Serie zum 115-jährigen Bestehen: Neue Pläne gegen Bahn-Ausfälle
VON CHRISTIAN HERRENDORF - zuletzt aktualisiert: 16.01.2011 - 11:33Düsseldorf (RPO). Der Rheinbahn-Vorstand hat ausführlich analysiert, warum im Spätsommer an so vielen Stellen der Fahrplan nicht erfüllt wurde. Dabei stießen sie neben bereits vermuteten Ursachen auf ein bis dahin unbekanntes Problem.
Fallen Straßenbahnen aus, liegt die Erklärung vermeintlich auf der Hand. Entweder der Zug ist kaputt oder der Fahrer krank. Dass die Welt im Düsseldorfer Nahverkehr nicht so einfach ist, hat der Vorstand der Rheinbahn nun gezeigt, der mit den betroffenen Abteilungen und einem externen Berater untersucht hat, weshalb zwischen Juli und September so viele Ausfälle zu verzeichnen waren.
Während der Großen Kirmes fiel erstmals auf, dass die Rheinbahn spürbare Probleme hat, den Fahrplan zu erfüllen. 6500 Stunden aus dem Fahrdienst wurden damals nicht erfüllt. Ein hoher Krankenstand, zu wenig Personal hießen zunächst die Erklärungen, je nachdem, wer zu den Schwierigkeiten Stellung nahm. "Die Erklärungen mussten nicht falsch sein, wir wollten das aber systematisch untersuchen, damit wir auch die richtigen Lösungen für die Probleme finden", sagt Rheinbahn-Vorstand Klaus Klar. Die Ergebnisse haben Klar und Vorstandskollege Dirk Biesenbach nun dem Aufsichtsrat und in Betriebsversammlungen präsentiert:
Rheinbahn in Zahlen
Abonnenten
2009: 214,5 Millionen
2010: 214,7 Millionen
Umsatzerlöse
2009: 177,7 Millionen
2010: 183,8 Millionen
Kostendeckungsgrad
2009: 83 Prozent
2010: 80 Prozent
Investitionen
2010: 115,9 Millionen Euro
2011: 68,7 Millionen Euro
(Quelle: Rheinbahn)
Krankenstand Im Spätsommer stieg die Zahl der Krankmeldungen um 1,5 Prozent, im Jahresmittel lag sie bei rund zehn Prozent. Zugleich ist aber festzustellen, dass ein Großteil der Fahrer von den Durchschnittswerten abweicht. Ein großer Teil der Fahrer ist 2010 weniger als fünf Tage krank gewesen. Ein kleiner Teil der Fahrer wiederum ist langfristig – mehr als sechs Wochen im Jahr – krank. "Wir müssen nun genau untersuchen, weshalb manche Fahrer so lange krank sind und was das Erfolgsgeheimnis derjenigen ist, die so gut wie gar nicht krank sind", sagt Unternehmensvorstand Klar. "Fest steht, dass wir nicht bei einem Krankenstand von zehn Prozent bleiben können."
Personal Die Rheinbahn hat in den vergangenen Jahren Personal abgebaut, 2010 waren im Jahresschnitt 1205 Fahrer im Einsatz. Der Bedarf lag bei einem Durchschnittswert von 1220 Fahrern, die Lücke war also nicht eklatant und somit nicht die Hauptursache für die Ausfälle. Für das laufende Jahr peilt die Rheinbahn, unter anderem wegen mehr Einsätzen im Schienenersatzverkehr, als Jahresmittelwert 1233 Fahrer an.
Betriebshöfe Die Ausfälle verteilten sich nicht gleichmäßig über die verschiedenen Betriebshöfe. Einzelne verbuchten im Spätsommer überhaupt keine Ausfälle, der Schwerpunkt lag in Heerdt. Dort entstanden 43 Prozent der Ausfälle. Da zugleich aber die Jahresnettoleistung in Heerdt ebenso am höchsten war wie die Zahl der Überstunden (140 pro Fahrer), entdeckte die Rheinbahn dort einen entscheidenden Aspekt des Problems.
Neben der Zahl der vorhandenen Fahrer spielt die jeweilige Qualifikation eine entscheidende Rolle. In Heerdt mangelte es an mehrfach qualifizierten Fahrern, die zum Beispiel Busse, Straßenbahnen und U-Bahnen lenken können. Klar: "Die dezentrale Ausrichtung der Betriebshöfe ist gut, aber wir müssen zentraler steuern, dass die Fahrer mit der passenden Qualifikation am richtigen Ort sind beziehungsweise drohende Engpässen schneller erkannt werden."
Überstunden So wenig wie es den durchschnittlichen Betriebshof gibt, so wenig gibt es den durchschnittlichen Fahrer: 35 Prozent der Mitarbeiter erbringen den Großteil der Überstunden. Entsprechend schnell sind die Möglichkeiten erschöpft, weitere Fahrer bei Ausfällen einzusetzen.
Aus der Untersuchung hat die Rheinbahn-Spitze verschiedene Schritte abgeleitet, die sie gemeinsam mit den Mitarbeitern und dem Betriebsrat umsetzen will. Kurzfristig wurden mehr Fahrer eingestellt, Mitarbeiter aus anderen Abteilungen, die eine Fahrerlaubnis besitzen, ans Steuer von Bussen oder Bahnen gesetzt und mehr Fahrten an private Unternehmen vergeben. In diesem Jahr will sie die Qualifikationen der Mitarbeiter erweitern, so den Reservepool vergrößern und durch eine bessere Steuerung Engpässe wie den beschriebenen in Heerdt verhindern. "So etwas wie im Sommer darf uns nicht mehr passieren", sagt Vorstand Klar. Im Moment sitzen die Spitzenvertreter des Unternehmens deshalb jeden Tag zusammen und sehen sich die Zahlen an, wie hoch der Bedarf ist und wo mögliche Lücken drohen.
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