Rückgänge auf Investmentmarkt: Nachfrageflaute auf dem Büromarkt
VON MATTHIAS ROSCHER - zuletzt aktualisiert: 02.07.2009 - 07:50Düsseldorf (RPO). Im ersten Halbjahr wurde in Düsseldorf im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weniger als die Hälfte an Büroflächen vermietet. Die Landeshauptstadt trifft die Nachfrageflaute stärker als andere deutsche Großstädte wie Berlin, Hamburg oder München.
Nach den starken Rückgängen auf dem Investmentmarkt im vergangenen Jahr mit Einbrüchen um die 60 Prozent trifft es jetzt auch die Vermieter von Büroflächen. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres verringerte sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um mehr als die Hälfte auf 86 000 Quadratmeter. Gleichzeitig stieg der Anteil leerstehender Büros auf rund neun Prozent oder nach Berechnungen von Immobilienmakler Aengevelt in absoluten Zahlen auf jetzt 653 000 Quadratmeter.
Dass Düsseldorf die Nachfrageflaute stärker spürt als andere Großstädte in Deutschland, hat nach Einschätzung des Immobilienunternehmens Trombello Kölbel mit der unsicheren konjunkturellen Lage zu tun. Und damit, "dass große Unternehmen ihre Entscheidungen offensichtlich aufschieben".
Aengevelt liefert Informationen, wie es in anderen Großstädten aussieht: In Berlin, Frankfurt, Hamburg und München bewegen sich die Rückgänge bei den Bürovermietungen im Gegensatz zu Düsseldorf lediglich zwischen 20 und 32 Prozent. Der Büromarktspezialist von Aengevelt, Norbert Gertz, warnt jedoch vor allzu schnellen Rückschlüssen.
In Frankfurt (minus 24 Prozent) mietete die Deutsche Bahn 72 000 Quadratmeter an, ohne diesen großflächigen Abschluss wäre die Main-Metropole für das erste Halbjahr auf einem ähnlich bescheidenen Niveau wie Düsseldorf angekommen. Umgekehrt: Bisher habe Vodafone seinen Vertrag über 85 000 Quadratmeter für eine neue Zentrale auf dem ehemaligen Gatzweiler-Gelände noch nicht abgeschlossen.
Dieses Geschäft eingeschlossen, bewegte sich die Düsseldorfer Halbjahresstatistik auf dem besseren Niveau des Vorjahres. Gertz rechnet für Düsseldorf bis zum Jahresende mit Bürovermietungen in der Größenordnung von 250 000 Quadratmetern. Dies wäre dann knapp unter dem durchschnittlichen Wert für die vergangenen zehn Jahre.
Spitzenmieten von 23 Euro
Am wenigsten (minus acht Prozent) hat sich die Flaute bei mittleren Objekten zwischen 1000 und 2000 Quadratmetern und kleineren Büros bis 500 Quadratmetern niedergeschlagen. "Das rege Interesse an kleineren Flächen könnte auf Konsolidierungen bei einigen Unternehmen hindeuten, die mit Verkleinerungen einhergehen", sagt Renate Kölbel. Auch nutzten Branchen mit "kleinem, aber feinen Flächenbedarf wie Anwälte und Berater die Gunst der Stunde und wechselten in hochwertigere Büros.
Spitzenmieten von 23 Euro pro Monat und Quadratmeter werden nach wie vor in der Innenstadt erzielt, der Teilmarkt Kennedydamm liegt mit 22,50 Euro nur unwesentlich darunter. Aengevelt beobachtet bei einigen Unternehmen aus Kostengründen auch eine Neuorientierung aus teuren Innenstadtlagen an den Rand der City. So habe ein Tochterunternehmen der HSBC-Bank sein neues Quartier auf 10 000 Quadratmetern an der Yorckstraße bezogen.
Für Marcel Abel (Jones Lang LaSalle)steht die spannendste Zeit auf dem Büro-Vermietungsmarkt noch bevor. "Wenn der Markt zum Jahresende wieder anspringt, wird alles gut." Wenn nicht, würden einige Immobilien-Unternehmen harte Konsequenzen ziehen müssen. Bereits heute würde umstrukturiert und Personal freigesetzt.
Abel befürchtet, dass bei einer anhaltenden negativen Entwicklung das Preisgefüge aus den Angeln gehoben wird. Schon heute böten Vermieter Anreize wie mietkostenfreie Zeiten oder bezuschussten Umzüge und Umbauten. "Vermieter greifen in ihr Portemonnaie, um ihre Mieter nicht zu verlieren. Das ist so, als würde man ein Menü bestellen, aber nur den Hauptgang bezahlen."
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