Metalldiebstahl auf zwei Spielplätzen: „Ohne Rutsche ist es hier langweilig“
VON GESA EVERS - zuletzt aktualisiert: 13.07.2007 - 08:40Düsseldorf (RPO). Wütende Eltern, enttäuschte Kinder: Der Metalldiebstahl auf zwei Spielplätzen im Volksgarten und an der Schlesischen Straße löst auch Tage später noch Kopfschütteln aus. Sie machen die Anlagen nicht nur kärger, sondern auch gefährlicher. Eine schnelle Festnahme der Täter ist unwahrscheinlich.
Hinter Justin hat sich eine Schlange gebildet. „Jetzt lass die anderen Kinder auch mal an die Wasserpistole“, sagt sein Großvater zu dem Jungen. Von den vier neu gebauten Geräten auf dem Spielplatz im Volksgarten ist noch eines intakt. Die anderen haben Diebe auseinander genommen, um das Metall für viel Geld zu verkaufen. „Das ist eine Schande“, schimpft Otto Belljan. Lange hatte sein Enkel darauf gewartet, dass die neue Anlage fertig wird. Jetzt läuft aus den demontierten Teilen nur ein dünnes Rinnsal in den Sand. Die beliebten „Wasserschlachten“ unter den Kindern fallen damit aus.
„Mir ist schleierhaft, wie man auf so eine Idee kommen kann. Die Leute nehmen wirklich alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist“, sagt die zweifache Mutter Sylvia Kaminski, und wirkt ratlos. Ihre Söhne Joel und Marlon seien „Wasserfans“, die gerade im Sommer gern im kühlen Nass spielten. Jetzt stehen sie etwas verloren im Sand und beobachten Justin hinter der verbliebenen Sprühkanone. „Das ist schon blöd“, meinen sie leise. Seit dem nächtlichen Raubzug ist der Spielplatz aber nicht nur beschädigt, sondern auch gefährlich. Die kiloschweren Pistolen, die die Räuber nicht entfernen konnten, baumeln ungesichert auf der Halterung. „Das ist einfach nur kriminell“, grummelt Familienvater Olaf Malstädt.
Auch die Besucher des zweiten verwüsteten Spielplatzes an der Schlesischen Straße sorgen sich um ihre Kinder. Die Diebe haben die Metallrutsche aus der Halterung geschraubt. Ein Absperrband sichert die Stelle notdürftig ab. „Wenn man nicht genau hinschaut, können sie fallen oder sich sogar strangulieren“, meint Brigitte Eßer aufgebracht. Von der Anlage ist nur noch ein Gerüst übrig. Auch die kleine Wasseranlage ist kaum benutzbar, weil die Rinne fehlt. „Wenn sie alles aus Metall rausreißen, hätten sie eigentlich auch noch die Mülleimer mitnehmen müssen“, sagt Christine Kirschke sarkastisch. Ihr fünfjähriger Sohn Jan bringt es auf den Punkt: „Ohne Rutsche ist es hier langweilig.“
Die Kinder im Stadtteil sind ohnehin nicht verwöhnt mit Spielmöglichkeiten. Die zwei kleinen Holzhäuschen gammeln vor sich hin, und abends hinterlassen Jugendliche Bierflaschen und Zigarrettenkippen. Um so härter trifft sie der Verlust der beiden Hauptattraktionen. „Darauf muss man erstmal kommen, auf einem Spielplatz die Rutsche und die Wasserrinne abzuschrauben“, so Kirschke. Annica Köhler nickt. „Man fragt sich schon, in was für einer Gegend man hier eigentlich lebt“, sagt die Mutter zweier Söhne. Sie und die anderen Anwohner haben wenig Hoffnung, dass sich an dem Zustand schnell etwas ändert. „Es hat schon lange gedauert, bis dieser kleine Platz saniert wurde“, erzählen sie. Es sei einfach nur traurig, dass den Kindern durch vandalierende Räuber der Spaß an der kleinen Anlage genommen würde.
„Der nächste Spielplatz ist ziemlich weit weg. Ich möchte nicht erst eine halbe Stunde unterwegs sein, bis sich meine Kinder irgendwo austoben können“, erklärt Köhler. Jetzt hofft sie, dass wenigstens die Schulhöfe von Zerstörungen verschont bleiben. Bis die Täter gefasst sind, kann es allerdings dauern. Von 323 gemeldeten Metalldiebstählen im vergangenen Jahr wurden lediglich 60 aufgeklärt.
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