Alternative für Allergiker: Nadeln gegen Heuschnupfen
VON BIRGIT WANNINGER - zuletzt aktualisiert: 07.05.2007 - 11:39Düsseldorf (RPO). Allergiker leiden dieses Jahr besonders schlimm. Wegen des milden Winters und des heißen Frühlings fliegen manche Pollen früher und länger. Auch Akupunktur kann Linderung verschaffen.
Die Augen tränen mal wieder, die Nase ist dicht, und ein leichter Druck ist auf den Bronchien zu spüren. Alle Jahre wieder die gleiche Prozedur. Es ist Heuschnupfenzeit. Während zahlreiche Allergiker versuchen, sich mit Antihistaminen Linderung zu verschaffen, gibt es eine Alternative: die Akupunktur. Sie ist Teil der Chinesischen Medizin, die seit mehreren tausend Jahren im Reich der Mitte angewendet wird.
Der Allgemeinmediziner Gabriel Stux hat in seiner Praxis in Düsseldorf-Pempelfort in den vergangenen 25 Jahren mehr als 1000 Heuschnupfen-Patienten mit Akupunktur behandelt. „Bei allergischem Asthma bronchiale und allergischer Rhinitis zeigte die Akupunktur eine sehr gute Wirkung“, sagt er und blickt den Patienten, der unter Heuschnupfen leidet, genauer an. „Zeigen Sie mal Ihre Zunge“, fordert er ihn auf und hat schon die erste Diagnose gestellt. „Das habe ich mir gedacht: eindeutige Milz-Pankreas-Schwäche.“ Die Zunge ist vergrößert und hat seitlich Zahneindrücke. Die Chinesische Medizin baue auf der Vorstellung auf, dass bei Heuschnupfen die oberen Verdauungsorgane, geschwächt seien und Nahrung nicht ausreichend verdauen, erklärt Stux. Dadurch käme es zu einer Überreaktion der Schleimhäute, sprich Heuschnupfen.
Nach der chinesischen Medizin soll das geschwächte Milz-Pankreas-Organsystem ausgeglichen werden, da sich dort der Fluss der Lebensenergie staut. Die Therapiestrategie lautet: Milz und Pankreas stärken sowie die übermäßigen gestauten Energien in den oberen Atemwegen ableiten.
Dazu setzt Gabriel Stux Nadeln. Zunächst zwischen die Augenbrauen und in die Nasenfalte. Es sind speziell festgelegte Punkte, und die Einstich-Momente piksen ein wenig. Die Nadeln an der Kopfhaut drücken zunächst etwas stärker. Doch kaum sind sie gesetzt, ist das Gefühl auch schon wieder vorbei. Das gilt auch für die drei Nadeln am Oberbauch (für die Milz). Jetzt noch Nadeln an die Fernpunkte, damit die Energie fließen kann. Je zwei an die Fußknöchel, eine zwischen Zeigefinger und Daumen. Die Hände sind nur noch schwer zu bewegen.
Jetzt heißt es entspannen und dabei tief atmen. Die Nadeln sind nicht mehr zu spüren. Nach einer Viertelstunde stimuliert Stux jede einzelne Nadel, das heißt, er dreht sie kurz, dann noch einmal eine Viertelstunde entspannen, bis die Nadeln gezogen werden.
Schon nach der ersten Behandlung jucken die Augen nicht mehr, und der Patient kann zum ersten Mal nach langer Zeit frei durchatmen. Um einen dauerhaften Ausgleich der Lebensenergie zu erreichen, sind acht bis zwölf Behandlungen notwendig. Am besten sei es, mit der Therapie ein bis zwei Wochen vor den voraussichtlichen Heuschnupfen-Beschwerden zu beginnen, sagt Stux. Dann könne eine bis zu 90-prozentige Linderung erreicht werden.
Um weiter beschwerdefrei zu sein, empfiehlt er, die Therapie nach einem Jahr zu wiederholen. Obwohl sich in Studien eine gute Wirksamkeit der Akupunktur bei Heuschnupfen gezeigt habe, erklärt Gabriel Stux, zahlen - zu seinem Bedauern - die meisten gesetzlichen Krankenkassen die Behandlung nicht mehr.
Stux selbst kann inzwischen übrigens auf 30 Jahre Erfahrung in Sachen Akupunktur zurückblicken. 1977, bei einem Aufenthalt in Ceylon, lernte er die chinesische Heilmethode kennen. Seitdem fährt er regelmäßig nach China, um sich weiterzubilden. 1978 gründete er die Akupunktur-Gesellschaft.
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