Heine und die Frauen: O Mutter! O Molly! O Mathilde! O Mouche!
VON SABINE KÖNIGS - zuletzt aktualisiert: 06.02.2006 - 11:27Düsseldorf (RP). Er liebte die Frauen, und manche Frauen liebten ihn. Am Ende ist ihm das zum Verhängnis geworden. Heine und die Frauen. Das ist ein tiefroter Faden durch Leben und Werk des Dichters, die Klammer seiner Biografie, ein Spiegel seiner Zeit. Ein Mammut- Thema also, das hier stenografiert werden soll.
Zu den wichtigen Frauen seines Lebens gehören in chronologischer Folge: seine Mutter Betty, die ihn im Denken prägt, ehrgeizige Pläne mit ihm hat und der Heine sich zeitlebens innig verbunden fühlt. Obwohl sie nichts mehr fürchtet, als dass „ich ein Dichter werden möchte; das wäre das Schlimmste, sagte sie immer, was mir passieren könne“, schreibt Heine in seinen „Memoiren“. Gleich danach die Jugendliebe Molly, wie Heine seine zur Leibesfülle neigende Cousine Amalie, Kaufmanns-Töchterchen aus bestem Hamburger Hause, nennt. Eine schwärmerische – und verschmähte Liebe. Zu gering von Stand ist der schmachtende Spross der armen Verwandtschaft. Unerfüllte Liebe, von der Heine-Fans bis heute profitieren, denn der Literaturwissenschaft gilt „das Amalien- Erlebnis“ als Auslöser für Heines lyrisches Werk.
Eine dauerhafte Beziehung und schließlich die Ehe geht Heinrich Heine mit Augustine Crescence Mirat ein, einem 18 Jahre jüngeren Bauernmädchen, für das er 1833 in einem Schuhladen spontan entflammt. Ihre üppige Schönheit, ihre Vitalität, ihr stürmisches Temperament sind ihm willkommene Kontraste zur eigenen skeptischgebrochenen Lebenshaltung. Mathilde, wie er die Gefährtin nennt, wird zum Objekt seiner Bildungsund Erziehungsbemühungen, zur Muse, zur Pflegerin auf dem Krankenbett. Und zur stillen Dulderin seiner Alters-Erotik, Heines Liaison mit der „Mouche“.
Wovon noch gar nicht die Rede war, sind die hochgebildeten Salon- Frauen und Schriftstellerinnen, mit denen Heine regen Austausch pflegte: Rahel Varnhagen, Germaine de Stael, George Sand, Fanny Lewald. Mentorinnen, Gönnerinnen, Konkurrentinnen, Vertraute. Frauen, die nicht mehr der lange gültigen Geschlechternorm „emotional, triebhaft, unmündig“ entsprachen, sondern selbstbestimmt ihr Leben gestalteten. Beide Frauenbilder, das lange gültige der Frau als Objekt männlicher Phantasie in Romantik und bürgerlichem Biedermeier sowie das neue der emanzipierten Frau, besingt Heine zuhauf in seinem Werk.
Frauenbilder hin, Gender-Studies her: Heines ganz weltliche und unmittelbare Vorliebe fürs Ur- Weibliche ist es schließlich auch, die ihn geradewegs in die Matratzengruft wirft. Bis heute wird eine Hirn- und Rückenmarkssyphilis als Ursache für sein langjähriges, letztlich tödliches Leiden vermutet. Die Geschlechtskrankheit werteten Heine-Kritiker zu allen Zeiten als Beleg und gerechte Strafe für sexuelle Ausschweifung und unbürgerlichen Lebenswandel.
Heine hätte es nicht anders erwartet.
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