Am Düsseldorfer Flughafen: Odin spürt geschützte Tiere auf
VON JAN SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 27.02.2011 - 11:06Düsseldorf (RPO). Wenn Odin kratzt, ist meist etwas Verbotenes im Koffer: Der Golden Retriever, der am Flughafen im Einsatz ist, ist darauf abgerichtet, Lebensmittel und geschützte Tierarten zu riechen. Er ist einer von bundesweit sechs Artenschutz-Spürhunden des Zolls. Das Projekt soll bald ausgeweitet werden.
Er hat 120 lebende Exemplare, von Korallen bis hin zu in Kunststoffflaschen verpackten Clownfischen, im Koffer eines einzelnen Thailand-Urlaubers aufgespürt. Er kann bis zu 100 Mal pro Minute ein- und ausatmen, und vor allem: Er hat immer Spaß bei der Arbeit. "Bei Frühdiensten ist er sogar motivierter als ich", sagt Mario Scholz über die beste Spürnase des Zolls am Düsseldorfer Flughafen - und lächelt dabei.
Denn die Nase gehört zu einem Golden Retriever. Odin ist sechs Jahre alt und darauf abgerichtet, zum einen Lebensmittel durch die Hüllen von Koffern und Taschen zu erschnuppern - und zum anderen lebende oder tote Tiere, die unter den Artenschutz fallen.
„Deutschlandweit sind nur sechs Artenschutz-Spürhunde im Einsatz“, sagt Hundeführer Scholz. Das Pilotprojekt des Zolls begann in Bremen, Hamburg, Rostock und Düsseldorf, mittlerweile gibt es am Frankfurter Flughafen zwei weitere Hunde mit dieser Spezialausbildung.
Die Regelungen
Rund 8000 Tier- und 40 000 Pflanzenarten sind durch das Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. Dies ist detailreich: So gelten Zebras aus manchen Regionen als geschützt, in anderen dürfen sie geschossen werden.
Wer gegen das Abkommen verstößt und bei der Einfuhr verbotener Exemplare oder Produkte ertappt wird, begeht juristisch gesehen einen Bannbruch. Die Bundesartenschutzverordnung wurde auf Basis des Bundesnaturschutzgesetzes erlassen.
Weil diese erfolgreich arbeiteten und auch Wissenschaftler mittlerweile bestätigt hätten, dass die Hunde bei toten Tieren das so genannte Cadaverin, eine Fäulnisbase, riechen können, solle das Projekt bald ausgeweitet werden, sagt Zoll-Sprecher Michael Walk. Das wäre auch bitter nötig - denn „der Schmuggel mit geschützten Arten hat Hochkonjunktur“.
2009 habe der Zoll bundesweit 163 000 geschützte Tiere und Pflanzen gefunden, zumeist bei Stichproben, Röntgenkontrollen oder wenn notwendige Einfuhrpapiere fehlen. Spezielle Anforderungen an Rasse, Züchtung oder Stammbaum gibt es bei den Hunden nicht. „Ganz wichtig ist aber, wie bei Drogen- und Sprengstoffspürhunden, neben der Gesundheit ein großer Spieltrieb“, sagt Scholz.
Deswegen sei Odin auch spielerisch ausgebildet worden - mit verschiedenen Duftstoffen in Kunststoffröhrchen, vom Gepardenfall bis zum Korallenbruchstück. Besonders gut erkennt der Hund den Geruch von Reptilien - „egal, ob lebendig oder in Form einer Handtasche“, so Scholz. „Geübt haben wir beispielsweise mit Bartagamen, einer Echsenart, er erkennt aber auch Schildkröten.“
Findet Odin etwas Auffälliges, erhält er stets eine Belohnung - deswegen ist unter den Koffern, die er prüft, zumeist ein präparierter mit einem Gegenstand, mit dem er anschließend spielen darf. Als einjähriger Hund wurde er 2006 angeschafft, rund neun Monate nahm die Ausbildung in Anspruch. Zunächst wurde er - zu Zeiten des Ausbruchs der Vogelgrippe - auf Lebensmittel sensibilisiert, anschließend hinsichtlich des Artenschutzes. Fluggäste bekommen ihn und Scholz selten zu Gesicht. Denn der Hund arbeitet im Verborgenen: Er riecht an Frachtcontainern und hechelt auf Hochtouren über Gepäckbänder im nicht-öffentlichen Bereich des Flughafens.
Findet er etwas, kratzt er an dem Gepäckstück. Nach etwa 20 bis 30 Minuten ist dabei stets eine Pause angesagt. „Nasenarbeit ist sehr, sehr kräftezehrend“, sagt Zollobersekretär Scholz. Er tritt mit Odin stets im Team auf; der Hund, der auf dem Papier als Sache gilt, ist streng genommen Eigentum der Bundesrepublik Deutschland, lebt jedoch wie ein normales Haustier bei dem 34-Jährigen.
Ob die Tiere, die Odin erschnuppert, unter den Artenschutz fallen oder nicht, weiß der Hund selbstverständlich nicht: „Er schlägt auch schon mal auf ein Kaninchenfell oder eine Fischkonserve an“, sagt sein Herrchen. Die betroffenen Passagiere müssen zur Nachkontrolle, erst in ihrem Beisein würden die Koffer geöffnet, sagt Walk. Bevorzugt kommt der Hund bei Flügen aus Ländern zum Einsatz, in denen Tierseuchen grassieren, sowie bei Flügen und Anschlussverbindungen aus klassischen Urlaubsländern.
Nach acht Stunden, in denen er unter anderem das Gepäck zweier Maschinen aus Moskau und Istanbul gecheckt hat, bricht für Odin der wohlverdiente Feierabend an. Und wie verabschiedet er sich bis zum nächsten Morgen vom Flughafen? Mit freudig wedelndem Schwanz.
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