Arthrose-Behandlung: Nick Nolte: Arztbesuch in Düsseldorf
VON REGINA GOLDLÜCKE - zuletzt aktualisiert: 15.05.2010 - 10:16Düsseldorf (RPO). Peter Wehlings Erfolge im Kampf gegen die Volkskrankheit erregen internationales Aufsehen. Auch Filmstar Nick Nolte lässt sich von dem Orthopäden behandeln. Ziel der Forschung ist es, einen künstlichen Gelenkersatz so lange wie möglich hinauszuzögern
Zuerst hört der berühmte Besucher aus den USA geduldig zu, was Peter Wehling über "die Volkskrankheit der alternden Gesellschaft" zu sagen hat. Dann schaltet sich Nick Nolte mit sympathisch angerauter Filmstar-Stimme ein und berichtet von seinen Erfahrungen als Arthrose-Patient: "In Amerika nimmt man diese Art von Degeneration in Kauf. Man denkt, sie gehöre ab einem gewissen Alter dazu. Jahrelang habe ich furchtbare Schmerzen ertragen, weil ich es nicht besser wusste. Die Suche nach einem guten Arzt ist kompliziert, niemand sagt einem, wo man Hilfe bekommen kann."
Über einen Football-Star aus Dallas ("diese Sportler sind später alle Krüppel") habe er von einem Düsseldorfer Arzt erfahren, der mit seiner Arthrose-Behandlung international Aufsehen erregt hatte. "Danach begann ich bei Peter mit der Therapie", erzählt Nolte und lächelt seinem Arzt zu. "In einem Knie kam die Arthrose tatsächlich zum Stillstand, beim anderen konnte der Gelenkersatz um zwei Jahre hinausgezögert werden."
Peter Wehling ist Orthopäde im Stadttor Düsseldorf und lehrt an der Heinrich-Heine-Universität. Er entwickelte eine Injektions-Therapie gegen Arthrose. Kosten: ab 200 Euro pro Injektion, bis zu sechs werden empfohlen. Wehling gründete die Stiftung Molekulare Medizin zur Vernetzung und Förderung von Wissenschaft. www.wehling-hartmann.de Patienten-Hotline: 0211/602552
Jetzt flog der Star aus Hollywood erneut zur Behandlung ein. Und, um sich über neueste Ansätze in der Arthrosebekämpfung zu informieren. Sein Patient aus Hollywood unterscheide sich nicht von den meisten anderen, bestätigt Wehling. "Eine Heilung der Arthrose ist bislang nicht möglich. Es kommt darauf an, den Einsatz einer Gelenkprothese so lange wie möglich aufzuschieben." Bisher sei Standard, diese Zeit mit Schmerzmitteln zu überbrücken. "Wir attackieren damit leider nur die Symptome,", erklärt der Orthopäde. "Unser Ziel ist es, direkt in den Krankheitsprozess einzugreifen und die fortschreitende Zerstörung des Knorpels zu verhindern, ihn im besten Fall sogar zu regenerieren."
In Deutschland gibt es nach Erkenntnissen der Stiftung Molekulare Medizin etwa zehn Millionen Arthrosepatienten. Deren Behandlung belastet das Gesundheitssystem jährlich mit bis zu 80 Milliarden Euro. Das Leiden ist nicht nur ein immenser Kostentreiber, es mindert vor allem die Lebensqualität der Betroffenen. Umso dringlicher sind vernünftige Therapien. Der Düsseldorfer Professor fasst den momentanen Stand der Forschung zusammen: "In der Orthopädie ist der Standard hoch, der Entwicklungszyklus mittlerweile ausgereizt. Die weiteren Fortschritte müssen aus der Biologie kommen."
In der Gentherapie könne mit entscheidenden Erfolgen auf absehbare Zeit nicht gerechnet werden. Auch die Stammzelltherapie sei momentan noch keine Option. Wohl aber stehe bei der Therapiediagnose ein Durchbruch bevor, kündigt Wehling an: "An einem Blutstropfen lässt sich erkennen, welche Behandlung für den Patienten am besten geeignet ist. Bisher mussten wir alles ausprobieren – Injektionen, Medikamente, biologische Therapien. Neu entdeckte körpereigene oder künstliche Proteine spielen künftig eine wichtige Rolle. Damit haben wir jetzt auch Nick Nolte behandelt."
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