKA machten zunächst keine weiteren Angaben zur Identität der Verdächtigen und den Hintergründen der Festnahmen. Sie kündigten aber eine Pressekonferenz für Samstag in Karlsruhe an. Daran soll auch BKA-Präsident Jörg Ziercke teilnehmen.
NRW-Innenminister: Islamistische Terrorgefahr ernst nehmen
Nach den Worten von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wurde durch die Festnahme eine "konkrete und bevorstehende Gefahr durch den internationalen Terrorismus" abgewendet. Es zeige sich, dass Deutschland nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus stehe.
Der Innenausschussvorsitzende Wolfgang Bosbach (CDU) erklärte gegenüber unserere Redaktion, die Festnahme zeige, wie besorgniserregend die Bedrohungslage in Deutschland ist.
NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) nannte die Festnahmen einen Erfolg. "Die aktuellen Festnahmen von Islamisten beweisen, dass die Sicherheitsbehörden wachsam sind und die Gefahr des islamistischen Terrors in Deutschland sehr ernst nehmen", sagte Jäger am Freitag in Düsseldorf.
"Sie fahren schon seit längerem ihre Maßnahmen auf hohem Niveau und in enger Abstimmung. Gefährder und Akteure sind verstärkt im Blick", fügte der Minister hinzu. Deutschland und damit auch Nordrhein-Westfalen seien nach wie vor im Zielspektrum von islamistischen Terroristen.
Deutschland immer wieder als Ziel genannt
Deutschland wird wegen des Afghanistan-Engagements immer wieder als Anschlagsziel von islamistischen Terroristen gehandelt. Mehrfach hatte es entsprechende Drohungen über Videobotschaften gegeben. So etwa auch vor der Bundestagswahl 2009, als Al Qaida mit Drohvideos auf den Wahlausgang Einfluss nehmen wollte.
Dann gab es die "Koffer-Bomber", die während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Köln einen Sprengsatz in einem Zug deponierten. Der Zünder versagte, Deutschland hatte seinerzeit noch einmal Glück gehabt. So nah war die Bundesrepublik einem Anschlag seither nicht mehr gekommen. 2007 wurde die so genannte Sauerland-Gruppe nach mehrwöchiger Observierung festgenommen - offenbar hatten die Behörden die Situation weitestgehend unter Kontrolle.
Erst im November waren in Deutschland die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden, nachdem es erneut eine Terrordrohung von Al Qaida gegeben hatte.
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