Wer wird Nachfolger?: OB Erwins langer Schatten
VON JÖRN TÜFFERS - zuletzt aktualisiert: 10.06.2008Düsseldorf (RPO). Werbefachmann Oliver Lehnen überrascht das Umfrageergebnis zur OB-Wahl nicht. Der Bekanntheitsgrad von Karin Kortmann (SPD) und Dirk Elbers (CDU) sei relativ niedrig, weil Joachim Erwin so präsent gewesen sei.
Werbefachmann Oliver Lehnen kann nachvollziehen, dass nicht einmal die Hälfte der Düsseldorfer die Bewerber der beiden großen Parteien für den Posten des Oberbürgermeisters kennen. Der im Mai verstorbene OB Joachim Erwin sei so präsent gewesen, dass es keine Nummern zwei bis zehn in der Abfolge gegeben habe. „Bei einer omnipräsenten Führungskraft wie Erwin gab es für andere keine Bühne“, sagt Lehnen, Geschäftsführer der Düsseldorfer Werbeagentur Butter im RP-Gespräch.
Er empfiehlt den Kontrahenten Karin Kortmann (SPD) und Dirk Elbers (CDU), ihren Wahlkampf frühzeitig darauf auszurichten, ihren Bekanntheitsgrad zu steigern. „Ich halte nichts von einer Hauruckaktion, von der manche glauben, dass sie dadurch bekannt werden. Es bringt nichts, etwas vom Fernsehturm fallen zu lassen und zu hoffen, dass es jeder mitkriegt“, macht Lehnen deutlich.
Eine repräsentative Emnid-Umfrage im Auftrag von Rheinischer Post, center.tv und Antenne hatte ergeben, dass 53 Prozent der Befragten Dirk Elbers nicht kennen; 54 Prozent kennen seine Kontrahentin Karin Kortmann nicht. Trotz dieses Beinahe-Gleichstands darf sich der CDU-Mann als Favorit fühlen. 44 Prozent der 503 Wahlberechtigten hätten für ihn gestimmt, falls am Sonntag gewählt worden wäre, 30 Prozent der Stimmen wären auf die SPD-Kandidatin entfallen. Der Tag der Entscheidung ist der 31. August.
CDU-Wahlkämpfer Gerd Ozimek sieht sich durch die RP-Umfrage in einer Einschätzung zumindest bestätigt: Mit einem Erwin-Bonus dürfen Union und Elbers nicht rechnen. Er werde sich neu behaupten müssen – die Verdienste des OB, der neun Jahre lang an der Stadtspitze gestanden hat, spielten bei der Entscheidung zwischen Elbers und Kortmann keine Rolle, so der CDU-Geschäftsführer.
Dies bestätigt Werbefachmann Lehnen: Die Kandidaten müssten sagen, wie sie Düsseldorf in den kommenden zehn Jahren gestalten wollen: „Und das müssen sie in einfachen und klaren Bildern formulieren.“ Lehnen sieht die CDU allerdings im Vorteil: Sie dürfe für sich beanspruchen, dass es Düsseldorf unter Erwins Regie zu großen Erfolgen gebracht hat. Diese Wirtschafts- und Mittelstandskompetenz werde eindeutig der CDU zugeschrieben.
Die SPD bewertet das Umfrageergebnis als positiv: Sie setzt darauf, dass ein hoher Prozentsatz der Befragten mit keinem der beiden Bewerber etwas anfangen kann. „Die müssen wir erreichen“, sagt Parteisprecher Benno Jacobs. Mut mache auch der Umstand, dass der Bekanntheitsgrad nahezu identisch sei. Und dies, obwohl Elbers in der Kommunalpolitik präsenter als die Bundestagsabgeordnete Kortmann gewesen ist. Welche Konsequenzen die SPD aus diesen Umfragewerten ziehe, ist laut Jacobs aber noch offen. An diesem Freitag treffe sich der Parteivorstand erstmalig, um über Inhalte und Strategien zu beraten.
Werbefachmann Oliver Lehnen empfiehlt den Kandidaten vor allem Präsenz. Nicht die meisten Wahlplakate entschieden über Sieg oder Niederlage, sondern die Gespräche mit den Menschen. Bei solchen Veranstaltungen könne die Unterstützung von namhaften Politikern aus der Bundesebene hilfreich sein, „aber das muss man sorgsam abwägen“, mein Lehnen.
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