Goldorfen und Kois: Neue Heimat für ausgesetzte Fische
VON JENNIFER KOCH - zuletzt aktualisiert: 11.12.2009 - 07:56Düsseldorf (RPO). Immer wieder setzen Halter in Düsseldorf ihre Tiere aus. Den Fischen, Schildkröten oder Vögeln tun sie damit keinen Gefallen. Und für die einheimische Tierwelt können die fremden Eindringlinge zum Problem werden.
Goldorfen – diese leuchtenden, bis zu 60 Zentimter großen Fische aus der Familie der Karpfen wurden gezüchtet, um mit ihnen die Teiche von Parks zu schmücken. Im trüben Wasser des Alten Hafenbeckens hingegen haben sie nach Meinung des Umweltamtes nichts zu suchen. Deshalb mussten die Tiere, die vermutlich von ihren Haltern ausgesetzt wurden, jetzt umziehen. Christian Frenz fischte sie gestern im Auftrag des Umweltamts ab, sie leben jetzt in Teichen im japanischen Garten im Nordpark.
Im Alten Hafen konnten sie nicht bleiben, denn das Gewässer ist für Fische denkbar ungeeignet. Es gibt keine Pflanzen zum Ausruhen oder Verstecken, keine Strömung, kein Futter und in dem trüben Wasser können die Orfen kaum sehen.
Auch in anderen Gewässern wurden in diesem Jahr Tiere entdeckt, die dort nichts zu suchen hatten. Und dort waren sie sogar eine Gefahr für die Tierwelt: Im Benrather Schlossteich lebte für einige Zeit ein Koi-Karpfen. Kois können für heimische Tiere bedrohliche Krankheiten übertragen. Im Südpark fand das Umweltamt ausgesetzte Schmuckschildkröten. "Es gibt immer wieder solche Fälle", sagt Inge Bantz vom Umweltamt. "Nicht-heimische Arten auszusetzen ist immer ein Risiko für das Ökosystem."
Nicht nur im Wasser, auch am Himmel sind die Auswirkungen der Gedankenlosigkeit zu sehen: Die Papageien-Population in Düsseldorf stammt vermutlich ebenfalls von einigen ausgesetzten Tieren ab. Und sogar der Aquazoo erhielt in diesem Jahr ungewollten Zuwachs: Dort setzten Unbekannte zwei Bartagamen (kleine Echsen) aus – in einem Spielhaus für Kinder.
Die Goldorfen im Hafen meldete vor wenigen Tagen eine Bürgerin. Sie hielt die Tiere zunächst für Kois. "Diese beiden Arten kann man leicht verwechseln", so Experte Christian Frenz. Um die Tiere zu evakuieren, nutzte er das Elektro-Fischen. Bei der Methode, für die Fischer eine Genehmigung und eine Ausbildung brauchen, erzeugt ein Generator Gleichstrom im Wasser. "Wenn Fische in das Spannungsfeld kommen, schwimmen sie auf den Pluspol zu", erklärt Claus Bode vom Umweltamt, Abteilung Fischerei und Gewässerschutz. Sobald sie betäubt sind, fischt Frenz sie mit einem Käscher ab. "Dabei passiert den Tieren nichts, sie erholen sich schnell wieder", beruhigt der Fischer.
Das Wasser im Alten Hafen erwies sich während der Aktion als belebter als erwartet: In den Käscher, mit dem Frenz die Goldorfen abfischte, gerieten auch einige Sonnenbarsche. Eine Überraschung waren auch ein paar wenige Zentimter große Goldorfen. "Die Tiere scheinen sich so wohl zu fühlen, dass sie sich im Becken vermehren", vermutet Frenz. Trotzdem kommen sie in den Nordpark. Frenz: "Dort werden sie unter kontrollierten Bedingungen ein neues Zuhause finden."
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