Interview mit Friedrich G. Conzen: „Nicht jedes Event ist sinnvoll“
zuletzt aktualisiert: 08.09.2008Düsseldorf (RPO). Der frühere Fraktions-Chef der Union, Dirk Elbers, ist jetzt der neue Oberbürgermeister, Sie sind nun sein Nachfolger als Nummer eins der Fraktion. Wie wird sich das auf die Zusammenarbeit zwischen den CDU-Ratsherren und dem OB auswirken?
Conzen Es wird eine sehr enge Zusammenarbeit sein. Elbers hat die Fähigkeit, die Leute mitzunehmen. Wir kennen uns schon sehr lange und haben ein gutes und freundschaftliches Verhältnis.
Das klingt ja sehr positiv.
Conzen Ist es auch. Wir werden einen neuen Umgang miteinander erleben, sehr offen und menschlich weitaus unkomplizierter. Das wird auch die Motivation der Mitarbeiter steigern und verbessern.
Aus der Fraktion hört man, dass Sie ja nur bis zur Wahl am 7. Juni 2009 gewählt sind. Danach will man jüngeren Leuten um Andreas Hartnigk eine Perspektive bieten, Hartnigk soll danach der neue Chef der Fraktion werden. Sind Sie ein Vorsitzender auf Abruf?
Conzen Ist man das nicht immer in einem solchen Amt? Man ist doch immer nur auf Zeit gewählt.
Aber hier wurde konkret gesagt, dass man sich im Juni neu orientieren will.
Conzen Wie es nach dem 7. Juni weitergeht, hängt doch ganz vom Ausgang der Wahl ab. Mal schauen, was kommt.
Wie ist Ihre Beziehung zur SPD?
Conzen Nächste Woche treffe ich mich mit dem SPD-Fraktionschef Günter Wurm. Ich bin sehr daran interessiert, dass auch künftig große Entscheidungen für Düsseldorf auf eine breite Basis gestellt werden.
Ist das ein Signal an die FDP, dass man notfalls auch andere Mehrheiten findet, falls die Liberalen nicht mitmachen?
Conzen Nein.
Welche gemeinsamen Entscheidungen meinen Sie zum Beispiel?
Conzen Wenn wir demnächst über Hilfen für die Fortuna sprechen. Wir treffen uns mit dem Kämmerer um zu beraten, was wir tun können. Da ist es gut, wenn die SPD mit im Boot ist.
Was noch?
Conzen Beim Kö-Bogen. Vielleicht kommen wir da ja doch noch zusammen.
Dann müssen sich aber beide Seiten bewegen.
Conzen Ja, klar. Aber da ist doch im Augenblick sowieso einiges offen. Wir müssen doch mal abwarten, was am Ende an Architekten-Entwürfen übrig bleibt.
Glauben Sie denn nun, dass beim Kö-Bogen alles wieder auf Null steht?
Conzen Nein, dazu ist schon zu viel festgelegt worden. Und wir sind natürlich sehr daran interessiert, der Trinkausbank, die dort ja ihre neue Hauptverwaltung bauen will, eine Möglichkeit in adäquater Lage zu bieten. Wir brauchen auf jeden Fall aber auch eine gute Alternative für Trinkaus.
Sie kalkulieren also die Möglichkeit ein, dass Trinkaus für das erwünschte Grundstück im Bereich Jan-WellemPlatz nicht den Zuschlag bekommt?
Conzen Wenn ein Investor deutlich mehr Geld anbietet, müssen wir uns doch für ihn entscheiden, das geht gar nicht anders. Aber es tun sich für Trinkaus ganz neue Möglichkeiten auf.
Wie meinen Sie das?
Conzen Wir wissen doch seit ein paar Tagen, dass die Commerzbank die Dresdner Bank schluckt. Beide Banken haben große Gebäude im Bereich Königsallee. Es wäre nicht auszuschließen, dass man in absehbarer Zeit nicht mehr so viel Raum braucht . . .
Was sind nach Ihrer Einschätzung die wichtigsten Themen bis zur Kommunalwahl?
Conzen Ganz oben stehen die Kita-Gebühren, die wir ja ganz erlassen wollen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass danach die Zahl der zu betreuenden Kinder ansteigen wird, weil dann noch mehr Eltern ihre Kinder anmelden werden. Wir werden also mehr Betreuungsplätze brauchen.
Kann die Stadt das bezahlen?
Conzen Die Verwaltung hat uns versichert, dass man das mit einkalkuliert hat.
Und sonst?
Conzen Abgesehen vom Kö-Bogen werden uns in der nächsten Zeit die Folgen des U-Bahn-Baus beschäftigen. Wir sollten uns weiter bemühen, durch entsprechende Baustellen-Planung und -Organisation die Beeinträchtigungen für die Nachbarn so gering wie möglich zu halten. Da ist sicher noch was drin.
Geschäftsleute aus der City haben jetzt angekündigt, Schadensersatz zu fordern.
Conzen Wenn diese Forderungen berechtigt sind, dann werden wir zahlen müssen. Das muss notfalls rechtlich geprüft werden. Ich war beim ersten U-Bahn-Bau in den 1980er Jahren mit meinem Geschäft an der Kasernenstraße selbst betroffen. Ich weiß deshalb, wie hart das ist.
Düsseldorfs Modemesse ist derzeit in einer Krise, die Zahl der Besucher sinkt ständig. Muss die Stadt da eingreifen?
Conzen Ich meine, dass die Messegesellschaft das Problem selbst lösen muss. Aber wir wissen, dass das schwer ist. Die suchen im Augenblick nach dem Ei des Kolumbus.
Ist die Modestadt Düsseldorf ohne Messe denkbar?
Conzen Nein. Denn selbst viele Showroom-Besucher kommen ja nur, weil gleichzeitig Messe ist. Wir brauchen die Messe als Anker, als einen, der organisiert und terminiert.
Aber wenn die Igedo kein Geld mehr verdienen würde?
Conzen Es gibt in anderen Städten Messegesellschaften, die bieten Kunstmessen an, mit denen sie kein Geld verdienen – man behält sie trotzdem, nur aus Imagegründen. Möglich, dass das auch hier mal akzeptiert werden müsste.
Die Stadt will 30 Millionen für den Um- und Ausbau des Aquazoos ausgeben. Reicht das?
Conzen Das ist viel Geld. Wir müssen mal schauen, was wir dafür bekommen. Sollten wir weitere Möglichkeiten sehen, die den Aquazoo noch attraktiver machen und sich rentieren würden, könnte man auch noch was drauflegen. Aber wichtig ist: Wir bauen hier kein Disneyland, sondern eine auch wissenschaftlich wichtige Einrichtung.
Wie soll es mit dem museum kunst palast weitergehen?
Conzen Wir haben uns da schon Entwürfe angeschaut. Zuerst müssen wir jetzt sagen: Was ist nötig, was kann man machen, was muss man machen.
Und – was muss man machen?
Conzen Schauen Sie sich doch nur einmal die graphische Sammlung des Museums an. Die liegt im Depot, und keiner sieht sie. Außerdem gibt es viele Sammler, deren Sammlungen einen Ort brauchen, um sie einmal zu präsentieren.
Was passiert denn nun?
Conzen Als Nächstes lassen wir eine Machbarkeitsstudie erstellen. Dann werden wir weitersehen. Vor der nächsten Quadriennale 2010 können wir nicht mit dem Bau beginnen, aber danach kann man die Sache angehen. Wir werden vorher aber den Architekten-Wettbewerb durchführen und die Planung bis zur Baureife umsetzen.
Die Fotokünstler Thomas Struth, Thomas Ruff und Andreas Gursky haben den Rektor der Kunstakademie, Markus Lüpertz, scharf angegriffen, weil der sich nicht um die Neubesetzung der Fotografie-Klasse kümmere. Ist die Kritik berechtigt?
Conzen Ja. Düsseldorf hat seit dem Ehepaar Becher und vor allem heute einen weltweit großen Ruf als Stadt der Foto-Kunst. Das darf man nicht vernachlässigen.
Die Stadt hat 400 000 Euro für die DTM-Präsentation ausgegeben und sich den Ski-Weltcup 500 000 Euro kosten lassen. Lohnt sich das?
Conzen (zögert) Ich finde, dass es auch Zeiten geben muss, in denen nichts passiert. Jede Veranstaltung muss auf den Prüfstand, nicht jedes Event ist sinnvoll. Wir brauchen nicht alles, was da so unterwegs ist.
Hans Onkelbach führte das Gespräch.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







