Leiche nicht auffindbar: Neusserin soll Baby getötet haben
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 27.09.2008 - 10:50Düsseldorf (RPO). Eine 38-jährige Frau aus Grevenbroich, die am 15. Juli in Düsseldorf ein gesundes Mädchen zur Welt brachte, ist gestern wegen Totschlagverdachts verhaftet worden. Der Staatsanwalt glaubt, dass sie ihr Kind unmittelbar nach der Geburt getötet hat und die Leiche verschwinden ließ.
Der Tatbestand kam vor drei Tagen ans Licht, weil das Jugendamt Grevenbroich erst vorigen Dienstag die Polizei einschaltete. Seit Mitte Juli hatte man zwar Kontakt zu der Mutter, aber das Kind tauchte nie auf. Schließlich schöpfte man Verdacht und informierte die Polizei.
Die Frage, ob das Jugendamt eher hätte reagieren müssen und so Verantwortung auf sich geladen hat, wollte ein Sprecher der Stadt Grevenbroich gestern nicht beantworten. Der Staatsanwalt glaubt nicht, dass dem Amt ein Vorwurf zu machen ist. Denn nach seiner Überzeugung hätte der Tod des Kindes auf keinen Fall verhindert werden können, weil die 38-Jährige das Baby noch am Tag der Geburt tötete, wie er meint. Die Frau behauptet, das Kind ausgesetzt zu haben.
Mutter verschwand aus dem Krankenhaus
Bisher sind folgende Fakten bekannt: Die 38-Jährige taucht am 15. Juli hochschwanger im Düsseldorfer Marienhospital auf und bringt dort ein gesundes, voll ausgetragenes Mädchen zur Welt. Wenige Stunden nach der Geburt verlässt sie das Krankenhaus, obwohl die Ärzte ihr dringend abraten. Sie hinterlässt aber eine Telefonnummer.
Als das Krankenhaus abends diese Nummer anruft, stellt sich heraus, dass sie falsch ist. Nun wird das Jugendamt Grevenbroich informiert. Die Behörde findet die Mutter und nimmt Kontakt auf. Man telefoniert mehrfach, vereinbarte Termine werden von der 38-Jährigen aber mit verschiedenen Begründungen abgesagt.
Nach Aussagen der Kripo lebt die Frau „in einem völlig normalen Umfeld“. Möglicherweise hat das dazu beigetragen, dass man sich im Jugendamt über Wochen hinhalten ließ. Die Nachforschungen der Polizei ergeben, dass die Frau am Tag der Geburt ihrer Tochter in den Straßen rund um das Düsseldorfer Krankenhaus unterwegs war, mit dem Neugeborenen auf dem Arm. Zuletzt wird sie mit dem Kind auf den Stufen vor einem Haus sitzend gesehen.
Bei den Vernehmungen erklärt die Frau, sie habe das Baby in diesem Haus, vor dem sie gesessen hat, abgelegt. Offenbar glaubte sie, das Kind „ihrem sozialen Umfeld“ nicht zumuten zu können, hieß es gestern. Sie habe auch die Schwangerschaft erfolgreich vertuscht.
Dass sie das Kind aussetzte, glaubt die Polizei allerdings nicht, denn von einem Findelkind ist nichts bekannt. Sie geht daher von einem Tötungsdelikt aus, erste Suchaktionen nach der Leiche des Kindes waren vergebens.
Die Psychologin Ute Marjanov, die seit sechs Jahren für die Schwangerschaftsberatung Donum Vitae arbeitet, kennt solche Konfliktsituationen aus ihrer täglichen Arbeit. Wenn das soziale Umfeld einer Frau die Schwangerschaft nicht akzeptiere, sei der Druck auf die werdende Mutter sehr groß und könne zu einem scheinbar unlösbaren Problem werden, vor allem wenn der Kindsvater das Kind ablehne. Oft werde die Tatsache der Schwangerschaft auch bis zuletzt geleugnet.
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