Einzelhändler in Sorge: Ohne West LB droht vielen das Aus
VON THORSTEN BREITKOPF UND MARCUS PFEIFFER - zuletzt aktualisiert: 15.02.2011 - 07:56Düsseldorf (RPO). Die Einzelhändler und Gastronomen im Düsseldorfer Stadtteil Friedrichstadt sind in tiefer Sorge um ihre Zukunft. Sie leben von den Mitarbeitern der WestLB, die in der Mittagspause und zu Feierabend zu den wichtigsten Kunden gehören. Eine Schließung der Landesbank wäre für sie fatal.
Die WestLB entstand 1969 durch die Fusion der Landesbank für Westfalen und der Rheinischen Girozentrale und Provinzialbank. Nach milliardenschweren Spekulationen und Inanspruchnahme des Euro-Rettungsschirms sollte die Bank geschrumpft und verkauft werden. Bei einem Scheitern drohen der Bank eine Zerschlagung und Entlassungen.
Seit mehr als 20 Jahren ist die WestLB das Herz der Friedrichstadt. Wie eine Festung ragt das Gebäude an der Herzogstraße 15 in die Höhe. Doch so fest und sicher, wie es scheint, ist es dort schon lange nicht mehr. Noch ist eine Zerschlagung der Bank und damit ein Ende des Standorts in Düsseldorf nicht vom Tisch. Und auch wenn die EU einem wie auch immer gearteten Sanierungsplan zustimmt: Es wird einen massiven Stellenabbau geben, auch am Hauptsitz im Düsseldorfer Stadtteil Friedrichstadt. "Wenn die WestLB zerschlagen wird, ist das das Ende vieler Geschäftsleute hier im Stadtteile", warnte noch vor wenigen Tagen die WestLB-Betriebsratschefin Doris Ludwig. Vor allem die anliegenden Gastronomen und Einzelhändler an der Friedrichstraße und Herzogstraße sind verunsichert. Für viele von ihnen sind die WestLB und ihre Mitarbeiter die wichtigste Geschäftsbasis.
Zum Beispiel für Roberto Gül (39). Er betreibt seit 1999 direkt gegenüber der WestLB das Restaurant Il Mercato. "Früher war es besser", bilanziert er. "Zu 80 Prozent kamen unsere Mittagsgäste von der WestLB." Wie ein Wasserfall seien sie damals aus dem Haupteingang geströmt. Seit ungefähr fünf Jahren sei dies nicht mehr so. Dass Mitarbeiter entlassen wurden, habe man schon in den vergangenen Jahren sehr stark zu spüren bekommen. "Nur noch 30 Prozent der Mittagskundschaft sind WestLB-Mitarbeiter." Andere Stammgäste kämen statt täglich nur noch einmal pro Woche.
Was wäre, wenn es die WestLB in Friedrichstadt nicht mehr gäbe? "Wir haben hier alle Sorgen. Wir wissen nicht, ob es besser oder schlechter werden wird", sagt Roberto Gül. Der Masterplan des Gastronoms: Zur Sicherheit baut er sich einen zweiten Standort an der Kaiserswerther Straße auf, den er in zwei Wochen eröffnen möchte. "Zunächst bleiben wir auf jeden Fall hier in Düsseldorf-Friedrichstadt", versichert er.
Dieser Meinung ist auch Rocco Walter (39). Sein Eiscafé Adria gibt es seit 30 Jahren an der Herzogstraße. "Die West LB ist hier existenziell. Das Hauptgeschäft läuft mittags. Wenn sie den Standort schließen, kann die Friedrichstadt einpacken." Er bedauert auch Informationsdefizite. "Je länger gewartet wird, desto komplizierter werden die Konsequenzen und andere Planungen für uns", sagt er. "Die Entscheider sollten sich das gut überlegen."
Dem schließt sich auch Christel Düning-Breimeyer an. Sie erinnert sich genau: Am 22. März 1984 hat sie ihre Herz-Apotheke an der Friedrichstraße gegründet. "Wir sind im 27. Jahr und mit der WestLB gewachsen." Doch im Moment fühlt sich die Einzelhändlerin von der Politik im Stich gelassen. Schon durch die Eröffnung des "Prestige-Projekts" Düsseldorf Arkaden sei die Situation deutlich schlechter geworden. Zwei Vollzeitkräfte musste die Apothekerin entlassen. "Wenn die WestLB fällt, findet unsere Weihnachtsfeier nicht mehr mit 18 Leuten statt", prognostiziert sie. "Ein Geschäft ohne die Bank kann ich mir nicht vorstellen. Am liebsten würde ich das Geschäft sofort verkaufen."
Ganz anders sieht das Selian Yazici (26). Sein Arbeitgeber hat vor vier Wochen ein italienisches Café in den Räumlichkeiten des West LB-Gebäudes eröffnet. Zielgruppe ist eine eher gehobene Kundschaft. Schon nach kurzer Zeit hätten die Mitarbeiter der Landesbank zu den Stammkunden gehört. "Ich kann mir eine Standortschließung nicht vorstellen", zu wichtig sei die Bank, und zu aufwändig die Arbeiten, die sie erledigten.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







