Anwalt: "Kein taktischer Schachzug der Verteidigung.": Nervenkrankheit gefährdet Prozess gegen Immendorff
zuletzt aktualisiert: 25.08.2003 - 17:01Düsseldorf (dpa). Der unter dem Verdacht des Kokainbesitzes stehende Maler Jörg Immendorff (58) kann möglicherweise wegen einer schweren Nervenkrankheit nicht vor Gericht gestellt werden. "Meinem Mandanten geht es gesundheitlich nicht gut", sagte sein Verteidiger Rüdiger Spormann am Montag in Düsseldorf. "Ob dadurch die Verhandlungsfähigkeit bei einem Prozess in drei oder vier Monaten gefährdet ist, ist noch nicht absehbar", sagte Spormann und versicherte, dies sei "kein taktischer Schachzug der Verteidigung".
Der Kunstprofessor stehe zu seinem Geständnis: "Was passiert ist, ist passiert." Immendorff leidet seit längerer Zeit an Lähmungen, von denen auch seine Malhand betroffen ist. Sie sollen durch die Krankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) verursacht sein, einer Erkrankung des Nervensystems. Immendorff selbst ließ am Montag verlauten, dass er entgegen seiner Ankündigung in dieser Woche doch keine Pressekonferenz abhalten werde. Er brauche Ruhe.
Der Künstler war vor gut einer Woche bei einer Sex- und Drogenorgie mit neun Prostituierten in der Luxussuite eines Düsseldorfer Hotels von der Polizei überrascht worden. Er hatte in seiner Vernehmung eingeräumt, seit Jahren Kokain zu konsumieren und in dem Hotel auch schon öfter wilde Partys gefeiert zu haben. Ihm drohen nun wegen des Besitzes einer nicht geringen Menge Kokain mindestens ein Jahr Haft sowie der Verlust seiner Professur an der Düsseldorfer Kunstakademie.
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