Wirte fürchten Umsatzeinbußen: Nichtraucher-Zone Altstadt
VON JENNIFER KOCH UND BIRGIT WANNINGER - zuletzt aktualisiert: 01.07.2008Düsseldorf (RPO). Ab heute darf in den Gaststätten von NRW nicht mehr geraucht werden. Wirte, vor allem in der Düsseldorfer Altstadt, fürchten Umsatzeinbußen und sind mit der Lösung nicht zufrieden. Andere wiederum werden kreativ.
Die Schonfrist ist abgelaufen. Seit dieser Nacht greifen auch in Nordrhein-Westfalen die Maßnahmen des Nichtraucherschutzgesetzes. Die Gastronomen haben unterschiedliche Strategien entwickelt. Im wesentlichen gibt es vier Varianten: Raucherclub, reines Nichtraucher-Lokal sowie Raucherbereiche im Freien oder in abgetrennten Räumen.
Die Umsetzung des Nichtraucherschutzes kontrolliert der städtische Ordnungs- und Servicedienst (OSD) mit einer „Null-Toleranz-Politik“. Die 150 Mitarbeiter im Außendienst müssen die Kontrollen allerdings neben ihrem laufenden Geschäft erledigen. Eine „Raucher-Polizei“, mit eigens abgestellten Mitarbeitern, gibt es nicht.
Die kleinsten Schwierigkeiten mit der Umsetzung haben in der Altstadt die Hausbrauereien. Sven Raffelsieper von der Gaststätte Zum Schlüssel: „Wir haben das große Glück, eine Terrasse und einen Biergarten zu besitzen.“ Auch im Uerige und im Füchschen gibt es genug Platz für Raucher und Nichtraucher: „In einem 100 Quadratmeter großen Raum darf weiter geraucht werden“, erklärt Michael Schnitzler vom Uerige. Die übrigen fünf Bereiche des Lokals sind seit heute Nichtraucherzone. Im Füchschen wurde der Wintergarten zum Raucherbereich: „Da passen etwa 90 Leute rein“, sagt Karsten Wolf, Bereichsleiter im Füchschen.
Andere Unternehmen sind erfinderisch: Café Engel und der Kuhstall teilen sich einen Raucherraum. Im Hinterhof der Lokale, die beide Inhaber Frank Engel gehören, wird noch gebaut. „Da entsteht eine Gastronomie mit neuer Idee“, sagt Christiane Kindermann, Geschäftsführerin des Engel.
Der Inhaber des Stone im Ratinger Hof, Timo Sin, wollte ursprünglich eine unkonventionelle Lösung. „Wir hatten die Idee einer Raucherkabine“, so Sin. Der Glaskasten sollte in der Diskothek errichtet werden. Aus Kostengründen wird darüber nachgedacht. Vermutlich wird das Stone doch ein Raucherclub mit Mitgliedskarten. Andere haben sich für die völlige Ignoranz entschieden. „Bei uns wird so lange geraucht, bis die den Laden schließen“, sagt Wirt Darko von der Kneipe Papillon.
Manche Gastronomen können dem Rauchverbot auch etwas Positives abgewinnen. Ruth Bornewasser, Kellnerin im Restaurant-Café „Schwan“ am Burgplatz, und selbst Nichtraucherin, findet: „Hat schon Vorteile, nie wieder Aschenbecher sauber machen zu müssen.“
Die neue Gesetzgebung entspricht nach einer Umfrage der Heinrich-Heine-Universität dem Willen der Bürger. Von 750 Befragten ab 18 Jahren plädierten 43 Prozent für ein absolutes Rauchverbot in Restaurants. Nur 20 Prozent fanden allerdings auch ein totales Rauchverbot in Kneipen und Bars sinnvoll.
Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband hofft bis zur endgültigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts Ende Juli auf die so genannte spanische Lösung. Dabei wird den Betreibern von Lokalen bis 100 Quadratmetern die Entscheidung freigestellt.
Einen Schwerpunkt mit vielen Berichten zum Rauchverbot in NRW-Kneipen finden Sie hier.
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