Ehrenamt für Gewalt-Opfer: Neue Chefin im Weißen Ring
VON STEFANI GEILHAUSEN - zuletzt aktualisiert: 28.08.2009 - 07:50Düsseldorf (RPO). Mit ihrer Pensionierung im Februar ist Marianne Lessing-Blum, bis dahin im Versorgungsamt und im Landschaftsverband für die finanzielle Entschädigung von Verbrechensopfern zuständig, nicht etwa in den Ruhestand getreten.
Die 60-Jährige hat die Schreibtischseiten gewechselt und betreut nun im Ehrenamt Opfer von Straf- und Gewalttaten. Gestern hat sie offiziell die Leitung der Geschäftsstelle des Weißen Ring übernommen, die seit vier Jahren kommissarisch vom Landesverband geführt wurde.
Schon in den ersten Monaten hat Lessing-Blum gravierende Unterschiede erkannt. In ihrem alten Job hatte sie vor allem mit Akten zu tun. Jetzt sitzt sie den Opfern schlimmer Straftaten direkt gegenüber. Und wo sie früher nach "bis ins kleinste Detail ausgefeilten" Vorschriften des Opferentschädigungsgesetzes Entscheidungen traf, muss sie heute Betroffene über ihre Möglichkeiten informieren und kann, wo es geht, auch direkt helfen.
Das ist kein leichtes Ehrenamt, wie gestern auch der Landesvorsitzende der 1976 von TV-Fahnder Eduard Zimmermann ins Leben gerufenen Hilfsorganisation betonte. Die Hilfe reicht von der Begleitung zum Gericht und in die Behörden bis hin zur finanziellen Unterstützung – die der Verein Weißer Ring aus Spenden und den Geldern aufbringt, zu deren Zahlung die Justiz Straftäter verurteilt.
150 Opfern hilft der Weiße Ring allein in Düsseldorf jedes Jahr. Viele Frauen sind darunter – Opfer häuslicher Gewalt. Kinder sind dabei, die sexuellen Missbrauch erleiden mussten. Aber auch arme Seniorinnen, die ein Trickbetrüger in finanzielle Not gebracht hat. Eva-Maria Eschbach, die vier Jahre lang vom Büro des Landesverbands in Düren die Geschäftsstelle mitbetreute, liegen alle am Herzen. Besonders nahe gegangen ist ihr die Betreuung jener Übersiedler aus Russland, die im Sommer 2000 beim Sprengstoffanschlag am Wehrhahn schwer verletzt wurden. "Das war eine so unsinnige Tat."
Marianne Lessing-Blum hat ihre erste Hilfsaktion sie schon hinter sich: Nach dem Großbrand an der Aachener Straße, der – verursacht durch Brandstiftung – im Juli die Bewohner eines Mietshauses obdachlos machte, half der Weiße Ring bei der Wohnungssuche und mit Möbelspenden. Das war in den Sommerferien und der neuen Chefin im Ehrenamt ist dabei vor allem eines aufgefallen: 16 aktive Helfer "sind für eine Großstadt wie Düsseldorf zu wenig. Wir brauchen mehr Menschen, die uns beim Helfen helfen."
Geholfen wird dem Weißen Ring, der vor mehr als 30 Jahren Neuland betrat, heute von vielen Einrichtungen wie der Frauenberatungsstelle und der Gewaltschutzambulanz. Auch die Polizei fördert inzwischen den Opferschutz.
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