Geschäftsfrau in Garage erstochen: Mysteriöser Mord in Wersten
VON GÖKÇEN STENZEL - zuletzt aktualisiert: 28.01.2008 - 08:26Düsseldorf (RPO). Die 54-jährige Geschäftsfrau Galina A. ist am Samstag in ihrer Garage erstochen worden. Eine Nachbarin (47) der neuen Reihenhaus-Siedlung und ihre Tochter (14) fanden die Schwerverletzte, als sie mit dem Hund Gassi gingen.
Die Häuschen sehen aus wie aus dem Katalog. Eine Reihe der Reihenhäuser ist weiß, eine andere verklinkert, die Vorgärten sind gepflegt, alles wirkt gefegt und aufgeräumt, vielleicht ein bisschen eng.
Ärzte wohnen hier, Ingenieure, Lehrer und städtische Angestellte mit ihren Eltern, ihren Kindern und Hunden. Hier, fünf Kilometer von der Innenstadt entfernt, haben sie sich den Traum vom eigenen Heim erfüllt, sind 2005, 2006 eingezogen in die Häuser, die nach und nach in die Höhe gezogen wurden. Idyll für viele, soziale Kontrolle inklusive - scheinbar. Schlagzeilen hat die Neubau-Siedlung zwischen Universitäts-Sportzentrum und Kölner Landstraße bisher nicht gemacht.
Einen Einbruch und einige Versuche vermerkte die Polizei in zwei Jahren. Tempo 30 ja oder nein, und wie breit soll der Radweg werden - das waren die Fragen, die die Anwohner bewegten. Seit Samstagabend ist das anders.
Am Samstag, um 19.25 Uhr, fanden Gerlinde J. (47) und ihre 14-jährige Tochter Nicole ihre Nachbarin vom Nöggerathweg. Sie waren mit dem Hund draußen und schauten im Vorübergehen in die offen stehende Garage von Galina A., die an ihrem Auto lehnte. Ihnen fiel auf, dass die 54-jährige Deutsch-Russin „etwas hatte“, wie es Rudolf Niederschelp ausdrückt. Er ist Leiter der Mordkommission, die den Mord an Galina A. aufklären soll. Denn Galina A. war nicht etwa übel geworden, sie war im Todeskampf. Sie schleppte sich noch bis zum Garagentor, stürzte auf der Schwelle nieder. Polizei und Notarzt kamen, Spaziergänger leisteten Erste Hilfe. Vergeblich. Galina A. starb an den Folgen mehrerer Messerstiche, wie die Obduktion ergab. Von „Abwehrspuren“ ist darin die Rede, die Tatwaffe fehlt, sonst aber nichts: Raubmord schließt die Polizei aus.
Staatsanwalt Christoph Kumpa geht von einer Beziehungstat aus, von organisiertem Verbrechen spricht er nicht. Ermittelt wird wegen Mordes: „Es war wohl Heimtücke im Spiel.“ Denn bis zum Abend war der Tag der Galina A. unauffällig gewesen. Zusammen mit einer Freundin war sie zum Shoppen in Roermond, hatte am Nachmittag eine andere Bekannte besucht und war um 19Uhr mit ihren schwarzen BMW nach Hause gekommen. Anwohner sagten aus, sie hätten sie allein in die Garage einfahren sehen. „Doch danach hat keiner mehr etwas mitbekommen“, so Niederschelp. „Das wundert uns, denn die Leute achten gut aufeinander.“
Fremde Personen, unbekannte Autos - Fehlanzeige. „Wir haben erst etwas gehört, als die Polizeiwagen um die Ecke bogen“, erzählt eine Nachbarin von schräg gegenüber. „Mein Mann hat Handball geguckt, ich habe gebügelt.“ Und die Rollläden waren schon unten. „Mit so was rechnet man doch nicht in unserer spießigen Gegend“, sagt die Anwohnerin. Sie widerspricht dem Eindruck, in der Siedlung habe jeder den anderen gut gekannt: „Wir kennen die Leute der anderen Häuserzeilen nur vom Sehen. Wir hatten nie etwas miteinander zu tun.“
Die direkte Nachbarin, eine ältere Dame, die gestern verstört und verweint wirkte, kannte Galina A. und ihren Ehemann hingegen sehr gut. Man hatte zusammen Silvester gefeiert, sich oft getroffen. „Sie war eine lebenslustige, nette Frau“, erzählt die Nachbarin über die Tote, die den Zollverkehr für Warentransporte nach Russland abwickelte und mit ihrem Unternehmen in Wuppertal saß. „Sie war viel beschäftigt, wir haben ihren Mann öfter gesehen als sie.“ Der Mann (60), der kurz nach dem Mord zu Hause eintraf, steht unter Schock und wird von einem Notfall-Seelsorger behandelt. Sein Alibi wurde überprüft, „er war es nicht“, so Kumpa. Wer es war - dazu konnte die Polizei gestern noch nichts sagen.
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