Düsseldorf: Neuer Streit um Gesamtschulen
VON MARTIN OBERPRILLER - zuletzt aktualisiert: 26.05.2011Düsseldorf (RPO). Immer weniger Kinder mit Gymnasialempfehlung gehen auf Gesamtschulen. Stattdessen wächst dort der Anteil der Schüler mit Hauptschulempfehlung. Die CDU sieht durch diese Entwicklung die Eltern getäuscht.
Rund 40 Prozent der Kinder, die im September auf eine der vier Düsseldorfer Gesamtschulen wechseln, haben eine Hauptschulempfehlung. Dagegen sind die Mädchen und Jungen mit Eignung für ein Gymnasium in dieser Schulform unterrepräsentiert. Nach RP-Informationen liegt ihr Anteil unter den Fünftklässlern im neuen Gesamtschuljahr bei gerade noch knapp elf Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl ein weiteres Mal um ein Zehntel. Einzige Ausnahme: An der Hulda-Pankok-Gesamtschule in Bilk stellen die Kinder mit Gymnasialempfehlung mehr als ein Drittel der neuen Fünftklässler, während Schüler mit Hauptschulempfehlung nur knapp über zehn Prozent ausmachen.
290 Ablehnungen
2010 wurden 68 Kinder mit Gymnasialempfehlung an Gesamtschulen angenommen, 2011 sind es 57. 524 Fünftklässler werden an einer Gesamtschule eingeschult, davon 205 mit Hauptschulempfehlung. An der Beuys- und der Heine-Schule liegt ihr Verhältnis zu Gymnasiasten bei 1:10. 290 Schüler wurden an Gesamtschulen abgelehnt, zehn mehr als 2010.
In der Düsseldorfer Politik lösen diese Zahlen eine erneute Diskussion über die Gesamtschulen aus. Die stellvertretende Vorsitzende des Schulausschusses, Sylvia Pantel (CDU), nannte die Gesamtschulen gestern "verkappte Hauptschulen". Auf Anfrage der RP erneuerte sie ihre Forderung, die rot-grüne Landesregierung solle eine Drittel-Parität gesetzlich einführen. Das heißt, dass Kinder an Gesamtschulen zuvor von den Grundschullehrern zu je einem Drittel für Gymnasium, Realschule sowie Hauptschule vorgeschlagen wurden. "Die Eltern, die Kinder an einer Gesamtschule anmelden, wissen zurzeit nämlich nicht, wie sich die Schülerschaft zusammensetzt", so Pantel.
Demgegenüber sehen SPD und Grüne in den Zahlen eine Bestätigung für die Gesamtschule. "So wird für viele Kinder der Weg zu einem guten Abschluss offen gehalten", sagte Clara Deilmann (Grüne), die gegen eine Drittel-Regelung ist. Dass das Niveau bei einer überdurchschnittlich hohen Quote von Schülern mit Hauptschulempfehlung sinken könnte, glaubt sie nicht. Studien seit Einführung des Zentralabiturs zeigten vielmehr, dass Gesamtschüler nicht wesentlich schlechter abschnitten als Gymnasiasten, so Deilmann. Und auch Rudolf Voller (SPD) lehnt eine Pflicht zur Parität ab. "Wir brauchen in Düsseldorf eine weitere Gesamtschule ", sagte Voller, der sich darin mit den Grünen einig ist.
Tatsächlich gibt es in der rot-grünen Landesregierung keine Überlegungen, die Drittel-Regelung einzuführen. "Mit dem Plan ist bereits die Vorgängerregierung aus CDU und FDP gescheitert", so ein Sprecher des Schulministeriums. Für Annahme oder Ablehnung von Kindern sind die Schulleiter verantwortlich. "Dabei muss lediglich auf die Heterogenität der Schüler geachtet werden", hieß es von Seiten der Bezirksregierung. Die von Regierungspräsidentin Anne Lütkes (Grüne) geleitete Behörde überprüft das Einhalten der Vielfalt, hat aber in Düsseldorf trotz des Überschusses an potenziellen Hauptschülern keine Einwände. Die Stadt greift nur bei Raumproblemen ein. "Fakt ist aber, dass die Zahl der Kinder mit Hauptschulempfehlung seit Jahren über jener der Kinder mit Gymnasialempfehlung liegt", sagte Silke Vogelbusch, Leiterin des Schulverwaltungsamts.
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