Karneval: Noch kein grünes Licht für den Zoch
VON HANS ONKELBACH - zuletzt aktualisiert: 16.02.2011 - 07:46Düsseldorf (RPO). Mittwochmorgen sprechen die Rosenmontagszug-Verantwortlichen mit der Polizei, der Feuerwehr und dem Ordnungsamt. Außerdem werden Experten des Tüv die Fahrzeuge begutachten. Eine Genehmigung für den Umzug steht noch aus. Die Behörde verlangt pro Wagen sechs Aufpasser.
Heute Vormittag um 10 Uhr wird sich entscheiden, ob die Narren durchatmen können. Dann nämlich werden sie erfahren, ob der Rosenmontagszug endlich die Genehmigung bekommt. Hans-Peter Suchand, Sprecher des Comitees Düsseldorfer Carneval (CC): "Wenn wir uns heute nicht einigen, dann wird es eng!" Schließlich sind es bis Rosenmontag keine drei Wochen mehr. Andere Narren, bei denen inzwischen die Nerven blankliegen, drohen schon mit Absage. Aber dazu wird es nicht kommen, signalisierten die CC-Vertreter gestern.
Hintergrund der inzwischen hektischen Aktivitäten: Seit der Katastrophe bei der Love Parade in Duisburg sind die Sicherheitsanforderungen an den Umzug drastisch verschärft worden. Oder vielmehr: Schon seit Jahren bestehende Vorschriften, bisher immer großzügig ausgelegt, werden nun penibel angewandt.
Daher wird es heute in der Wagenbauhalle neben dem Bilker Rheinbahn-Depot Steinberg eine Art Gipfeltreffen von Fachleuten geben: Die CC-Führungsriege wird dabei sein, um mit Technikern des TÜV und Sicherheitsfachleuten der Polizei, der Feuerwehr und des Ordnungsamtes zu sprechen.
Bereits gestern Mittag hatte man sich zu einem Gespräch im Rathaus getroffen, die Runde aber dann auf heute Vormittag vertagt. Sprecher der Polizei und der Stadt zeigten sich gestern davon überzeugt, dass man eine Lösung finden werde.
Das könnte sich allerdings schwierig gestalten, denn der Zorn der Jecken entzündet sich vor allem an der Forderung der Behörden, pro Wagen im Zug sechs Aufpasser nebenher gehen zu lassen. Zugleiter Hermann Schmitz: "Wer das will, der ist noch jecker als wir." Das CC erklärte zu der Forderung, die könne man unmöglich erfüllen, weil man so viele Leute gar nicht zur Verfügung habe.
Günter Korth, Präsident der Radschläger: "Unsere Leute freuen sich das ganze Jahr darauf, auf dem Wagen durch die Stadt zu fahren. Die kann ich jetzt nicht bitten, zu Fuß nebenher zu laufen. Und wenn ich fremdes Personal dafür engagiere, dann muss ich pro Person mindestens 100 Euro zahlen. Das ist für einen kleinen Verein überhaupt nicht zu finanzieren." So sieht es auch Ellen Schlepphorst, Vorsitzende der "Rather Aape" und Mitglied im CC-Vorstand: "Wir sind wirklich verzweifelt, wie wir das schaffen sollen."
Die jetzt zu befolgenden Vorschriften sind größtenteils nicht neu, sondern bereits seit Jahren gültig. Aber noch nie wurde so streng auf die Einhaltung gepocht. Die Narren allerdings beteuern, man habe sich natürlich schon immer an die Vorschriften gehalten. Jetzt jedoch reicht eine mündliche Zusage nicht mehr. Das Ordnungsamt will sämtliche Details schriftlich festgehalten sehen und damit jederzeit nachweisen können, wer verantwortlich ist. Unklarheiten wie nach der Katastrophe von Duisburg will man hier in Düsseldorf gar nicht erst aufkommen lassen.
Nicht nur der große Umzug ist von den verschärften Anforderungen betroffen. Auch der Kinderumzug und die verschiedenen kleineren Umzüge in den Stadtvierteln sind betroffen.
Ähnliche Probleme haben die Karnevalshochburgen in der Nachbarschaft: Köln bangt wie Düsseldorf um die Genehmigung, die Duisburger haben ebenfalls noch kein grünes Licht und auch in Mönchengladbach ächzen die Narren unter den Auflagen ihres Veilchendienstagzuges.
Dass es in einer der Städte tatsächlich zu einer Absage kommt, daran glaubt am Ende jedoch keiner. Einer der führenden Jecken in der Landeshauptstadt: "Wir werden ganz sicher einen Weg finden, alle Vorschriften zu erfüllen. Der Zoch wird laufen."
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