Jahresrückblick 2005: Oktober: Vogelgrippe, Poller und ein Hochstapler
zuletzt aktualisiert: 23.12.2005 - 10:35Düsseldorf (dto). Viel Lärm um nichts? Das Schauspielhaus zeigt eine umstrittene Macbeth-Inszenierung. Auch umstritten sind die Poller, die auf der Kö aufgebaut werden sollen, damit Räuber mit ihren Autos nicht mehr in die Schaufenster fahren können. Aber die Matisse-Ausstellung im K20 zieht magisch an. Währenddessen macht der Sky Train wieder einmal schlapp und bekommt eine Zwangspause. Schwierige Zeiten brechen für Enten, Hühner und Gänse an. Wegen der Vogelgrippe müssen sie in hinter Gittern, und auch Schauspieler Martin Semmelrogge bleibt in Haft. Die Polizei hat ebenfalls allerhand zu tun. So musste ein LKW-Fahrer nach 59 Stunden hinter dem Steuer aus dem Verkehr gezogen werden, und auch ein falscher Fürst, der sich Zutritt in die gehobene Gesellschaft verschaffen wollte.
Ein Aufschrei geht im Oktober durch die Theaterszene. Der Grund: Exkremente und nackte Schauspieler bei der blutigen Macbeth-Inszenierung im Düsseldorfer Schauspielhaus. Der Regisseur Jürgen Gosch erregte damit den Unmut zahlreicher Zuschauer und spaltete die Meinung der Kritiker, die einerseits das Stück lobten, oder zerrissen. Die Matisse-Ausstellung im K20 ist ein Zuschauermagnat. Keine der Ausstellungen in den vergangenen zwanzig Jahren ist so umfangreich, wie die, die das K20 zeigt. Präsentiert werden rund 90 Gemälde der Jahre 1895 bis 1948, 60 Zeichnungen der Jahre 1898 bis 1944, 25 Plastiken der Jahre 1894 bis 1949 und 20 graphische Arbeiten der Jahre 1906 bis 1952.
80 Straßenpoller in die Erde fundamentiert, damit keine Räuber mehr mit ihren Wagen in die Schaufenster fahren können oder brutale Überfälle wie der im April, bei dem bislang unbekannte Männer mit Maschinenpistolen Schmuck und Uhren im Wert von 2,5 Millionen Euro erbeuteten und bei der Flucht zum Teil auch über Bordsteine fuhr, verhindert werden. Ob damit das Sicherheitsgefühl tatsächlich gefördert wird. Bleibt für viele fraglich.
Der für 80 Millionen Euro von Siemens konzipierte Sky-Train entwickelte sich in den vergangenen Monaten für das Unternehmen mit Weltruf zur Lachnummer. Immer wieder fielen die Bahnen aus. Fluggäste, die damit vom Flughafenbahnhof zu den Terminals oder Parkhäusern fahren wollten, saßen nicht selten fest und mussten aus ihrer misslichen Lage befreit werden. Der Airport hatte immer wieder mit Schadenersatzforderungen für den Zug gedroht, der schon zur Einweihung des neuen Terminals nicht in Fahrt gekommen war und erst Monate später rollte. Im Oktober wurde dann entschieden: Der Sky-Train soll 2006 für sechs Monate still gelegt werden. Sollte der Zug tatsächlich zum Stillstand für eine Generalüberholung kommen, werden zwischen dem Bahnhof und den Terminals wie in alten Zeiten Pendelbusse eingerichtet.
Der Schauspieler Martin Semmelrogge kann im Oktober nicht auf eine frühzeitige Haftentlassung hoffen. Ein entsprechender Antrag des Schauspielers auf Umwandlung seiner Reststrafe in eine Bewährungsstrafe wurde vom zuständigen Berliner Amtsgericht Tiergarten abgelehnt worden. Semmelrogge sitzt seit Februar in der Düsseldorfer Ulmer Höh in Haft.
Die Schutzmaßnahmen vor der Vogelgrippe sind in Düsseldorf in vollem Gang. Freilaufendes Federvieh muss vorsorglich hinter Gitter, damit es sich nicht bei Zugvögeln mit der Vogelgrippe ansteckt. Da die Landesregierung die vom Bund verordnete "Stallpflicht" auch in Nordrhein-Westfalen umsetzt, bereitet sich das städtische Amt für Verbraucherschutz in Düsseldorf auf Kontrollen der 110 Geflügelhalter der Stadt vor. Selbst wer nur zwei oder drei Vögel besitzt, der muss dafür sorgen, dass die durch ein Dach und mit Maschendraht vor den Kontakt mit Zugvögeln geschützt sind.
Dem Betrugsdezernat der Düsseldorfer Kripo ging im Oktober ein Hochstapler ins Netz. Der sehr selbstbewusst als Adeliger auftretende junge Mann soll bei einer noch unbekannten Zahl von Geschädigten einen Sachschaden von mindestens 50.000 Euro verursacht haben. Der Vorbestrafte, der sich nicht selten auch als „seine Durchlaucht“ hat anreden lassen, wurde an seinem 21. Geburtstag festgenommen. Unter dem Namen „Jörg Alexander Fürst zu Sayn Wittgenstein zu Berleburg“ hatte sich der wegen Urkundenfälschung zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilte Jörg D. aus Meppen versucht, in Düsseldorf ein neues Leben aufzubauen.
Die Polizei hat einen 55-jährigen Fernfahrer gestoppt, der 59 Stunden ununterbrochen hinterm Lenkrad gesessen hatte. Fahrer und Spedition müssen jeweils 1500 Euro Strafe zahlen. Der Mann war mit seinem 40-Tonner quer durch Österreich und Deutschland gefahren, als die Beamten des Verkehrsdienstes ihn bei einer Verkehrskontrolle auf der Oerschbachstraße erwischten. Sie staunten, als er ihnen seine Tachoscheibe aushändigte, die die Marathonfahrt dokumentierte. Der 55-Jährige war ununterbrochen und ohne ausreichende Ruhepause unterwegs gewesen.
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