Ist die Unesco-Gala in Gefahr?: Ohoven erwägt Klage
zuletzt aktualisiert: 15.11.2005 - 09:56Düsseldorf (dto/RP). Ute Ohoven, Unesco-Sonderbotschafterin und Benefiz-Queen vom Rhein, will möglicherweise Klage gegen den Manager ihrer Gala einreichen. Die ist zwar am Samstag reibungslos über die Bühne gegangen, aber zuvor war Heiko Günther wegen des Verdachts der räuberischen Erpressung in U-Haft genommen worden. Er konnte erst gegen eine Kaution an dem Fest teilnehmen. Günther soll Künstler und Prominente verpflichtet haben, die dann aber nicht gekommen sind, etwa Penelope Cruz und Laetitia Casta. Nun überlegen manche Sponsoren einen Rückzug von der Gala.
Seit dem Wochenende gibt es in der Düsseldorfer High Society nur noch ein Thema: den Skandal rund um den Unesco-Ball von Ute Ohoven. Die Gala drohte sogar ganz ins Wasser zu fallen. Wenige Stunden vor Beginn holte Ute Ohoven Günther mit Hilfe von Larry Hagman (spielte J.R. in Dallas) und für eine Kaution von 25.000 Euro vorübergehend aus dem Knast. 700 Euro Strafe wegen Beinstellen.
Was ist das für ein Mann, dem Ute Ohoven ihr Vertrauen geschenkt hat? Hätte sie vorher wissen müssen, auf wen sie sich einließ? Heiko Günther ist eine schillernde Figur, nennt Hagman und den Sänger Al Martino seine Freunde. Doch er steht nicht nur mit viel Prominenz in Kontakt, sondern hat auch immer wieder mit der Polizei zu tun: Der gebürtige Hesse wurde jüngst zu 700 Euro Geldstrafe verurteilt, weil er im April 2004 bei einer Promiparty in Leipzig dem Konzertveranstalter Peter Degen absichtlich ein Bein stellte und ihn anbrüllte: „Dich mache ich fertig. Von dir krieg ich noch Kohle.“
In München wurde Anklage wegen Versicherungsbetrugs erhoben, in Leipzig wird ihm räuberische Erpressung vorgeworfen und in Worms taucht sein Name im Zusammenhang mit vernachlässigten Zirkustieren auf. Aber auch in Düsseldorf ist Günther alias Wolf negativ aufgefallen. Rainer Tinius, Chef des Swissotel, erinnert sich: „Im Rahmen der Gala hatte ich mit dem Herrn zu tun. Er hat sich unmöglich aufgeführt, wurde schnell aufbrausend. Wenn jemand nicht nach seiner Pfeife tanzte, hat er ihn wüst beschimpft.“
Pöbelhaftes Auftreten, unprofessionelles Verhalten - so haben viele Sponsoren den Chef der Eventagentur „Feine Gesellschaft“ kennen gelernt. Das Neusser Lokal-Radio News 89,4 hatte geplant, eine Bühne vor dem Hotel aufzubauen. „Wir hatten schon angefangen, das Event zu bewerben“, sagt Chefredakteur Andreas Struppe. „Aber dann gab es keinen Vertrag, Verabredungen wurden nicht eingehalten. Und als ich darauf gepocht habe, mit Günther zu sprechen, hat er mich beschimpft und beleidigt.“ „Das Vorgehen ist eine Frechheit“
Die Firma Henkell & Söhnlein verzichtete in diesem Jahr ganz auf das Gala-Sponsoring. „Eigentlich stellen wir das Personal und spenden Sekt- sowie Champagner im Wert von 10000 Euro“, sagt ein Firmen-Sprecher. „Plötzlich wollte Günther aber Bares haben, und als wir das ablehnten, hat er uns als Dünnbrettbohrer bezeichnet.“
Bei Mercedes versuchte Günther sogar, bestehende Verträge „nach“ zu verhandeln. Er erklärte, Konkurrent Audi habe vor, einen Fuhrpark mit doppelt so vielen Autos zur Verfügung zu stellen, und lege außerdem 60.000 Euro drauf. „Ob es dieses Angebot jemals gab, ist mehr als fraglich,“ sagt ein Mercedes-Sprecher. „Fest steht, so ein Vorgehen ist eine Frechheit.“ Der Konzern werde prüfen müssen, ob er im kommenden Jahr noch einmal als Sponsor bei der Gala auftreten werde.
Düstere Schatten über dem Ball. Die Zukunft der Gala scheint ungewiss. „Alle fragen sich, wie sich Frau Ohoven auf so einen Typen einlassen konnte“, sagt Helge Achenbach, Kunsthändler und Düsseldorfer Lokalpromi. „So ein Skandal beschädigt nicht nur ihr Ansehen, sondern auch das der Unesco.“
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